Wermelskirchen: Viele Ideen für Rhombus-Gelände diskutiert

Mobile Redaktion : Lebhafte Diskussion über Rhombus-Fläche

Bürger, Politiker und Verwaltung sprachen auf Einladung der Redaktion über die Entwicklung des Grundstücks.

Rollen in ein, zwei Jahren die Bagger an, um alte Fabrikhallen abzureißen und um Platz für neue Gebäude zu machen, die ein Investor errichtet? Gebäude, in die eine Zweigstelle der Fachhochschule, Dienstleister, Cafés, Bars einziehen, in denen Wohnungen entstehen? Neues Leben in der Innenstadt? Für das Rhombus-Gelände klang das bisher noch sehr nach Zukunftsmusik. Aber so utopisch erscheinen diese Visionen nicht mehr. Das ist ein Fazit nach lebhaften Gesprächen, die gestern am Stand der Mobilen Redaktion geführt wurden. Anlass für den Optimismus: Es winken Fördergelder in möglicherweise nicht unerheblicher Höhe. Fakt ist aber auch: Alle Partner müssen mitspielen, das Konzept für die Fläche muss die Fördergeber überzeugen.

Auf dem Parkplatz des Rhombus-Geländes hatte die Bergische Morgenpost ihre Zelte aufgeschlagen, um Gespräche über diese interessante Entwicklungsfläche anzuregen, die im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept eine tragende Rolle spielen soll. Nicht zuletzt, weil sie ins Förderprofil passt, innenstadtnah liegt und allein aufgrund der Größe Potenzial hat. Bei Hochsommerwetter hatten sich Bürgermeister Rainer Bleek, Fraktionsvorsitzende, Ratsmitglieder, Vertreter der WiW und Miteigentümer Sven Schulte zum Talk mit Bürgern und der BM eingefunden.

Über eins waren sich viele einig: Das Rhombusgelände mit verfallenden Hallen ist kein schöner Anblick, es sollte endlich entwickelt werden. Viel zu viel sei diskutiert, geplant, verworfen worden, ohne dass die Industriebrache ein neues Gesicht bekommen, Wermelskirchen weiter gebracht hätte. Supermärkte, Hotel mit Schwimmbad, Seniorenwohnen und, und und — diese Ideen wurden nicht realisiert, die Hallen verfallen weiter. Und nun liegt die Idee eines Campus auf dem Tisch.

Aber wie packt es die Stadt an? Spielt die Eigentümergemeinschaft mit? Sven Schulte machte deutlich, dass er nur seine persönliche Meinung als Miteigentümer äußere. Um ein Bild von der Größe und von den Baukörpern auf dem Gelände zu vermitteln, hatte er einen Lageplan und ein Modell mitgebracht, um das sich viele Gesprächsteilnehmer scharten. Klar zu erkennen: Das vordere Gebäude Richtung Brücke ist vermietet. „Hier geht es um eine berufliche Existenz. Der Mieter nutzt 4000 Quadratmeter“, gab Sven Schulte zu bedenken. Daher rege er an, das Grundstück zu teilen und nur den hinteren Teil mit den Hallen zu vermarkten. Das seien immerhin 20.000 Quadratmeter, der genutzte Bereich hingegen nur 8000 Quadratmeter.

Ein Vorschlag, der Skepsis weckte. „Das Projekt funktioniert nur, wenn die Stadt das komplette Grundstück kauft und entwickelt. Die Stadt muss Eigentümerin werden“, sagte Dankmar Stolz, Vorsitzender des Marketingsvereins WiW. FDP-Fraktionsvorsitzender Jürgen Manderla pflichtete ihm bei. Bürgermeister Bleek und Bernhard Schulte (SPD) machten deutlich, dass es durchaus Ersatzflächen für die Firma gebe. So werde in der Nähe von OBI eine neue Gewerbefläche entwickelt. Sven Schulte daraufhin: „Die ganzheitliche Lösung ist für mich ja nicht vom Tisch.“

Jochen Bilstein, SPD-Fraktionsvorsitzender, zeigte sich überzeugt, dass das Campus-Konzept chancenreich sei. In Dortmund habe er sich ein ähnliches Projekt angeschaut, das als Vorbild dienen könnte. Im Übrigen spiele bei diesem Vorhaben auch die Nachbarstadt Burscheid, die Kooperationspartnerin im Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept ist, mit.

Rainer Bleek berichtete, dass derzeit vieles parallel laufe. Die Akteure, die am Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzept beteiligt sind, feilen weiter am Konzept, begleitet vom Düsseldorfer Fachbüro ASS unter der Regie von Hans-Joachim Hamerla. Förderanträge werden Ende des Jahres gestellt. Gespräche mit den Eigentümern und der Bezirksregierung laufen. Ein Verkehrswertgutachten werde erstellt, um zu ermitteln, was das Grundstück wert ist, wie hoch die Abriss- und Entsorgungskosten sind. Denn auf der Fläche sind Altlasten. Sven Schulte berichtete von einem Bodengutachten, das ein damaliger potenzieller Käufer erstellen ließ. Demnach seien die Altlasten versiegelt, es gehe keine Gefahr von ihnen aus.

Um mit dem Projektvorschlag weiterzukommen, müssen zwei wesentliche Punkte geklärt werden, sagte Bleek: die Verfügbarkeit und die Förderfähigkeit. Seine Einschätzung zur Entwicklung des Geländes: „Das ist das wichtigste Projekt und die letzte Chance, das Grundstück zu entwickeln.“

Mehr von RP ONLINE