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Wermelskirchen: Wieso heißen Dellmänner eigentlich Dellmänner?

Wermelskirchen und sein Kosename : Wieso heißen Dellmänner eigentlich Dellmänner?

Es heißt, die Wermelskirchener hätten ihren Spitznamen von einem Pastoren. Andere erinnern sich aber auch noch an eine ganz andere Legende...

Wenn Wermelskirchener von sich reden, nennen sie sich gerne liebevoll und auch ein wenig stolz „Dellmänner“. Und eine der mehreren mündlichen Überlieferungen besagt, dass dieser Name auf jenen Pastor Gustav Dellmann zurückzuführen ist, der 1849 in Essen geboren wurde und 1914 in Wermelskirchen verstorben ist, wo er von 1881 bis 1910 wirkte. Heute gibt es die Dellmannstraße, Dellmann-Bräu und die Dellmark. So haben wir es auch in unserem Stadtporträt über Wermelskirchen in der vergangenen Woche berichtet. Doch offenbar ranken sich noch mehr Geschichten um den Kosenamen „Dellmann“, denn diese Woche meldete sich Hermann Sohns, der in Wermelskirchen aufgewachsen ist, in unserer Redaktion.

Als kleiner Junge habe er von seiner Großmutter Wilhelmine, die mit ihrem Ehemann 1935 das „Café Sohns“ in der Kölner Straße geführt hat, eine ganz andere Geschichte gehört, warum die Dellmänner denn Dellmänner heißen: „Meine Oma hat immer erzählt, dass die Wermelskirchener ganz früher immer nach Remscheid gegangen sind, um dort zu arbeiten“, erinnert sich Hermann Sohns. „Für die Mittagspause hatten sie ihren Kostmüter dabei und nach dem Essen mussten sie ruhen“, erinnert er sich und fügt hinzu: „Und haben deshalb gesagt ‚ech don mech jet dell’, was soviel heißt, wie: ich lege mich jetzt schlafen.“ Er lacht bei der Erzählung, denn die Mittagsschläfer seien dann stets von den Remscheidern geweckt worden, die sie – eigentlich gar nicht freundlich – Dellmänner, also Schlafmützen – genannt hätten. „Als Kinder haben wir in den 50er Jahren oft bei meinem Onkel in Remscheid gespielt“, sagt Hermann Johns. „Da haben die Remschidder uns auch immer als Dellmänner angesprochen.“ Er habe das aber nie als negativ empfunden. „Wir waren halt die Dellmänner, die waren die Remschidder und Solingen war Solich. So war das eben“, erzählt er fröhlich. „Ob die Geschichte mit den schlafenden Dellmännern historisch stimmt, weiß ich natürlich nicht. Aber ich erinnere mich gut daran, dass meine Großmutter mir diese Version immer erzählt hat.“

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Historisch belegt ist diese Variante tatsächlich nicht, sagt Volker Ernst, Vorsitzender des Geschichtsvereins, auf Nachfrage. „Es gibt viele mündliche Überlieferungen und je nachdem, wen man fragt, bekommt man eine andere Version geliefert. Das ist auch oft bei Straßennamen so“, weiß er. Am liebsten ist es ihm deshalb für die Arbeit des Vereins, „wenn es einen schriftlichen Beweis für die Überlieferungen geben würde“, sagt Volker Ernst und fügt amüsiert hinzu: „Weil: Wir sind ja der Geschichtsverein und nicht der Geschichtenverein.“

Aber so ganz unbewegt hat ihn die charmante „ech don mech jet dell“-Variante dann doch nicht gelassen. Zumindest hat sich der Vorsitzende des Geschichtsvereins nach unserer Nachfrage gleich umgehört und siehe da: Gerd Gries, der Archivleiter der Geschichtsvereins, habe die Geschichte mit dem Mittagsschläfchen auch schonmal gehört, berichtet Volker Ernst. Und auch die Mundartfreunde, die er gleich nach dem Ausspruch gefragt habe, wussten, um was es geht, wenn es heißt „ech don mech jet dell“. Allerdings: „Die meisten Leute glauben an die Auslegung, dass Dellmänner durch Gustav Dellmann entstanden ist“, so Volker Ernst. Wobei es für ihn natürlich spannend wäre, wenn es für die Mittagspausen-Geschichte tatsächlich einen historischen Beweis geben würde. „Das wird aber ähnlich sein wie mit der Auslegung für Straßennamen“, sagt Volker Ernst. „Da gibt es viele Menschen, die viele Geschichten erzählen.“

Welche nun tatsächlich stimmt, ist Hermann Sohns, der 1970 aus Wermelskirchen weggezogen ist, um bei der Commerzbank in Frankfurt zu arbeiten, eigentlich egal. Der 79-Jährige, der heute mit Ehefrau Marlies in einer Seniorenresizdenz in Düsseldorf lebt, erinnert sich einfach gerne an sein Heimatstädtchen und an die Geschichten aus der „Kleinstadt mit Herz“, die er noch heute regelmäßig besucht. „Dann gehen wir immer Kaffee trinken bei Café Wild oder essen im Schwanen“, erzählt der gebürtige Wermelskirchener, der in Düsseldorf wohnt, „weil meine Frau gebürtige Düsseldorferin ist und nach meiner Pensionierung zurück in ihre Heimatstadt wollte.“ Dann lacht er und gesteht: „Ich gelte hier in der Stadt immer noch als ein Zugezogener. Weil: Ich bleibe eben für immer ein Dellmann...“