Stellvertretender Chefredakteur stellte sich den Fragen Bild-Journalist über seinen Glauben

Wermelskirchen · Daniel Böcking war zu Gast bei der siebten Brotzeit in der Evangelischen Freien Gemeinde an der Neuschäferhöhe.

 Daniel Böcking ist bekennender Christ.

Daniel Böcking ist bekennender Christ.

Foto: Christian Langbehn

So viel vorneweg: Wenn die Evangelische Freikirchliche Gemeinde an der Neuschäferhöhe zur Brotzeit auftischt, dann macht sie das mit so viel Liebe zum Detail und Gastfreundschaft, dass es nicht wundert, dass die Abende für Leib und Seele meist ausverkauft sind. Über die Gäste freilich darf man geteilter Meinung sein – jedenfalls seit am Freitag der stellvertretende Bild-Chefredakteur Daniel Böcking auf der Bühne Platz nahm. Nun ist ja ein Beruf bloß ein Beruf. Aber die Bildzeitung ist eben die Bildzeitung – keine Tageszeitung hat eine höhere Auflage in Deutschland, aber daneben stehen häufige Rügen des Presserats wegen Missachtung von Persönlichkeitsrechten, mangelnder Beachtung der journalistischen Sorgfaltspflicht und vorschneller Verurteilung von Verdächtigen. Vermutlich hätte es Daniel Böcking also eher nicht auf die Interview-Couch in der EFG geschafft – hätte er nicht vor sechs Jahren zum Glauben gefunden und danach zwei Bücher und etliche Artikel darüber geschrieben. Und weil dieses Spannungsfeld – zwischen Bild-Journalist und bekehrtem Christ – offensichtlich Fragen aufwirft, wird Böcking seitdem in Gemeinden eingeladen

„Ich weiß, dass ich nichts Großes geleistet habe“, erklärte er dann auch gleich zu Beginn seines Besuchs auf der Bühne an der Neuschäferhöhe, „aber ich hoffe, dass ich Gott ein bisschen vorleuchten kann.“ Knapp zwei Stunden lang stellte er sich dann im Interview den Fragen der Gemeinde – über seine Frau und die vier gemeinsamen Kinder über  seinen Weg zum Glauben.

Er berichtete von den Begegnungen in Haiti nach dem schweren Beben – als er als Bild-Journalist auf Christen traf, die ihn beeindruckten. Von seinem Wunsch, mehr zu erfahren – über Jesus, Gott und die Welt. Wie er das Beten übte, Gottesdienste zu besuchen begann und anfing, in der Bibel zu lesen. Gott sei ihm nicht fremd gewesen. Aber als er sich dann entschied, aktiv zu bekennen, da habe sich doch vieles verändert. Seitdem stehe er morgens um fünf auf, um zu entdecken, wo er dienen könne und er höre beim Laufen Predigten. Seine Arbeit erwähnt er eher beiläufig: Seit er von seinem Glauben erzähle, hätten auch andere Kollegen sich als Christen zu erkennen gegeben. Offenbar gibt es bei Bild Gebets- und Andachtskreise.

Und doch hängt den ganzen Abend diese Frage im Raum: Wie geht das? Christ und Bild-Journalist? „Ihr seid sehr freundlich zu mir“, stellt Böcking irgendwann fest. Und damit trifft er den Punkt. Das Thema Bild-Zeitung wird nur angerissen. „Wir haben in den 20 Jahren, in denen ich bei der Bild-Zeitung bin, nie absichtlich gelogen“, sagt Böcking schließlich. Noch nie habe er seine Arbeit nicht mit seinem Gewissen vereinbaren können.

Als es ein Gemeindemitglied nachhakt, sich auf das Sofa setzt, nach der Berichterstattung um HSV-Star Bakery Jatta fragt und wissen will, ob in der Redaktion auch mal diskutiert werde, ob man zu weit gehe, antwortet Böcking erst ganz ruhig: Um aktuelle Schlagzeilen zu diskutieren, sei er nicht der Richtige. Das mache der Chefredakteur oder die Pressestelle. Dann kann er doch nicht anders und argumentiert leidenschaftlich für die Bild. Das Publikum klatscht zum ersten Mal an diesem Abend. Aber bei dem ein oder anderen bleibt doch der Eindruck hängen, dass der Gast den Unterschied zwischen Wahrheit und Meinung nicht recht verstanden hat.

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