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Wermelskirchen Wenn aus Blumen eine Kunst wird

Mein Arbeitsplatz : Wenn aus Blumen eine Kunst wird

Christina Pflugrad arbeitet als Floristin. Wenn sie abends Hannes Blumenstube verlässt, hat sie einen kleinen Strauß für Zuhause dabei.

Hagebutte, Distel, Protea: Christina Pflugrad streicht vorsichtig über die Blüten. „Ich mag die kleinen, gemütlichen Sträuße für Zuhause“, sagt sie. Denn sie kennt die Wirkung im heimischen Wohnzimmer oder auf dem Küchentisch. „Irgendwie fehlt doch etwas ohne sie“, sagt die Floristin. Und dann beginnt sie mit routinierter Hand einen Strauß zu binden. Sie sei nicht so sehr der Rosentyp, sondern bevorzuge auch mal ausgefallene Blüten. „Aber natürlich entscheidet der Kunde, was er will“, sagt sie. Und die kommen mit ganz unterschiedlichen Wünschen in Hannes Blumenstube: Mal seien es Kunden auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk oder sie wollen Trauerfloristik besprechen. Dann wieder stehen Brautpaare auf der Matte, die für ihren großen Tag Blüten, Bänder, Gestecke und Tischschmuck aussuchen wollen. Und dann wieder fragen Männer nach riesigen Rosensträußen oder Blüten zum Streuen. „Oft kommen die Menschen in besonderen Momenten ihres Lebens zu uns“, weiß Christina Pflugrad. Und dann ist die Floristin in ihrem Element – wenn sie mit den Kunden ins Gespräch kommt, sich Zeit nimmt für Ideen oder Lebenssituationen.

„Deswegen habe ich den Beruf damals auch gewählt“, erzählt sie und erinnert sich an jenen Tag, als sie mit ihrer Mutter über die Zukunft beriet. Damals war sie gerade 14, vielleicht 15 Jahre alt und wusste, dass sie im Büro am Computer schlecht aufgehoben wäre. „Ich wollte viel Kontakt mit Menschen haben“, sagt sie. Im Praktikum entdeckte sie ihre Leidenschaft für die Floristik. 25 Jahre später kann sie sich an keinen Tag erinnern, an dem sie diese Entscheidung in Frage gestellt hätte. Ganz im Gegenteil: Sie gehe in ihrer Arbeit auf, sagt Pflugrad.

Wenn sie morgens in die Blumenstube kommt, dann bereitet sie den Laden gemeinsam mit ihren Kollegen für die Kunden vor. Dann kümmert sie sich um Pflanzen, die den Tag draußen verbringen und prüft die Schnittblumen in den großen Vasen. Und wenn Hannelore Wischnat dann mit dem Lieferwagen von der Blumenversteigerung kommt, dann wird geschleppt: „Die Blumen sind erst einen Tag zuvor geschnitten worden“, erklärt die Chefin ihre Philosophie. Statt beim Großmarkt kauft sie direkt bei der Versteigerung von Gärtnern und Züchtern – zwei- bis dreimal die Woche. In riesigen Kühlräumen finden die Blumen dann fürs erste ihren Platz. „Bis wir jede von ihnen vom Laub befreien, anschneiden und für sie einen Platz in den Vasen oder direkt in einem Gesteck finden“, sagt Christina Pflugrad.

Der Geschmack der Kunden verändere sich mit der Zeit, hat die Floristin beobachtet. Rosen seien zeitlos und deswegen hätten sie immer einen Vorrat der langstieligen Klassiker im Geschäft. „Im Moment liegt Eukalyptus im Trend“, sagt sie. Kein Brautstrauß kommt ohne die grünen Blätter aus. Und Sträuße würden wieder größer und länger. „Über viele Jahre haben sich die Menschen eher kompakte, ganz dichte Sträuße gewünscht“, erzählt die Floristin, „jetzt binden wir sie lockerer und länger.“ Ohnehin sei das die große Faszination ihres Berufs: die unzähligen Möglichkeiten. „Es gibt so viel Material, dass wir in der Gestaltung keine Grenzen kennen“, sagt sie. Äpfel, Kürbisse, Holz: Auch das Beiwerk ist vielseitig. Und deswegen freue sie sich, wenn ihr die Kunden freie Hand lassen: „Dann kann ich mich kreativ austoben“, sagt Christina Pflugrad. Die Rückmeldung des Kunden folgt auf den Fuß – und äußert sich nicht selten als ein zufriedenes Lachen.