Wermelskirchen:Typisierung hilft Leukämiekranken

Blutspendeaktion in Wermelskirchen : Typisierung hilft Leukämiekranken

Trotz der Hitze kamen 235 Spendenwillige zur Blutspende ins Gemeindehaus an der Stadtkirche. Dorthin musste das DRK ausweichen, weil das Bürgerzentrum nach dem Wasserschaden saniert wird. 16 Personen ließen sich typisieren.

Trotz der hochsommerlichen Hitze ist es im Gemeindezentrum der Evangelischen Kirchengemeinde am Markt voll. Viele Menschen sind zum Blutspendertermin des DRK gekommen, erstmals an dieser Örtlichkeit – wegen des Wasserschadens im Bürgerhaus. Mit dabei ist auch Hans-Joachim Schindler von der Stefan-Morsch-Stiftung aus Birkenfeld. Die Stiftung betreibt die älteste Stammzellenspenderdatei Deutschlands.

Schindler sitzt an einem kleinen Tischchen, auf dem einige Informationsflyer rund um das Thema Typisierung liegen – und eine Schachtel mit kleinen Reagenzgläsern. „Da kommen zehn Milliliter der Blutspende rein, wenn man sich typisieren lassen will“, sagt Schindler. Ein Extraaufwand ist für den Spender somit nicht nötig, die Typisierung kann jedoch Menschen helfen, die an Leukämie leiden. Es ist auch eine einmalige Angelegenheit, wie Schindler weiter erklärt. „Einmal typisieren lassen reicht aus. Die Daten werden im Zentralregister in Ulm gespeichert und sind dann überall verfügbar“, sagt der Hagener, der in seiner Freizeit für die Stiftung bei Blutspenderterminen präsent ist.

Hans-Joachim Schindler von der Stefan-Morsch-Stiftung bei der Typisierung im Gemeindehaus am Markt. Foto: Wolfgang Weitzdörfer/Wolfgang Weitzdörfer

Helfen kann jeder zwischen 18 und 40 Jahren, Kosten entstehen keine, da diese von der Stiftung und durch Spenden übernommen werden. „Die Altersbegrenzung hat den Hintergrund, dass wir festgestellt haben, dass Personen ab 40 Jahren nur ganz selten zur Stammzellenspende herangezogen werden – daher ist es nicht sinnvoll, sie zu erfassen“, erklärt Schindler. Es sei das beste Alter für die Stammzellenspende. Hier liege aber auch eine Crux seiner Arbeit, sagt Schindler: „Die allermeisten Blutspender sind schon über 40 Jahre alt, daher kommen bei den Spenderterminen vielleicht acht bis zehn Prozent überhaupt für die Typisierung in Frage.“

Viele regelmäßige Blutspender seien zudem bereits erfasst. „Wir sind ja auch an Schulen und Gymnasien präsent, so dass ich mich glücklich schätzen kann, wenn ich bei einem so gut besuchten Termin auf acht bis zehn neue Typisierungen komme“, sagt Schindler. Beim Termin in Wermelskirchen sind es schlussendlich 16 Personen von 235 Spenderwilligen, die sich auch typisieren ließen. An dem Nachmittag kamen acht Neuspendern. 205 Blutkonserven wurden schließlich dem Blutspendedienst übergeben.

Einer der Spender davon ist Mirco Schedler. „Eigentlich wollte ich ja nur zum Blutspenden gehen. Ich wohne in Wermelskirchen, bin aber nicht so regelmäßig beim Spenden, weil es zeitlich nicht immer passt“, sagt der 24-Jährige. Die Typisierung sei aber auf jeden Fall eine sehr gute Sache, die er gerne unterstütze. „Man kommt nicht so direkt darauf, daher ist es ganz gut, wenn Leute wie Herr Schindler einen ansprechen“, sagt Schedler. Zudem sei es ja kein Mehraufwand – „und im Zweifelsfall kann ich einem Menschen helfen, der schwer krank ist“, sagt der 24-Jährige.

Bei der Typisierung handelt es sich um die nötigen Laborarbeiten, die für eine Aufnahmen in die Stammzellspenderdatei nötig sind. Aus der Blutprobe, die aus der gesamten Spende entnommen wird, werden die Gewebemerkmale bestimmt. Im Zentralregister können die anonymisierten Daten weltweit eingesehen werden. Derzeit sind weltweit über 20 Millionen Menschen registriert. Dennoch bleibt es für Betroffene, die etwa an Leukämie leiden, ein Glücksfall, einen geeigneten Spender zu finden. „Deswegen ist die Typisierung auch so wichtig“, betont Hans-Joachim Schindler im Gespr#äch mit dieser Redaktion.

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