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Wermelskirchen / Wuppertal: Ralf Buddes Herz schlägt für die kleinen Bühnen

Wermelskirchener leitet TiC-Theater : Ralf Buddes Herz schlägt für die kleine Bühne

2007 drohte dem „Theater in Cronenberg“ die ­dauerhafte Pleite. Der gebürtige Wermelskirchener Ralf Budde half damals in Wuppertal weiter. Nun ist er wieder als Krisenmanager gefragt.

In normalen Zeiten stünde Ralf Budde gerade mitten im Spielbetrieb. Doch aus dem geliebten Theater-Treiben wurde der gebürtige Wermelskirchener am 13. März herausgerissen: „An diesem Tag haben wir den Spielbetrieb noch vor dem offiziellen Shutdown eingestellt“, erzählt der langjährige Geschäftsführer der früheren Kultbühne „Theater in Cronenberg“, die seit 2008 „TiC-Theater“ heißt.

Als Budde damals beschloss, dem Kind einen neuen Namen zu geben, stand die Zukunft der historischen Kleinkunst-Bühne mehr als auf der Kippe. Zusammen mit dem heutigen Co-Chef Stefan Hüfner konnte Budde, der als Sohn eines selbstständigen Wermelskirchener Bauingenieurs aufwuchs, die dauerhafte Pleite abwenden: „Das lief nicht nur über Konzepte, sondern auch durch eigenes finanzielles Engagement“, sagt der frühere Regieassistent, der sich an verschiedenen Opernhäusern von Köln über Bonn bis nach Wien seine Meriten verdiente. Das sei alles spannend und lehrreich gewesen.

Das TiC-Theater sollte jedoch sein Lebenswerk werden. Dieses Vorhaben steht nun auf wackligen Füßen. Denn die Rücklagen neigen sich langsam dem Ende zu, weshalb Budde im Augenblick das tut, was derzeit viele Menschen im Kulturbetrieb tun: „Ich bemühe mich, irgendwo Geld aufzutreiben“, sagt Budde und fügt hinzu, dass es für ein kleines Haus wie das Cronenberger Theater „schon in normalen Zeiten herausfordernd ist, über die Runden zu kommen“.

Das TiC habe zum Glück etliche Förderer und Freunde, „die die Kleinheit unserer Bühne schätzen“. Diesen Unterstützern sei bewusst, „dass kleine Bühnen es kaum schaffen, mit viel Publikum große Einnahmen zu erzielen“. Daher gebe es ein großzügiges Sponsoring, „mit dem sich die Kosten üblicherweise in Kombination mit den Erlösen aus Tickets und den Einnahmen aus dem Bar-Betrieb gut decken lassen“.

Doch das gelte eben nur im regulären Betrieb. Dieser existiert aber schon seit Wochen nicht mehr. Was für Budde besonders schlimm ist: „Leider ist weiter nicht absehbar, wann unsere Schauspieler wieder auf die Bühne zurückkehren dürfen.“ Wenn das nicht bald geschehe, „droht dem Bergischen Land eine wichtige Kleinkunstbühne verloren zu gehen“.

Für Budde, der am TiC nicht nur für das Kaufmännische zuständig ist, sondern auch die künstlerische Leitung innehat, wäre das ein herber Schlag. „Weniger, weil ich finanziell involviert bin, sondern vielmehr, weil mein Herz für diese kleinen Bühnen ganz besonders schlägt“. Budde glaubt, dass daran im positiven Sinne auch Wermelskirchen schuld sei: „In dieser Stadt habe ich meine kulturellen Wurzeln.“ Was schon zu seiner Zeit zu einer besonderen Prägung geführt habe: „Weil Wermelskirchen als Stadt zu klein war, gab es ja nie ein eigenes Theater. Mit der gut aufgestellten Musikschule vor Ort, dem Gastspielbetrieb der Kattwinkelschen Fabrik, den vielen klassischen Konzerten in den Kirchen und dem großen Angebot an Subkultur im AJZ Bahndamm bot sich aber dennoch eine wunderbare alternative Mischung.“ Diese habe auch ihn beeinflusst, zumal er streckenweise selbst in der Szene mitgemischt habe: „Das war Ende der Neunziger, als ich mit anderen Akteuren wie dem heute bekannten Bildungsjournalisten Armin Himmelrath Late Night Shows auf der Katt-Bühne inszenierte.“ Das Ganze sei über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren gelaufen und „eine wirklich lustige Zeit gewesen“. Man habe sich lokale Themen wie die Wahl des Bürgermeisters herausgepickt und diese Themen, „die damals noch sehr ergiebig waren“, als Kabarett unter dem Namen „Neue Deutsche Betroffenheit“ auf die Bühne gebracht.

Solche Erinnerungen haben auch ihren Teil dazu beigetragen, „dass ich mich wieder im Bergischen Land gesettelt habe“. In erster Linie liege ihm natürlich das TiC-Theater am Herzen. Sollte es hoffentlich bald öffnen dürfen, würde Budde sich freuen, „wenn auch wieder – wie schon vor Beginn der Corona-Krise – viele Wermelskirchener zu uns kommen“. Denn wäre der Kulturbetrieb erst einmal wieder in Gang gesetzt, würde es den Theatermachern helfen, „wenn die Leute genug Netflix geschaut haben und umso deutlicher spüren, dass keine noch so gut gemachte Serie die Atmosphäre in einem Theater ersetzen kann“.