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Wermelskirchen: Zauberkünstler begeistert in der Katt

Zauberkünstler begeistert in der Katt : Zauberhafte Magie hilft gegen den Corona-Blues

In der Kattwinkelschen Fabrik sorgte der Wuppertaler Zauberkünstler Marc Weide am Freitag dafür, dass die Pandemie für einen Moment vergessen war. Das Publikum war begeistert von seinen tollen Tricks und seinem lausbubenhaftem Charme.

Es hätte durchaus ein wehmütiger Abend werden können. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass der Auftritt des Zauberers und Comedians Marc Weide am Freitagabend in der Kattwinkelschen Fabrik eine der letzten Veranstaltungen dieses Jahres war. Aber im Gegenteil: Der Wuppertaler Kleinkünstler sorgte in seinem Programm „Kann man davon leben?“ – der Titel, so Weide mit Galgenhumor, sei noch vor Corona entstanden – für staunende Gesichter, dankbares Gelächter und beste Laune. Denn der 30-Jährige verband aberwitzige Taschenspielertricks mit flotten Sprüchen zu einer launigen Mischung, die das Coronavirus für 70 Minuten in den Hintergrund drängte. Gleich zwei sehr eindrucksvolle Tricks präsentierte Weide nach einem Einspielerfilm auf der großen Leinwand an der rechten Bühnenseite. Beim einen ließ er ein rotes Tuch erst aus einer Glasflasche verschwinden, nur um es wenig später dort irgendwie wieder auftauchen zu lassen. Und bei der zweiten Nummer schaffte er es, einen Zauberwürfel nicht nur innerhalb von fünf Sekunden hinter dem Rücken zu lösen, sondern dabei auch die Illusion zu erzeugen, es habe sich dabei tatsächlich um einen echten Zauberwürfel gehandelt - nur um ihn dann im nächsten Moment zu zerreißen und die Papierschnipsel dann wie Konfetti durch die Luft fliegen zu lassen.

Wirklich herzerfrischend war es, als der junge Wuppertaler den oft zum Klischee verkommenen Magier-Auftritt – im Stil eines David Copperfield oder der Ehrlich Brothers – im roten Glitzersakko zum Sound des Backstreet-Boys-Hits „Larger Than Life“ mit zahlreichen völlig überflüssigen und sinnfreien Bewegungen persiflierte. „Gegen dieses Bild kämpfe ich seit Jahren an“, sagte Weide. Und kommentierte dann das launige „Geht doch!“ aus dem Publikum mit einem trockenen: „Ich habe ja ein wenig Bedenken, dass ihr daran jetzt Gefallen findet.“ Einen wunderbaren Kontrapunkt bildete dazu eine beinahe schon poetische Nummer zu sanfter Musik mit Seifenblasen und kleinen, weißen Bällen, die sich scheinbar willkürlich vermehrten oder spurlos verschwanden.

Gefallen fand das Publikum fraglos an dem, was es da serviert bekam. Denn Weide zeigte sich als echter Meister seines Fachs: Er schaffte es spielerisch, einerseits die verrücktesten Zaubertricks vorzuführen, die mal mit Karten, dann mit Zahlen und dann wiederum mit verschwundenen Ringen, Münzen oder Smartphones funktionierten. Andererseits verfügte der Wuppertaler über einen so sympathischen Lausbubencharme, mit dem er sein Publikum spielerisch um den Finger wickelte. Man merkte gar nicht, wie die Zeit verging, und als nach einer guten Stunde schon Schluss sein sollte, wollte das Publikum davon nichts wissen. Und so präsentierte Weide als Zugabe ein Video mit Jürgen von der Lippe, der einen ironisch-witzigen Nachruf auf den Kleinkünstler sprach – und ganz nebenbei die Antwort auf die Anfrage des Programms gab: „Kann man davon leben?“ Dieses Video war jedoch dem Publikum immer noch nicht genug, so dass sich Weide zu einer außerplanmäßigen Zugabe auf der Bühne wiederfand. „Ich improvisiere jetzt einfach was mit Karten. Obwohl ich mental schon im Feierabend bin.“ Und was dann kam, waren einige so launig dahergebrachte Kartentricks, die so simpel wirkten, dass ihre Brillanz beinahe im ausgelassenen Gelächter und lautstarken Applaus unterging. Und tatsächlich – die Magie des Wuppertaler Zauberkünstlers hatte es vollbracht: Für anderthalb Stunden war Corona völlig vergessen gewesen.