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Wermelskirchen: Vereine in der Corona-Krise

Training und Proben : Wermelskirchener Vereine in der Krise

In der Corona-Krise leiden alle – manche mehr, manche weniger. In Wermelskirchen mussten sich viele Vereine wegen der Pandemie stark einschränken oder sich mit kreativen Ideen aushelfen. Die meisten jedoch haben ihre Tätigkeit bis heute vorsichtshalber ganz „auf Eis gelegt“.

Obwohl viele Wermelskirchener Vereine nicht mehr zusammenkommen können, Proben ausfallen und eine Wiederaufnahme der Tätigkeiten ungewiss ist: Eine gute Nachricht gibt es dennoch. Keiner der folgenden Vereine muss wegen finanzieller Schwierigkeiten um ein Fortbestehen bangen.

„Als es mit Corona losging, konnten wir natürlich kein Training in der Halle mehr machen“, erzählt Eileen Gurrieri, Vorsitzende des Qwan Ki Do Vereins Wermelskirchen. „Dann haben wir stattdessen kleine Trainings-Videos gedreht und an unsere 60 Mitglieder verschickt.“ Später fanden Übungen auch mal online statt: „Das war auch tatsächlich ganz lustig“, sagt Gurrieri. Aber sie ist froh, dass sie nun endlich wieder „in echt“ unterrichten kann. Denn mittlerweile konnten die Trainingseinheiten wieder in die Halle verlegt werden – mit einigen Änderungen. „Alle müssen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Ich stehe am Eingang, notiere, wer da ist und verteile Desinfektionsmittel“, erzählt die Kampfkunst-Lehrerin. Besonders stolz ist sie auf die ganz Kleinen im Verein: „Die machen das super, ganz strukturiert. Für sie gehören alle Maßnahmen schon zum Alltag.“ Zum Hände-Desinfizieren hielten sie die Hände auf, als ob sie Schokolade bekämen, schmunzelt Gurrieri. „Für uns als Verein ist es bisher also glimpflich gelaufen.“

Das kann Hans-Otto Uhlemann, Vorsitzender des Männerchors CVJM Dhünn, nicht gerade behaupten: Der Verein kann seit März keine Proben mehr abhalten. Auch Auftritte in der Kirche oder Dienste im Altenheim sind vorerst gestrichen. „Zu gefährlich“, sagt Uhlemann, aus seiner Stimme klingt das Bedauern. „Dabei ist es kaum auszuhalten, dass wir nicht singen können. Das ist die längste Pause, die es in der Vereinsgeschichte je gab.“ Für einige der 30 Mitglieder falle in dieser Zeit ein großer Lebensinhalt weg. „Da ist dann auch die Tendenz zur Einsamkeit da“, sagt er. „Wenn die einzige Abwechslung im Alltag plötzlich wegfällt.“ Deshalb habe er seit Beginn der Pandemie stets versucht, die Mitglieder „daran zu erinnern, dass es immer irgendwie weiter geht“. „Am Anfang habe ich per Whatsapp täglich einen kurzen Spruch aus der Bibel mit einer kurzen Nachricht verschickt, in dem es ums Singen ging. Mittlerweile mache ich das ungefähr einmal die Woche“, erzählt Uhlemann. „Darüber freuen sich alle und es stärkt den Zusammenhalt, auch wenn man sich auf unabsehbare Zeit nicht treffen kann.“ Denn einen Termin, wann die Proben wieder beginnen könnten, kann es seiner Meinung nach nicht geben. „Viele unserer Mitglieder sind schon etwas älter und gehören zur gefährdeten Gruppe. Außerdem wollen auch wir uns an die Regeln halten.“

Ein zu großes Risiko sieht auch Petra Ammon, die normalerweise regelmäßige Führungen durch die Wermelskirchener Innenstadt anbietet. „Die Führungen finden zwar draußen statt, aber wenn ich dann etwas zeigen will, stehen doch alle dicht gedrängt um mich herum“, erklärt sie. Auch Bilder zeige sie eigentlich gerne herum, die würden dann aber alle anfassen. Aus diesen Gründen gab es in diesem Jahr noch keinen einzigen Termin – und das wird wohl leider auch so bleiben. „Das haben wir im Verein einstimmig entschieden. Manche Leute sehen das nicht so eng, aber uns ist das zu riskant“, sagt sie. „Aber es fehlt natürlich. Sehr.“ Auch Ammon will abwarten, wie sich die Situation entwickle.

Einen kleinen Versuch in Richtung Rückkehr zur Normalität hatte das Laientheater Hünger am vergangenen Freitag gewagt – eine erste Probe nach langer Pause. „Das wird aber vorerst auch wieder die letzte sein“, sagt Leiterin Uta Lenz. „Natürlich ist man etwas zwiegespalten, man würde so gerne wieder.“ Doch am Freitag hätte die Gruppe eindeutig gemerkt: Eine Theaterprobe unter Wahrung der Abstandsregelung mache überhaupt keinen Sinn. „Auch die gegenwärtig steigenden Zahlen sprechen gegen weitere Proben“, sagt Lenz. Besonders schade sei dies, weil im nächsten Jahr das 50-jährige Bestehen der Gruppe gefeiert werden sollte, natürlich am liebsten mit einem neuen Theaterstück. Daraus wird jetzt wohl nichts. Immerhin habe der Verein keine laufenden Kosten. „Und so blöd es ist, dass wir momentan nichts machen können, so denke ich doch, dass es uns im Vergleich zu anderen nicht so schlimm getroffen hat.“