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Wermelskirchen: Zerbrechlich-schöne Reise durch die Welt der Lyrik

Haus Eifgen in Wermelskirchen : Zerbrechlich-schöne Reise durch die Welt der Lyrik

Es ging um die Macht und Kraft der Worte am Dienstagabend im Haus Eifgen. Das passte natürlich vor allem deswegen, weil die Gedicht-Soiree mit dem Titel „Leben - Liebe - Lyrik“ mit Michael Wittschler (Lesung) und Arno Brabender (Gitarre) Teil der neuen Reihe „Spielfeld Wort“ im Haus Eifgen war.

In dieser Reihe sollten dort die eher leisen Töne im Mittelpunkt stehen, wo sonst die eher bluesigen und rockigen Töne vorherrschten.

Das Konzept war das einer musikalischen Lesung, gepaart mit allerlei interessanten Hintergründen rund um die Lyrik und die vorgestellten Autoren. „Es wird aber keine Deutschstunde, auch wenn hier zwei gestandene Deutschlehrer vor Ihnen sitzen“, sagte Wittschler schmunzlend, der über eine umfangreiche Autographensammlung verfügte – von den Autoren selbst handschriftlich verfasste Gedichte. Die beiden Wipperfürther, die sich nicht nur beruflich schon lange kannten, sondern auch gemeinsam mit den ihren Kindern Zeit auf Spielplätzen verbrachten, hatten sich bei einem jener Spielplatzbesuche dazu entschlossen, die Autographensammlung in eine multimediale Soiree zu verwandeln. Multimedial deswegen, weil es eben keine reine Lesung war, die ja sicherlich durch eine entsprechende Präsentation schon ein Erlebnis sein konnte. Sondern auch wegen Brabender und seiner E-Gitarre, die er unverzerrt, nur mit viel Hall versehen, spielte. Und wegen einer Leinwand, die hinter Wittschler stand.

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Dort waren Porträts der Dichter zu sehen, die von Wittschler selbst gezeichnet wurden und dem Publikum Gesichter zu den teils abstrakten, teils bildreichen und wortgewaltigen Gedichten gaben. Dazu konnte man die Abbildungen der Handschriften sehen, was ebenfalls besonders war, da man so etwas ja nur selten zu Gesicht bekam.

Die Auswahl der Gedichte war durch die vorhandenen Handschriften vorgegeben. Dennoch waren darunter viele Hochkaräter der deutschsprachigen Lyrik, auch wenn einem lyrisch eher unbedarften Menschen selbst Büchner-Preisträger wie Karl Krolow oder Reiner Kunze nicht viel sagen dürften. Allerdings war das Liebesgedicht „Dein Kopf auf meiner Brust“ von letzterem gerade in der Verbindung mit Brabenders sanft-zerbrechlichem Gitarrenspiel geradezu poppig-eingängig.

Bekannter, auch dem der Dichtkunst eher neutral gegenüberstehenden Zuhörer, waren dagegen Werke von Dichtern wie Wolf Biermann, Sarah Kirsch oder Ernst Jandl. Der Zusendung des Gedichts „Und als wir ans Ufer kamen“ des 1976 aus der DDR ausgebürgerten Biermann, sei eine längere Korrespondenz mit seiner damaligen Schulklasse vorausgegangen, sagte Wittschler.

„Wie glücklich war ich dann, als ich an meinem 40. Geburtstag den Brief von Wolf Biermann mit jenem Gedicht in meinem Briefkasten vorfand“, sagte der ehemalige Deutschlehrer.

Solcherlei Geschichten machten diese besondere Reise durch die Welt der Lyrik, so leise und zerbrechlich sie auch war, zu einer ganz besonderen Angelegenheit, die sich vor allem in der gebannten Aufmerksamkeit des Publikums im Haus Eifgen zeigte.