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Wermelskirchen: Unterwegs auf dem Willi-Lohbach-Weg

Willi-Lohbach-Weg in Burg : Gedanklich unter dem Meeresspiegel

Der Willi-Lohbach-Weg in Burg wurde neu ausgeschildert. Er war Deutschlands erster geologischer Lehrpfad.

Wie buchstabiert ein Graureiher „Restaurant“ ? Wahrscheinlich so: F i s c h t r e p p e. Kurz hinter dem Klärwerk in Unterburg wartet der Vogel darauf, dass sein Essen vorbeikommt. Von Spaziergängern und Wanderern, die an der Wupper unterwegs sind, lässt er sich nicht stören. Auch das Eichhörnchen am Hang nimmt keine Notiz von den Menschen, die gesittet auf den Wegen bleiben – und gerade deshalb jede Menge über ihre Heimat erfahren.

Wer sich zwischen Stadtwald und Wupper auf die Wanderung macht, bewegt sich gedanklich unter der Meeresoberfläche. Ein Urzeitmeer hat Spuren hinterlassen, die Willi Lohbach schon vor 50 Jahren faszinierten. Anfang der 1970er Jahre legten er und andere Vereinsmitglieder der Naturfreunde Deutschlands ersten geologischen Lehrpfad an. Gerne würden ihn die Naturfreunde bei geführten Wanderungen präsentieren, müssen aber wegen der Corona-Krise passen. Weil der Weg neu beschildert wurde, kann man sich jedoch auch alleine auf Bildungsreise machen.

Ein Graureiher ist Stammgast an der Fischtreppe. Foto: Fred Lothar Melchior

Dabei wird auf 30 Tafeln nicht nur Vergangenes wie „Wellenrippel“ im Gestein, sondern auch Gegenwärtiges erläutert – etwa am Bertramsmühler Bach. „Prallhang und Gleithang, da werden die alten Erdkunde-Kenntnisse wieder wach“, sagt Elke Merges, die mit ihrem Mann Stefan an einem freien Tag aus Köln nach Solingen gekommen ist. Günther Fürst, Hausherr der Petersmühle, weiß von seinen Spaziergängen, dass viele Auswärtige gerne die schöne Solinger Landschaft besuchen – manchmal auch zum Suchspiel Geocaching.

Auf dem Willi-Lohbach-Weg muss nicht gesucht werden – die Lehrtafeln stehen selten weiter als einen Meter vom Weg entfernt. Manchmal findet sich eine Kombination aus altem und neuem Schild, etwa bei der Tafel, auf der Lößablagerungen erläutert werden. „Teilweise waren die alten Schilder verschwunden“, sagt Regine Weiß, Vorsitzende der Naturfreunde Solingen-Theegarten, die sich seit 2018 um den Weg kümmern. Gelegentlich fehlt auch etwas, auf das eigentlich hingewiesen wird. So haben Fossilien im Stein schon vor geraumer Zeit Liebhaber gefunden.

30 kleine Tafeln sind entlang des Rundweges zu finden. Foto: Fred Lothar Melchior

„Wir haben aber auch neue Fundstellen entdeckt“, sagt Regine Weiß. „Ganz vieles ist noch zu sehen.“ Und relativ leicht zu erreichen: Der Anstieg von der Wupper zur Petersmühle ist eher bescheiden, und auch das folgende Stück am Hang ist gut begehbar. Es ist allerdings nicht barrierefrei und gelegentlich nur 40 Zentimeter breit. Auch die Zahl der Bänke auf dem (je nach Strecke) sechs bis siebeneinhalb Kilometer langen Weg ist überschaubar.

Wer mit dem Rundweg unterhalb der Straße Burger Höhe nicht ausgelastet ist, kann auch noch auf der anderen Straßenseite wandern – vom alten Burger Rathaus bis zum Stadtwald oder umgekehrt. „Dort sind auch historisch interessante Sachen zu sehen“, sagt Regine Weiß. An der Strecke liegen beispielsweise die Ringwallanlage Galapa und ein alter Friedhof mit Gräbern von Fremdarbeiterinnen. Dort ist die Strecke nicht als Willi-Lohbach-Weg ausgeschildert, sondern als Wanderweg A3.

Auch an anderen Stellen deckt sich der Willi-Lohbach-Weg mit anderen Strecken, etwa dem Klingenpfad, dem Brezel-Wanderweg und dem Wasserweg Wupper.

Er ist ein Projekt der Naturfreunde NRW und wird von der Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW gefördert.