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Wermelskirchen: Vögel im Garten zählen für den NABU

NABU-Aktion: Vögel zählen in Wermelskirchen : Am Futterhäuschen herrscht Hochbetrieb

Uli Andres hat am Samstagmorgen eine Stunde lang Vögel gezählt – und damit an der bundesweiten Aktion des Naturschutzbundes teilgenommen. Mehr als 140.000 Deutsche zählen jedes Jahr Wintervögel in ihrem Garten.

Uli Andres hat es sich morgens mit einer Tasse Kaffee am Küchentisch bequem gemacht. Papier und Stift liegen bereit. Nur rund vier Meter entfernt steht im Garten das Vogelhäuschen, das der Wermelskirchener selbst gebaut hat und an dem er Tag für Tag einen regen Betrieb beobachtet. Auch der Blick auf die drei anderen Futterstellen in seinem Garten ist vom Platz am Küchentisch frei. Eine Stunde lang zählt er an diesem Samstagmorgen die Vögel in seinem Garten – und folgt damit der Einladung des Naturschutzbundes (NABU), der jedes Jahr im Januar zur „Stunde der Wintervögel“ einlädt.

„Ich kenne die Vögel in unserem Garten inzwischen persönlich“, sagt Uli Andres und lacht, während er die Futterstellen im Blick behält. Und weil er die tierischen Besucher ohnehin jeden Tag beim Picken und Knabbern beobachtet, liege die Teilnahme an der NABU-Aktion nahe. Heckenbraunellen und Buchfinken, Kohl-, Tannen- und Sumpfmeisen trifft er in seinem Garten, Dompfaff, Kleiber und Amseln. „Wir haben eine Amsel mit einer Behinderung, die jeden Tag bei uns zu Gast ist“, erzählt Andres, „sie hüpft auf einem Bein.“ In den vergangenen Jahren sei die Familie der Dompfaffen deutlich größer gewesen: Zehn Tiere hätten jeden Tag ihre Ration am Häuschen abgeholt. In diesem Jahr seien es aber höchstens fünf. „Aber wir freuen uns, dass der Betrieb bei uns im Garten nach wie vor hoch ist“, sagt er. Das mache wohl auch die Nähe zum Wald und die Vogelfreundlichkeit vieler Nachbarn am Fuchsbau aus. „Hier hören wir auch noch das Singen der Vögel“, sagt Andres.

Ganz bewusst hat er die drei Futterstellen für die Vögel im Garten geschaffen – um ihnen über den Winter zu helfen. Die Meisenknödel macht er selbst, dazu gibt es Haferflocken, Fettfutter und geschälte Sonnenblumenkerne. Zwei Liter Futter verdrücken die Vögel in drei Tagen. „Vier Eichhörnchen und eine Maus sind auch im Garten zu Gast“, hat er beobachtet. Aber jeder komme zu seinem Recht: Die scheueren Tiere warten, bis es ruhiger geworden ist am Futterhäuschen, während eine vorwitzige Amsel gerne ihr Revier behauptet.

Ulrich Schott, Vorsitzender der Wermelskirchener Ortsgruppe des Bergischen Naturschutzvereins, freut sich über den Einsatz der Vogelfreunde. „Es ist wichtig, vielfältige Lebensräume für die Tiere zu schaffen“, sagt er. Es mache einen entscheidenden Unterschied für die Vögel, ob in einem Garten Kirschlorbeer oder schwarzer Holunder wächst. Der eine bietet kein Futter für die Vögel, der andere einen gedeckten Tisch. Wer im Winter mit Vogelfutter nachhelfe, tue den Vögeln ebenfalls einen guten Dienst.

„Vor allem nach diesen zwei heißen Jahren“, ergänzt Thomas Wirtz vom NABU Rhein-Berg. Wegen der Hitze und des Wassermangels sei es für die Brut in diesem Jahr schwierig gewesen. Dazu habe ein Virus den Amseln 2018 und 2019 schwer zugesetzt, im vergangenen Jahr habe es dann ein Blaumeisensterben gegeben. „Wir können im Bergischen Land noch keine Erholung feststellen“, sagt Wirtz, „diese Vogelarten kommen nicht mehr so häufig vor, wie früher.“ Insgesamt seien deutlich weniger Singvögel als früher zu beobachten. „Dank menschengemachter Faktoren“, ergänzt Schott und denkt dabei auch an die Krötenpopulation. „Der Lebensraum schwindet, die Erderwärmung nimmt zu.“

Uli Andres hat seine Zählung inzwischen beendet und ist etwas überrascht: „Hier ist sonst deutlich mehr los“, sagt er und blickt auf seine Liste. Fünf Kohlmeisen, drei Amseln, ein Kleiber, zwei Rotkehlchen, sechs Tannenmeisen und eine Heckenbraunelle hat er innerhalb einer Stunde gezählt. Während er die Daten im NABU-Formular eingibt, macht es sich ein Dompfaff an der Futterstelle gemütlich. Die beiden blicken sich kurz an, dann sagt Andres erleichtert: „Na also, doch noch ein Dompfaff.“