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Wermelskirchen: Waldbrandschutz muss auf den Prüfstand​

Wegenetz in Wermelskirchener Wäldern : Waldbrandschutz muss auf den Prüfstand

Die Forstbetriebsgemeinschaft sieht kaum vorhandenes Wegenetz im Ernstfall für die Feuerwehr. Die Landesregierung stellt ein NRW-Konzept in Wermelskirchen vor.

In vielen Bereichen des Wermelskirchener Stadtgebiets mangelt es an ausreichender Grundausstattung mit entsprechenden Wegen. Das stellt der NRW-Landesbetrieb Wald und Holz in einem Schreiben an die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) fest, das unserer Redaktion vorliegt. Das Regionalforstamt Bergisches Land kommt dabei im Hinblick auf bestehende Rettungswege zu der Erkenntnis: „Entweder sind keine befahrbaren Wege vorhanden, oder die Wege sind aufgrund ihres Gefälles und Ausbaustufen nicht für Rettungsfahrzeuge ohne Offroad-Ausstattung geeignet.“

Der FBG-Vorsitzende Robert Schmitz sieht sich dadurch in seiner Meinung bestätigt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Schmitz trägt dabei zwei Brillen: Zum einen betrachtet er den Wald aus der Sicht der Besitzer und der möglicherweise auf die Privatleute zukommenden Kosten. Zum anderen ist Schmitz freiwilliger Feuerwehrmann, womit er die Befahrbarkeit des Waldes für Rettungsdienst und Brandbekämpfer nicht außer Acht lässt.

Robert Schmitz betont, keine Schuldzuweisungen aussprechen zu wollen, will aber eine Verbesserung der Situation bewirken. „Das Kartenmaterial, das der Feuerwehr bei Waldschäden und Gefahrenabwehr zur Verfügung steht, ist eigentlich für Holzlogistik gedacht.“ So kommen Forstwirtschaft und Sicherheitskräfte in ein Boot: „Auf dieser Karte ist Wermelskirchen eher ein weißes Loch – sprich: Es gibt im Wald nichts, was gut befahrbar ist.“ Für den Vorsitzenden der FBG steht fest: „Ein Wegebaukonzept für Wermelskirchen muss her. Dazu müssen Waldbesitzer, Feuerwehr und alle weiteren Beteiligten an einen Tisch.“ Das Bewirtschaftungsinteresse der FBG und das Interesse an einem möglichst hohen Maß an Befahrbarkeit für Rettung und Feuerwehr würden sich ergänzen.

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Auf Anfrage unserer Redaktion erläutert Alex Groß von der hauptamtlichen Feuerwehrführung: „Es gibt für die Bereiche außerhalb der öffentlichen Straßen und Wege – zum Beispiel im Wald – ein Wegekataster, welches von Wald- und Forst NRW online zur Verfügung gestellt wird. Die Feuerwehr Wermelskirchen nutzt diese sowie eine weitere in einer Pilotphase befindlichen Plattform als digitale Karte, um dort befahrbare Wege für Rettungs- sowie schwere Einsatzfahrzeuge zu entnehmen.“ Die Anfahrmöglichkeiten im Wald können der Einsatzleiter mittels Tablet-PC aufrufen. Die beiden genannten Plattformen seien waldinfo.nrw.de sowie navlog.info.

Wie der stellvertretende Feuerwehrchef Ingo Mueller ergänzt, seien diese Karten nicht tagesaktuell: „Den Zustand bilden die Karten nicht ab. Einen umgestürzten Baum, der den Weg versperrt, zeigen sie nicht.“ Weiter stellt Mueller fest: „Ein gewisses Wegenetz muss vorhanden sein. Das zu schaffen und auch der jeweilige Zustand der Wege sind jedoch nicht Sache der Feuerwehr.“ Sicherlich seien Höhe und Breite für die modernen Einsatzfahrzeuge im Wald ein Problem. Im Ernstfall müsse die Feuerwehr immer lagebedingt entscheiden.

Angesicht der hohen Waldbrandgefahr in diesem Sommer seien alle Führungskräfte der Wermelskirchener Sankt Florians-Jünger mit Taschenkarten ausgestattet worden, die spezielle Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung von Vegetationsbränden – wie die Feuerwehr es bezeichnet – beinhalten. Noch vor wenigen Tagen hatte Ingo Mueller an die Bevölkerung appelliert: „Die Zufahrten in die Wälder müssen frei bleiben, damit wir im Ernstfall eine Chance haben, mit den Löschfahrzeugen durchzukommen.“