Wermelskirchen: Worauf Krankenhaus, Tierheim und Landwirte bei Hitze besonders achten

Sommerwetter : Das beste Rezept gegen Hitze ist trinken

Patienten und Tiere sind jetzt besonders darauf angewiesen, dass ihnen viel Wasser gereicht wird.

Temperaturen von 33, 34 Grad machen Mensch und Tier arg zu schaffen. Der Flüssigkeitsverlust ist groß, ein Ausgleich und eine Abkühlung durch reichliches Trinken ein absolutes Muss. Doch nicht jeder kommt selbstständig an das wertvolle Nass, sondern ist auf andere angewiesen. Unsere Redaktion fragte nach, wie Patienten und Tiere derzeit versorgt werden.

„Wir bieten Patienten zu jeder Jahreszeit Getränke an, aber das Pflegepersonal achtet jetzt besonders darauf, dass gerade ältere Patienten ausreichend Flüssigkeit bekommen“, sagt Monika Hartung, Pflegedienstleiterin und Hygienefachkraft am Krankenhaus Wermelskirchen GmbH. Während junge Menschen ein natürliches Durstgefühl haben und sehr oft zum Wasser greifen, verspüren ältere Menschen weniger Durst. Das kann gefährlich sein. Sie müssen generell ganz bewusst darauf achten, dass sie eine ausreichende Menge trinken. Aber viele vergessen es. „Daher führen wir immer Trinkprotokolle“, erklärt die Pflegedienstleiterin. Dokumentiert werde, wie viel und wann der jeweilige Patient trinkt. Den Senioren müsse nun angesichts hoher Temperaturen häufiger ein Getränk angeboten werden.

Diese Protokolle sind Pflicht, das Pflegepersonal sei aber auch darin geschult, auf sogenannte Marker zu achten. Sie zeigen an, dass jemand zu wenig getrunken hat: zum einen wenn der Urin eine deutliche Färbung hat, nicht hell und klar ist, zum anderen der Hauttest. Man zieht an einer Hautfalte, wenn diese nicht sofort zurückgeht, habe die Hautspannung aufgrund einer nicht ausreichenden Flüssigkeitszufuhr nachgelassen. Entweder der Patient trinke dann mehr oder er erhalte eine Infusion.

Ein erhöhtes Patientenaufkommen durch Sonnenstich, Dehydrierung oder Kreislaufschwäche sei zurzeit im Krankenhaus Wermelskirchen nicht zu verzeichnen. „Wobei bei Kreislaufproblemen nicht Rückschlüsse auf hitzebedingte Ursachen gezogen werden können“, betont Monika Hartung. Auch Herzprobleme könnten eine mögliche Ursache sein.

Hunde schwitzen nicht, sondern kühlen ihren Körper durch Hecheln ab. Dennoch sei es bei diesen Temperaturen sehr wichtig, dass die Tiere jederzeit ausreichend Trinkwasser haben, betont Günter Leuerer, Vorsitzender des Tierschutzvereins und Betriebsleiter des Tierheims. „Wir stellen die Trinknäpfe in den Schatten und füllen sie jetzt öfter nach.“ Zum Glück liege das Tierheim in einem Tal, für ausreichend Schatten ist gesorgt. Die ehrenamtlichen Gassigeher werden gebeten, mit ihren Schützlingen kurze Wege zu laufen.

Im Kuhstall von Familie Mühlinghaus in Mittelrautenbach sind die Tiere in diesen Tagen deutlich träger als sonst – das wirkt sich auch auf die Menge der Milch aus. „Die Hitze setzt den Rindern ganz schön zu“, sagt Torsten Mühlinghaus. Bei null oder zehn Grad würden sich die Tiere deutlich wohler fühlen, als bei den aktuellen Temperaturen. Weil Familie Mühlinghaus um das Unbehagen der Kühe bei Hitze weiß, hat sie im vergangenen Jahr eine Entscheidung getroffen: Die Rinder kommen im Sommer nachts auf die Weide. Dann sind die Temperaturen angenehmer, die Tiere erleiden keinen Sonnenbrand und auch der Fliegenbefall ist deutlich geringer. Morgens holt die Familie die Kühe in den Stall. „Große Ventilatoren sorgen dann dafür, dass auch mal ein Windzug im Stall weht“, sagt der Landwirt, „und der Weg zum Wasser ist kurz.“ Keine Kuh braucht mehr als zehn Meter zu gehen – auf der Wiese sind es auch mal 50 Schritte, die die Kühe hinter sich legen müssen. Das führe bei der Hitze im Sommer dann dazu, dass sie auf der Weide das Fressen und Saufen völlig einstellen. „Im Stall nutzen die Rinder aber die kurzen Wege zum Wasser“, weiß Mühlinghaus. 80 statt die gewohnten 60 Liter Wasser säuft jedes der Tiere, wenn die Temperaturen immer höher klettern. „Da müssen wir jetzt gemeinsam durch“, sagt der Landwirt und hofft auch selbst auf weniger heiße Tage.

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