1. NRW
  2. Städte
  3. Wermelskirchen

Wermelskirchen: Wermelskirchener Au-pair-Mädchen erlebt Lockdown in Spanien

Wermelskirchenerin erlebt Lockdown in Spanien : Au-pair-Mädchen sucht nach dem wahren Madrid

Lillyfee Falentin machte sich im August auf den Weg nach Madrid – um ihren Dienst als Au-Pair-Mädchen anzutreten. Inzwischen ist die spanische Hauptstadt wegen der Corona-Pandemie abgeriegelt.

Plötzlich ging alles ganz schnell. Eigentlich hatte Lillyfee Falentin Flugtickets für den 21. August gebucht. In Ruhe wollte sie sich von ihren Freunden und der Familie in Wermelskirchen verabschieden, bevor sie ihr Auslandsjahr in Madrid antreten würde. Aber dann vermeldete die Gastfamilie in einem Vorort der spanischen Hauptstadt, man habe Sorge, die Grenzen würden wieder geschlossen, die Flieger nicht mehr starten, die Stadt abgeriegelt. „Innerhalb von zwei Tagen habe ich mich dann auf den Weg gemacht“, erzählt die 18-Jährige.

Am 3. August startete ihr Flugzeug nach Madrid. Einen Tag später trat sie ihren Dienst als Au-pair-Mädchen an. „Ich bin froh, dass alles so geklappt hat, wenn auch anders als geplant“, sagt sie und blickt damit auf ein ereignisreiches Jahr zurück. Die Pläne für die Monate nach ihrem Schulabschluss hatte Lillyfee Falentin lange vor Corona geschmiedet. „Ich spreche gerne Spanisch, wollte aber nicht so weit weg“, erzählt sie. Deswegen habe sie sich im vergangenen Jahr nach einer Au-pair-Familie bei Madrid umgesehen. Sie fand ein Paar mit zwei Kindern, das deutsche Wurzeln hat. „Wir haben uns bei einem Besuch in Deutschland kennengelernt und es hat sofort gepasst“, erzählt die 18-Jährige. Als mit der ersten Corona-Welle dann Grenzen dicht gemacht wurden, Flüge ausfielen und Auslandsreisen beschwerlich wurden, verfolgte die Schülerin mitten in ihren Abschlussprüfungen am Gymnasium in Remscheid gespannt die Ereignisse. Die Gastfamilie bot ihr an, die Reise abzusagen, als sich die Situation in Madrid im Frühling immer mehr zuspitze. Aber Lillyfee Falentin hielt an ihren Plänen fest. „Ich habe mir keine so großen Sorgen gemacht, war mit meinem Abitur beschäftigt und habe die Entwicklung abgewartet“, sagt sie heute, „ich war einfach optimistisch“.

Bevor die Auflagen strenger wurden unternahm Lillyfee Falentin viele Tagesausflüge - wie nach Altea. Foto: Lillyfee Falentin

Inzwischen ist Lillyfee Falentin in ihrem neuen Alltag angekommen. „Wir erleben viele Einschränkungen durch die Corona-Pandemie“, sagt die 18-Jährige. Seit vergangenem Freitag ist das Zentrum von Madrid abgeriegelt – niemand darf raus, niemand darf rein. Weil die 18-Jährige und ihre Gastfamilie in einem Vorort leben, der weit weniger betroffen ist, trifft sie diese Regelung im Alltag nicht. „Für mich bedeutet es allerdings, dass ich meine freie Zeit nicht mehr mit meinen Freunden in der Stadt verbringen kann“, erzählt sie. Nutzte sie früher die Zeit, in der die Kinder in der Betreuung waren, um die spanische Hauptstadt zu erkunden, ihre Sprachkenntnisse aufzubessern und Kontakte zu schließen, muss sie sich nun neu orientieren. „Einige meiner Freunde leben auch im Zentrum Madrids“, sagt sie, „wir können uns im Moment nicht sehen“. Außerdem sind Versammlungen mit mehr als fünf Personen verboten.

"Ich bin schon Teil der Familie": Lillyfee Falentin mit Flávio, dem ältesten Sohn der Gastfamilie. Foto: Lillyfee Falentin

Die 18-Jährige hat schnell einen kleinen Freundeskreis aufgebaut. „Wenn man neu an einem Ort ist und sich Kontakte wünscht, dann lernt man schnell, aufgeschlossen zu sein“, sagt sie. Andere Au-pair-Mädchen, aber auch Nachbarn sind ihr zu Freunden geworden. Sie wolle noch mehr Menschen kennenlernen, sagt sie – auch wenn die Coronauflagen sie einschränken. Also hat sich die 18-Jährige auf die Suche nach Sportangeboten gemacht. In Wermelskirchener hat sie sich einen Namen als Judoka verdient und sich auch in Spanien nach einem Verein umgesehen. „Aber Kontaktsport ist in Corona-Zeiten kaum möglich“, sagt sie. Deswegen hofft sie nun, andere Sportmannschaften zu finden – um wieder Teil eines sportlichen Teams zu werden und ihr Spanisch weiter zu schulen.

Freunde gefunden: Lillyfee Falentin (l.) erkundet die zweite Heimat bei Madrid. Foto: Lillyfee Falentin

Im Dezember kehrt Lilly Falentin über Weihnachten zurück nach Wermelskirchen – um mit ihrer Familie zu feiern, aber auch um Bewerbungsgespräche für Lehrstellen als Krankenschwester zu führen. Danach fliegt sie zurück Richtung Madrid. „Und ich wünsche mir sehr, dass dann langsam die Normalität zurückkehren kann“, sagt die 18-Jährige. Sie sei auf der Suche nach dem „wahren Madrid“, von dem die Menschen in Spanien so oft sprächen – nach der besonderen Atmosphäre der spanischen Hauptstadt. Stattdessen habe sie Madrid nur unter Masken erlebt, Kaufhäuser seien ausgestorben, die Pandemie habe auch während ihrer regelmäßigen Ausflüge die Stimmung geprägt. „Ich möchte mit dem Zug von hier aus in all die großen Städte fahren, nach Sevilla, Málaga und Barcelona“, sagt sie.

Und trotzdem: Statt Bedauern klingt bei Lillyfee Falentin viel Begeisterung mit – über das Leben mit ihrer Gastfamilie und den Kindern, über Abenteuerlust, neue Freundschaften und spanisches Lebensgefühl.