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Wermelskirchen: Wie der SPD-Fraktionsvorsitzende seinen Wahlbezirk sieht

Mein Wahlbezirk Jochen Bilstein (SPD) : Ein bisschen heile Welt im Grünen

Der Stimmbezirk Forstring ist ein ruhiges, schönes Wohnviertel mit vielen Einfamilienhäusern, aber wenigen Mietwohnungen.

Wenn SPD-Fraktionsvorsitzender Jochen Bilstein durch seinen Wahlbezirk 11 (Forstring/Braunsberg) geht, sieht er keine drängenden Probleme, keine Brennpunkte, sondern eine schöne Wohngegend mit vielen Einfamilienhäusern, gepflegten Gärten und einem Naherholungsgebiet mit Wäldern und Wiesen direkt vor den Haustüren. Hier gibt es mit der Kita Forstring und der Wald-Kita sogar ein gutes Infrastruktur-Angebot für Familien.

Der Wahlbezirk 11 ist ein ruhiges Viertel, zwischen Innenstadt und Tente gelegen – noch zentrumsnah und dennoch im Grünen. „Vor vielen Jahren hat es wohl mal Probleme mit Jugendlichen gegeben, berichteten mir Kollegen. Die sind längst aus der Welt“, erzählt Jochen Bilstein. Der Bezirk, den die CDU bei der jüngsten Kommunalwahl gewonnen hat, birgt wenig Reibungspunkte. In seinen Augen ist er aber ein Paradebeispiel für Wohnungs- und Baupolitik der 70er, 80er Jahre. „Man hat hier teilweise sehr dicht bebaut. Und es gibt nur wenige Mehrfamilienhäuser“, sagt der Sozialdemokrat, der sich für dieses Viertel auch Mietwohnungen gewünscht hätte. Jochen Bilstein wohnt selbst nicht in dem Bezirk, geht dort öfter spazieren in Richtung Wald. „Vor einigen Jahren habe wir erwogen, nach Braunsberg zu ziehen, wir sind dann aber unserem Viertel Herrlinghausen treu geblieben.“

 Schöne Einfamilienhäuser prägen Bilsteins Wahlbezirk Braunsberg.   Foto: Pudelski
Schöne Einfamilienhäuser prägen Bilsteins Wahlbezirk Braunsberg. Foto: Pudelski Foto: Solveig Pudelski
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Wenn er im Wahlkampf Flyer der SPD verteilte und an Türen klingele, höre er wenig Beschwerden oder Wünsche. „Natürlich ist der Kontakt zu den Bürgern, zu den Wählern größer, wenn man mittendrin in dem Stimmbezirk wohnt“, räumt er ein. Da er diesen aber schon über vier Ratsperioden inne habe, kenne er jede Straße und beobachte die Entwicklungen. Die ersten Häuslebauer seien älter werden, es zeichne sich ein Generationswechsel ab. Bezogen auf die Altersstruktur stimme der Mix inzwischen. Das müsse man im Blick behalten und das Angebot an den Bedarf anpassen, beispielsweise einen Seniorentreff einrichten.

Wohnen sei für ihn, für die SPD ein großes Thema, eine Zukunftsfrage, die die gesamte Stadt betrifft. „Wir brauchen nicht nur Einfamilienhäuser, sondern ein Wohnangebot für alle. Wir brauchen auch einen sozialen Mix. Es fehlen beispielsweise kleinere Wohnungen für Singles“, stellt er fest, während er über die Braunsberger Straße, Forstring, Wildpfad und Marderweg geht. Hier gebe es nur wenige Einliegerwohnungen, die dieser Nachfrage entgegen kämen. Dass auch bezahlbarer Wohnraum für Mieter geschaffen wird, liege ihm sehr am Herzen. „Deshalb fordern wir einen Mietspiegel für Wermelskirchen. Die Nachbarstadt Burscheid hat gerade ihren veröffentlicht“, erwähnt Bilstein. Wohnbauland-Potenzial sieht er in diesem Stimmbezirk allerdings nicht, aber in Pohlhausen sei noch Entwicklungspotenzial vorhanden. Dort könnte auch sozialer Wohnungsbau verwirklicht werden. Mit dem von der Politik gewünschten Baulandmanagement soll Baurecht an bestimmte Auflagen geknüpft werden, es umfasse auch eine Beteiligung der Investoren an den Allgemeinkosten.

Das erklärte Ziel der bürgerlichen Mehrheit im Rat, dass Wermelskirchen auf 40.000 Einwohner wachsen sollte, sehe er äußerst kritisch. „Um die Einwohnerzahl zu halten, brauchen wir bis 2030 insgesamt 800 neue Wohneinheiten, das sind 80 pro Jahr“, rechnet Bilstein vor. Wermelskirchens Naherholungsgebiete sollten nicht diesem Wachstumsstreben geopfert werden. Der Charakter der Stadt verändere sich, wenn noch mehr zugebaut werden würde. „Eine Verdichtung ist nur in begrenztem Maße möglich“, appelliert Sozialdemokrat  Jochen Bilstein.