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Wermelskirchen: Wie in Kitas mit Kindern über den Ukraine-Krieg gesprochen wird

Wermelskirchen und der Ukraine-Krieg : Kinder mit Kriegssorgen nicht alleine lassen

Die Kita-Leitungen in Wermelskirchen bereiten sich auf Gespräche mit Jungen und Mädchen über den Ukraine-Krieg vor. Vor allem die Älteren stellen Fragen.

Neulich im Morgenkreis in der Kita Wirtsmühle sprach ein Junge plötzlich über die Ukraine. Er hatte gehört, dass in dem Land nun Krieg herrsche und viele Menschen auf der Flucht seien. Und er hatte Menschen kennengelernt, die ihre Heimat verlassen mussten und nun in Wermelskirchen Schutz vor dem Krieg suchten. „Es gab auch Kinder, die entsprechende Situationen im Freispiel nachgespielt haben“, sagt Kita-Leiterin Britta Bäumer. „Wir haben das dann mit den Kindern thematisiert.“ Erzieher und Kinder kamen ins Gespräch.

Es sind herausfordernde Zeiten – für Kinder, Eltern und Erzieher. Jungen und Mädchen backen in den Kindertagesstätten Waffeln oder verkaufen Kleidung, um Geflüchteten zu helfen. Sie begegnen Kindern, die nicht ihre Sprache sprechen. Das Thema Krieg macht vor den Türen der heimischen Kindertagesstätten nicht Halt.

„Wie man mit Kindern über den Krieg spricht, hängt jedoch stark von ihrem Alter und ihrem Entwicklungsstand ab“, sagt Jugendamtsleiterin Barbara Frank. Kinder unter drei Jahren könnten zwischen Fantasie und Wirklichkeit oft noch nicht unterscheiden. „Sie sollten vor Nachrichten dieser Art unbedingt geschützt werden“, sagt Barbara Frank. Währenddessen sei es bei Kindern ab vier oder fünf Jahren ganz wichtig, kindgerecht und einfühlsam auf die Fragen und Äußerungen einzugehen.

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Die Erzieherinnen in den heimischen Kindertagesstätten bereiten sich häufig auf diese Situation vor. „Wir haben uns im Team ausgetauscht und überlegt, wie wir mit diesem Thema verfahren wollen“, erzählt etwa Daniela Leocata, Leiterin der Kita Forstring. Bisher sei das Thema bei vielen Kindern nicht angekommen. Vereinzelt hätten ältere Kinder, die etwa Geschwister in der Schule haben, über den Krieg gesprochen. „Um andere Kinder nicht zu überfordern, haben die Kolleginnen dann nur mit den entsprechenden Kindern das Thema besprochen“, erzählt die Leiterin. Sollte der Ukraine-Krieg künftig für immer mehr Kinder präsent werden, wolle das Team das Thema „Streit“ als Grundlage für ein Gespräch nehmen. Zur Vorbereitung hat Daniela Leocata bereits an einem Vortrag mit einer Expertin für Neuro- und Entwicklungspsychologie teilgenommen – unter dem Thema: Mit Kindern über Krieg sprechen.

Auch in der Kita Jahnstraße beobachten die Erzieherinnen, dass die Kinder ganz unterschiedlich mit den Geschehnissen in der Ukraine umgehen. „In manchen Familien wird der Krieg thematisiert, in anderen tabuisiert“, sagt Kita-Leiter Roger Münster. „Und gelegentlich bekommen Kinder auch irgendwo in den Nachrichten etwas mit.“ In der Kita habe sich das Team darauf verständigt, Fragen der Jungen und Mädchen kindergerecht zu beantworten, aber nicht weiter zu vertiefen – um keine unnötigen Ängste zu schüren. „Sobald Kinder ihren Wissensdurst gestillt haben, hören sie auf zu fragen“, sagt der Kita-Leiter.

Auch in den kirchlichen Einrichtungen kommen Kinder seit Kriegsausbruch mit neuen Fragen zu den Erzieherinnen: Die Evangelische Kirchengemeinde Wermelskirchen hat in Tente schon kurz nach Ausbruch des Krieges auch Kita-Kinder mit ihren Eltern zu einem besonderen Gottesdienst eingeladen, um dem Thema Raum zu geben. Während der Passionszeit sprach Pfarrerin Sabrina Frackenpohl-Koberski mit Kita-Eltern darüber, wie sie mit ihren Kindern über Themen wie Tod und Sterben ins Gespräch kommen.

„Generell gilt es, die Sorgen und Ängste der Kinder ernst zu nehmen und diese nicht klein zu reden“, sagt auch Barbara Frank. Es sei wichtig, dann sachlich zu bleiben, klare Worte zu finden, Sorgen zu benennen, aber nicht selbst in Panik zu verfallen. Manchen Kindern helfe es, ihre Gedanken und Gefühle in Bildern oder Geschichten festzuhalten. Es gebe auch Bilderbücher, die helfen können, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen und ihre Fragen zu beantworten.

„Kinder brauchen in solchen Situationen Erwachsene, die Ruhe, Sicherheit und Zuversicht ausstrahlen“, sagt Barbara Frank. Auch wenn die Zeiten es gerade nicht hergeben.