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Wermelskirchen: Vor Corona ließen sich die Wähler nicht abhalten.

Reportage aus Wermelskirchener Wahllokal : Kreuze mit dem eigenen Stift gemacht

Vor den Wahlräumen im Heisterbusch bildeten sich am Sonntagmittag Schlangen – von Corona ließ sich kaum jemand abhalten.

Die Schlange wird länger. Mit gebührendem Abstand stehen die Wähler am Sonntagmittag vor dem Gemeindehaus im Heisterbusch. Senioren und Paare mit Hund – umso später es wird, desto mehr Familien gesellen sich dazu.

Sobald sie die Schwelle ins Gemeindehaus übertreten, werden sie aufgefordert, sich die Hände zu desinfizieren und den Mundschutz zu tragen. „Das klappt alles bestens“, sagt Celine Duran, die am Sonntag nicht nur Kandidatin, sondern auch Wahlhelferin ist. Mit Markierungen auf dem Boden helfen die Ehrenamtlichen den Wählern, um im Corona-Jahr im Wahllokal entsprechend Abstand zu halten.

Weil im Gemeindehaus gleich zwei Stimmbezirke Unterschlupf gefunden haben, bedarf es erstmal einer kleinen Orientierungsphase, bevor die Bürger den richtigen Weg zur richtigen Urne finden. „Aber die Stimmung ist gut und sehr entspannt“, sagt Celine Duran. Im Grunde unterscheide sich die Situation im Wahlraum kaum zu anderen Jahren, ergänzen auch ihre erfahrenen Wahlhelfer-Kollegen. Nur dass dieses Mal bei der Vorbereitung eben auf Plexiglasscheiben, eine konsequente Belüftung der Räume und Abstandsregelungen geachtet worden sei. Ansonsten sei alles wie immer.

Und tatsächlich: Keiner in der Schlange wird ungeduldig. Jeder wartet, bis er hineingerufen wird. „Für mich war es keine Alternative, wegen Corona heute zuhause zu bleiben“, sagt Jürgen Freund, der mit seiner Wahlbenachrichtigung in der Hand in der Schlange langsam nach vorne rückt. Im Grunde sei alles wie immer, er wähle eben in diesem Jahr mit Mundschutz und achte auf den Abstand. 25 Wähler kamen in der ersten Stunde in das Wahllokal von Stimmbezirk 3, gegen 11.30 Uhr zählt Celina Duran 150 Stimmen.

Deutlich mehr Wermelskirchener als in anderen Jahren haben sich den Besuch im Wahlraum allerdings gespart. „Bei uns ist es heute Vormittag ruhiger angelaufen als in anderen Jahren“, sagt Tim Bosbach, der gleich nebenan für den Stimmbezirk 4 im Einsatz ist. Fast 25 Prozent der Wähler im Bezirk hätten ihre Stimme bereits per Post abgegeben. In der ersten Stunde seien gerade mal neun Wähler da gewesen, um 11.30 Uhr zählt er 110 Stimmen. „Eher unterer Durchschnitt“, sagt Bosbach, der hinter der Plexiglasscheibe sitzt. Er gehe davon aus, dass es insgesamt etwas ruhiger ausfalle als in anderen Wahljahren.

Am Mittag allerdings haben auch die Wahlhelfer im Stimmbezirk 4 alle Hände voll zu tun. Maria Eichhorst verteilt die Wahlzettel an die Bürger, die es bis ganz vorne in der Schlange geschafft haben. „Ich finde es sehr interessant, die Wahl aus der anderen Perspektive zu erleben“, sagt die 16-Jährige, die in diesem Jahr zum ersten Mal selber wählen darf. In der Zeitung und in der Schule habe sie von der Möglichkeit gehört, Wahlhelfer zu sein. Sie hat eine Fünf-Stunden-Schicht übernommen – und freut sich über den zunehmenden Betrieb. Als Maria und Peter Greschk gut gelaunt mit Mund-Nasen-Schutz das Wahllokal erreichen, händigt sie ihnen die drei Wahlzettel aus und erklärt kurz den Ablauf.

Eigentlich sollen die Wähler ihre Kreuze mit dem eigenen Kugelschreiber machen – um die Infektionsgefahr zu reduzieren. „Allerdings haben die wenigsten an den Stift gedacht“, sagt Bosbach. Deswegen hält er einen kleinen Vorrat an Stiften bereit.