Wermelskirchen: Von alten Äpfeln, feinen Zöpfen und Gottes Segen

Jubelkonfirmation in Dabringhausen : Von alten Äpfeln, feinen Zöpfen und Gottes Segen

Etwa 60 Jubilare erinnerten sich am Sonntagnachmittag im Gemeindehaus in Dabringhausen an ihre eigene Konfirmation.

Wer Frida Dahlke nach ihrer Konfirmation vor 80 Jahren fragt, den nimmt die rüstige Seniorin mit auf eine Zeitreise. „Wenn wir nicht parierten, dann sagte der Pfarrer immer: Gleich hole ich meine Frau“, erzählt sie am Sonntagnachmittag beim Kaffeetrinken im Gemeindehaus in Dabringhausen. Und wenn die robuste Pfarrfrau dann wirklich kommen musste, dann hielt sie den Jugendlichen eine Gardinenpredigt, die sich gewaschen hatte. „Wer sich gut benahm, der bekam einen Apfel“, erzählt Frida Dahlke, „allerdings waren die meistens schon alt.“ Die Jubilarin lacht fröhlich. Trotzdem habe sie vor allem gute Erinnerungen an die Konfirmandenzeit und den Gottesdienst am Palmsonntag 1939.

Damals ging auch Gerda Farsen zur Konfirmation. „Wir Mädchen hatten alle geflochtene Zöpfe und schwarze Kleider“, erzählt die 95-Jährige. Aufregend und festlich sei der Tag gewesen – und dann erzählt sie von der Fotografie, die sie seitdem an jenen Frühlingstag erinnere. „Heute leben nur noch drei von uns“, sagt sie. Umso wichtiger sind die Erinnerungen geworden. Und für die nehmen sich Pfarrerin Elke und Pfarrer Rüdiger Mielke am Sonntagnachmittag viel Zeit. Mit dem Festgottesdienst am Morgen hatte das große Wiedersehen der Jubelkonfirmanden begonnen. Der Pfarrer hatte die Jubilare eingeladen, zurückzublicken und sich auf die Spuren des göttlichen Segens in ihrem Leben zu begeben. Am Nachmittag treffen sich die Besucher dann wieder – zum Kuchenessen, Kaffeetrinken, Singen und Erinnern. Sechs Jahrgänge feiern gemeinsam, denn die Gemeinde hat alle ehemaligen Konfirmanden eingeladen, die vor 50, 60, 65, 70, 75 und 80 Jahren ihren besonderen Tag in der Kirche in Dabringhausen feierten. „Es ist vor allem ein großes Wiedersehen“, stellt Pfarrerin Elke Mielke dann fest, während die Besucher an den Tischen bereits ins Gespräch vertieft sind. Und es sei schön, dass die Kirche diese Gelegenheit nutze, um die Menschen einzuladen. „Wir blicken dann auch gemeinsam auf die vielen vergangenen Jahre zurück“, sagt die Pfarrerin.

Einige der Jubilare haben Fotoalben im Gepäck, andere lebendige Erinnerungen. So erzählt Barbara Schieder fröhlich vom Konfirmandenunterricht in den 1960er Jahren, als der Pfarrer die Jugendlichen vor allem einen Vers aufsagen ließ: „Glauben heißt Vertrauen.“ Das habe sie selbst sehr geprägt, sagt Barbara Schieder und erzählt dann, wie sie selbst Theologie studierte und Pfarrerin wurde. „Und weil wir als Konfirmanden so viel lernen mussten, war mir im Studium vieles schon vertraut“, erzählte sie. Nun sei sie seit 13 Tagen im Ruhestand – eine schöne Gelegenheit, um sich an die Konfirmandenzeit zu erinnern.

Diese Gelegenheit nutzt auch ein älterer Herr in der Erzählrunde am Nachmittag: Damals, 1953, habe es Zuhause vor der Konfirmation einen Streit gegeben. Das Geld sei zu knapp gewesen für einen schwarzen Anzug. „Also kaufte meine Mutter eine helle Jacke, die ich danach auch noch in der Schule anziehen konnte“, erzählt er. Und wann immer er sich seitdem das Konfirmationsfoto angesehen und sich selbst in der hellen Jacke neben den schwarzen Anzügen betrachte, müsse er daran denken. „Als Geschenk gab es übrigens 15 Taschentücher“, erinnert er sich noch, „so dollen Schnupfen konnte man gar nicht haben.“ Heiter klingt der gemeinsame Nachmittag schließlich aus.

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