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Wermelskirchen: Was Bürgermeister Rainer Bleek nach der Amtszeit plant

Was der Bürgermeister nach der Amtszeit plant : Start in ein neues Leben – ohne Politik

Einen Tag brauchte Bürgermeister Rainer Bleek, um die Ereignisse des Wahlabends „sacken zu lassen“. Für ihn steht aber schon fest, dass er sich auch nach seiner Amtszeit weiter für seine Heimatstadt engagieren will.

Er war der erste, der Marion Lück aufrichtig am Wahlabend zu ihrem Erfolg gratulierte. Und dann war Bürgermeister Rainer Bleek auch der erste, der den Ratssaal nach dem für alle überraschenden Ergebnis verließ, um zuhause den Schock zu verarbeiten. „Natürlich bin ich enttäuscht“, gibt er zwei Tage nach dem Wahldebakel zu. „Und ich brauchte ein wenig Ruhe, um Abstand zu gewinnen.“ Einen Tag Auszeit gönnte sich der amtierende Bürgermeister in seinem geliebten Garten, wo er für diesen Tag nichts erklären musste, sondern den vorangegangenen Abend in Gedanken sacken lassen konnte.

„Ich habe versucht zu analysieren, was schief gelaufen ist“, gibt er offen zu. „Aber ich wüsste nicht, wo ich Fehler gemacht hätte“, sagt er. „Ich habe viel für Wermelskirchen bewirkt und erfolgreich gearbeitet“, resümiert er. Das habe er auch in vielen Anrufen und Nachrichten zurückgespielt bekommen. Umso härter trifft es ihn nun, dass er diese Arbeit nicht noch weitere fünf Jahre fortführen kann, wie er es sich gewünscht hatte. Vor allem, dass er zur Eröffnung des Jugendfreizeitparks nicht mehr Bürgermeister sein wird, sei traurig. „Es gab so viele Kontroversen in der politischen Arbeit, und wenn ich da nicht an der einen oder anderen Stellen reingegangen wäre, würde es zum Beispiel den Jugendfreizeitpark gar nicht geben“, sagt er. Denn nicht nur die Vereine haben viel Geld für das Projekt gesammelt, sondern auch Rainer Bleek selbst, damit der Skaterpark gebaut werden kann. Was er in seiner Amtszeit noch unbedingt besetzen will, „ist der Posten des Archivars. Den brauchen wir für das Stadtjubiläum 2023“, sagt Bleek, der langsam beginnen will, sein Büro auszuräumen und Unterlagen für Projekte zu sortieren, „damit ich die Übergabe mit meiner Nachfolgerin vorbereiten kann. Und bei der Brandschutzbedarfsplanung im Kreis werde ich sie mit einladen, damit sie Bescheid weiß. Es geht ja schließlich um das Wohl der Stadt“, sagt der Bürgermeister und zeigt damit wahre, menschliche Größe.

 Ein Foto vom frühen Wahlabend: Da schaut Rainer Bleek (hier mit Ehefrau Alexandra) noch optimistisch.   Foto: Udo Teifel
Ein Foto vom frühen Wahlabend: Da schaut Rainer Bleek (hier mit Ehefrau Alexandra) noch optimistisch. Foto: Udo Teifel Foto: Udo Teifel
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Wenn er am 24. September 66 Jahre alt wird, „fängt für mich ein neues Leben an“, sagt er. Aber an den Gedanken gewöhnt er sich nur langsam: „Meine Frau und ich fahren erstmal an die Nord- oder Ostsee und dann sehen wir weiter.“ Eins steht für Rainer Bleek allerdings schon fest: „Es wird ein neuer Lebensabschnitt ohne Politik.“ Dass er weiter aktiv in den Reihen der SPD mitarbeitet, sieht er nicht. „Jedenfalls nicht in Wermelskirchen und auch nicht im Kreis. das habe ich lange genug gemacht“, bekennt er. „Außerdem will ich ja Einfluss nehmen auf Entscheidungen und wenn man Bürgermeister war, arbeitet man nicht mehr in Gremien.“

So ganz ohne Engagement für seine Heimatstadt wird das neue Leben von Rainer Bleek aber nicht funktionieren, wie er lächelnd gesteht: „Ich glaube, ich werde ehrenamtlich weiterarbeiten, vielleicht bei der Kulturinitiative im Eifgen. Außerdem möchte ich mich weiter in den Bereichen engagieren, die mir Spaß machen.“ Ohnehin werde ihm nicht langweilig ohne den Fulltime-Job im Rathaus: „Ich habe genügend Interessen und Ideen.“ Nach dem traurigen Abschied von Hovawart-Mischling „Molly“, die vor wenigen Wochen mit 14 Jahren verstarb, ist für Familie Bleek klar, „dass bei uns ein neuer Hund einzieht. Dann habe ich ja Zeit.“ Wahrscheinlich wird es ein Hovawart-Welpe: „Ich habe zwar noch keinen Welpen erzogen“, gibt Bleek zu. „Aber ich probiere es mal und wenn ich Hilfe brauche, findet man mich dann in Hundeschulen“, sagt er und lacht zum ersten Mal im Gespräch wieder laut auf.

Was er aus dem herausfordernden Alltag als Bürgermeister nicht vermissen wird, sind die politischen Ränkespiele. „Da wird es Frau Lück leichter haben, weil sie von der CDU unterstützt wird“, tippt er. Sein Rat an die Nachfolgerin: „Sie sollte die Strukturen der Verwaltung noch bürgernäher gestalten.“