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Wermelskirchen: Wermelskirchen braucht neuen bezahlbaren Wohnraum

In Bebauungsplänen sollen Sozialwohnungen berücksichtigt werden : SPD: Wermelskirchen braucht neuen bezahlbaren Wohnraum

Die Fraktion regt an, in Bebauungsplänen Sozialwohnungsbau festzuschreiben. Laut Verwaltung könnte dies auf einer Fläche in Pohlhausen geschehen.

Von Solveig Pudelski

Neuer Wohnraum muss geschaffen werden. Wenn Wermelskirchens Einwohnerzahl nicht schrumpfen soll, muss neue Wohnungen gebaut werden, sagen Experten. Doch in welcher Form? Als Einfamilienhaus mit Garten?   Als Mehrfamilienhaus mit schicken, aber auch teuren Eigentumswohnungen?  Oder als Mietwohnungen in mehrstöckigen Gebäuden? Ein Mix aus allem scheint der Königsweg zu sein. Denn große Siedlungen mit Sozialwohnungen à la 60er, 70er Jahre wünscht heute niemand mehr, aber auch nicht nur Einfamilienhaus-Siedlungen.

Das ist zumindest der Wunsch der SPD, die in der Schaffung bezahlbaren Wohnraums eine dringende  Aufgabe für Politik und Verwaltung sieht. Um den Bau von Mietwohnungen für Menschen mit geringerem Einkommen zu fördern, schlägt  die SPD-Fraktion nach Aussage von Fraktionsvorsitzendem Jochen Bilstein verschiedene Maßnahmen vor, die von der Politik und der Verwaltung zügig beschlossen und umgesetzt werden müssten:

● Städtische Grundstücke werden nicht vorrangig mit Gewinnerzielungsabsicht veräußert, wenn sie auch zum Bau von Mietwohnungen genutzt werden.

● Welchen Anteil sozialer Wohnungsbau an einer zu veräußernden Fläche einnehmen soll, wird durch Änderung schon bestehender Bebauungspläne festgeschrieben.

● Die Stadtverwaltung sollte prüfen, ob das Instrument des Erbbaurechts die Nutzung von sich im Eigentum der Stadt befindlichen Flächen durch eine Zweckbindung besser sicherstellen kann als ein Verkauf an einen Investor.  

Jochen Bilstein wies daraufhin, dass solche Instrumente schon jetzt zum Einsatz kommen könnten, etwa im Falle der Fläche der ehemaligen Solarsiedlung in Pohlhausen. Vor einigen Monaten hatte die Stadt die noch im Privatbesitz befindliche Restfläche erworben. Das bestätigt Florian Leßke, Leiter des Amts für Stadtentwicklung: „Die Stadt ist jetzt im Besitz der gesamten Fläche. Geplant ist, dass wir das Grundstück  erschließen und selbst vermarkten.“ Denn Investoren würden am Grundstücksverkauf verdienen wollen, entsprechend teurer sei dann der Quadratmeterpreis für den Erwerber.

Es gebe zwar einen älteren, rechtsgültigen Bebauungsplan (BP), der Flächen für Einfamilienhäuser vorsehe, doch auch die Stadt strebe an, dass  Menschen mit kleinerem Budget hier eine Wohnung zum moderaten Mietpreis finden. Wunsch von Bürgermeister Rainer Bleek  sei, dass in Wohngebieten eine Durchmischung gewährleistet werde. Daher sei eine Änderung beziehungsweise Neuaufstellung des BP denkbar, wenn die Politik dies wünscht und beschließt.

Auch Leßke sieht in der Schaffung neuen Wohnraums eine große Aufgabe. „Das Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept ist ein Maßnahmebündel zur Attraktivierung der Innenstadt, aber die große Klammer ist, Wohnraum in allen Preisklassen für Einheimische und neu Hinzugezogene  bereitstellen.“

 Auch Jochen Bilstein betont, dass Wohnraum für Bürger der Stadt wie für Zuzügler entstehen müssten. Wer wolle, dass Wermelskirchen Teil des Kölner Speckgürtels wird und von der 40.000 Einwohner-Marke spreche, müsse in dem Zusammenhang auch deutlich machen, dass Wermelskirchen dann auch die entsprechende öffentliche Infrastruktur bereitstellen und finanzieren sowie genügend Wohnraum bereitstellen müsse, sagt Jochen Bilstein.

„Berechnungen sagen, dass jährlich 70 bis 80 Wohnungen neu gebaut werden müssten, um die aktuelle Einwohnerzahl zu halten. Dafür ist Wermelskirchen auch im Ansatz nicht gerüstet.“