Wermelskirchen: Unternehmen kämpfen mit schlechter Verkehrsanbindung

Wirtschaft : Firmen kämpfen mit Verkehrsanbindung

Neben der schlechten Anbindung belastet auch der Fachkräftemangel Wermelskirchener Unternehmen.

Die Verkehrsanbindung von und nach Wermelskirchen ist schlecht – nicht nur im Sinne des öffentlichen Nahverkehrs, der allen voran durch eine fehlende Bahnanbindung die Geduld von ÖPNV-Pendlern auf die Probe stellt. Auch Autofahrer stehen seit Beginn der Bauarbeiten der Rheinbrücke auf der A1 bei Leverkusen verstärkt im Stau. Den entsprechenden Frust bekommen Wermelskirchener Unternehmen zu spüren, deren Mitarbeiter von auswärts täglich wesentlich länger von und zur Arbeit brauchen. „Bei den Unternehmen wächst die Sorge um die Infrastruktur und Erreichbarkeit“, sagt Eva Babatz, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Leverkusen/Rhein-Berg. Die wachsende Unzufriedenheit mache sich stark bemerkbar. „Das ist für die Menschen wertvolle Lebenszeit“, so Babatz weiter. Deswegen hätten einige Unternehmen Angst vor einer Abwanderung von Mitarbeitern, denen der tägliche Weg nach Wermelskirchen schlichtweg zu lang dauert.

Möglichkeiten für eine bessere Anbindung, etwa durch einen Schnellbus oder eine Seilbahn, sollen in der nächsten Sitzung des Wirtschaftsgremiums im März diskutiert werden. Hier engagieren sich derzeit 24 Wermelskirchener Unternehmer aus verschiedenen Branchen der regionalen Wirtschaft. Laut Babatz sei auch die Reaktivierung der Balkan-Trasse als mögliche Option zur Anbindung Wermelskirchens an die Rheinschiene im Gespräch. Offizielle Pläne gebe es dazu nicht, Babatz verweist jedoch auf den Ursprung der Trasse, der im Bahnverkehr liegt. „Wir setzen uns als IHK dafür ein, dass solche Trassen für eine mögliche Wiederbenutzung freibleiben“, erläutert sie. Diese und weitere Möglichkeiten werden bei der Sitzung besprochen, an der auch Reimar Molitor, (Region Köln Bonn) sowie VRS-Chef Norbert Reinkober referieren werden.

Im gesamten Rheinisch-Bergischen Kreis sei nach wie vor der Fachkräftemangel das Konjunktur-Risiko Nummer eins, so Babatz, auch in Wermelskirchen. Das zeigen die Ergebnisse der Winter-Konjunkturumfrage, die die IHK Ende Januar veröffentlichte und an der 75 Unternehmen aus dem Rheinisch-Bergischen Kreis teilgenommen haben. „Die Gesamtsituation ist momentan etwas getrübt“, sagt Babatz. Das betreffe vor allem die Metall- und Elektrobranche und die Zulieferer der Automobilindustrie. Neben dem Fachkräftemangel seien auch die wirtschaftspolitischen Handelsbedingungen wie Brexit und Strafzölle eine Herausforderung für die Unternehmen. Zwar rechnen aktuell 15 Prozent der Unternehmen (im Vorjahr: 6,6 Prozent) mit einer besseren Entwicklung, jedoch erwarten 32 Prozent (31,1 Prozent) eine schlechtere Entwicklung. Jedes vierte Unternehmen bewertet seine Lage als gut (Vorjahr: 27,9 Prozent), eine schlechte Lage melden rund 19 Prozent der Unternehmen (Vorjahr: 16,4 Prozent).

Unternehmen, die die Produktion herunterfahren und Kurzarbeit anmelden müssen, rät Babatz, die Zeit in eine zusätzliche Qualifikation der Mitarbeiter zu investieren, beispielsweise mit Programmen, die von der Agentur für Arbeit angeboten werden. Das sei ein wichtiges Signal an die Mitarbeiter. „Und: Die Unternehmen haben aus der letzten Wirtschaftskrise gelernt, Entlassungen möglichst zu vermeiden.“