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Wermelskirchen: Tierheim-Mitarbeiterin Larissa Heimchen - „Katzen sind sehr eigenständig“

Montagsinterview mit Larissa Heimchen : „Katzen sind sehr eigenständig“

Larissa Heimchen arbeitet im Tierheim Wermelskirchen mit Hunden und Katzen gleichermaßen. Privat hat sie selbst drei Stubentiger. Im Interview erzählt sie, worauf bei der Haltung geachtet werden muss.

Frau Heimchen, die Gretchenfrage gleich zu Beginn: Hund oder Katze?

Larissa Heimchen Privat habe ich drei Katzen, einfach weil die Tiere besser in mein Leben passen. Ein Hund benötigt wesentlich mehr Zeit als die Katze. Ich mag aber tatsächlich beide Tiere gleich gern.

Gibt es tatsächlich Hunde- und Katzentypen?

Heimchen Ja, das auf jeden Fall. Hundetypen sind oft die aktiveren Menschen, die mehr an die frische Luft wollen. Manchmal können sie auch mit kleineren Tieren gar nicht so viel anfangen, sie wollen dann lieber ein größeres Tier. Außerdem kann man einem Hund sehr viel mehr beibringen als der Katze – auch wenn Katzen wesentlich gelehriger sind, als man allgemein annehmen würde. Bei Hunden ist das aber offensichtlicher. Bei Katzentypen ist es oft auch eine Entscheidung für die Katze, weil es beruflich besser ins Leben passt. Aber grundsätzlich kann man schon eine Vorliebe für das eine oder das andere Tier merken.

Seit wann haben Sie selbst Katzen?

Heimchen In der Kindheit gab es die daheim auch schon, aber ich selbst habe meine Katzen jetzt seit etwa fünf Jahren.

Was macht für Sie das Besondere einer Katze aus?

Heimchen Katzen sind sehr eigenständig, versuchen zwar auch zu gefallen, aber sie lassen sich nicht immer direkt einschätzen. Bei Hunden ist das offensichtlicher, sie möchten den Menschen meist gefallen und tun viel für ihn. Manchmal sind Katzen unnahbar, auf der anderen Seite suchen sie trotzdem die Nähe zum Besitzer. Wenn sie ihren Menschen kennen und mögen, dann sind sie unglaublich sanft und meist sehr lieb. Meine Katzen warten zum Beispiel an der Haustür, wenn ich nach Hause kommen, was natürlich ein schönes Zeichen ist. Sie merken auch direkt, wenn es einem nicht gut geht. Außerdem hat das Schnurren eine sehr beruhigende Wirkung, gerade vor dem Schlafen gehen.

Stimmt das Klischee, dass sie Diven sind und sich nichts sagen lassen?

Heimchen Da gibt es tatsächlich viele, die so sind. Eine meiner drei Katzen ist auch so eine Diva. Da heißt es dann: „Futter darfst du mir geben, streicheln ist vielleicht auch mal drin, wenn ich das möchte und auf deinen Schoß gehe…“ Katzen holen sich ihre Zuneigung oft vom Menschen, wenn sie das eben selbst möchten. Es sind nicht alle so, aber es gibt sie durchaus auch. Damit muss man als Mensch dann umgehen können.

Wie viele Katzenarten gibt es eigentlich?

Heimchen Ursprung aller Katzen liegt bei der nubischen Falbkatze, wobei die Europäische Hauskatze wohl die am meist verbreitete dabei ist. Es gibt mittlerweile um die 150 Rassen, welche zum Großteil durch Zucht entstanden sind. Bei den Züchtungen gibt es das Problem, das leider auch Eigenschaften gezüchtet wurden, die das Tier einschränken.

Wieviel Wildtier steckt noch in unserer Hauskatze?

Heimchen Das ist ganz unterschiedlich. In einer meiner Katzen steckt zum Beispiel Bengale mit drin, das ist eine sehr wilde Katze. Eine reinrassige Bengalkatze kann man z.B. kaum einsperren, sie sollte Freigang haben, um ihre Aktivität ausleben zu können. Wenn man da Pech hat, dann zerkratzt so eine Katze auch schon mal Teile der Wohnung. Hauskatzen sind aber generell nicht mehr so wild. Was aber alle Katzen in sich tragen, ist der Jagdtrieb. Den bekommt man auch nicht raus. Mäuse, Vögel oder Insekten – das jagen alle Katzen.

Man kann Katzen also schon domestizieren?

Heimchen Das kann man auf jeden Fall, aber manche ursprünglichen Triebe lassen sich nicht wegzüchten, was natürlich auch schön für die Tiere ist. Ein Tier sollte immer noch seinen Trieben nachkommen dürfen.

Sollten Katzen im Haus leben oder Freigänger sein?

Heimchen Es gibt Katzen mit Krankheiten oder Handicaps, die man in der Wohnung halten sollte. Weil sie mit einer Behinderung – etwa als Dreibeiner – entweder nicht zurechtkämen, oder mit einer Infektionserkrankung andere Katzen anstecken würden. Ansonsten sind Katzen aber kleine Jäger, die auf jeden Fall ins Freie kommen sollten. Zu Hause sollte man – auch im eigenen Interesse – für viel Abwechslung in der Wohnung sorgen. Es sollte ihnen nicht langweilig werden. Es kommt auch ein wenig auf den Charakter der Katze an: wenn man eine ganz quirlige und verspielte Katze hat, sollte sie die Möglichkeit haben, ins Freie zu können. Wir haben im Tierheim aber auch Katzen, die gar nicht nach draußen wollen. Wenn sie ins Freie können, besteht aber gerade an belebten Straßen die große Gefahr, dass sie überfahren werden. Manchen Katzen reicht auch ein abgesteckter Balkon schon. Man muss sich das eigene Tier einfach ganz genau ansehen, dann kann man die Entscheidung am besten treffen.

Sie arbeiten im Tierheim – bekommen Sie viele Katzen zur Aufnahme?

Heimchen Aktuell haben wir eine ganze Menge Auslandstiere, weil wir Auslandstierschutz nicht nur bei Hunden, sondern mittlerweile auch bei Katzen betreiben. Fund- und Abgabetiere sind bei uns zurückgegangen, da wir durch Kastrationsaktionen die Vermehrung schon eindämmen konnten. Wir versuchen, die „Abgabekatzen“ direkt über unsere Homepage zu vermitteln, damit sie direkt in ein neues Zuhause ziehen können und nicht den Stress im Tierheim ausgesetzt werden. Und das funktioniert ganz gut.

Und wie ist es mit der Vermittlung? Sind Katzen schwieriger zu vermitteln als Hunde?

Heimchen Unsere Tiere stehen alle auf unserer Homepage, die Vermittlung geht meistens recht schnell, wenn den Tieren nichts fehlt. Bei Fundtieren, die in der Regel recht scheu sind, dauert es ein wenig länger als bei Abgabetieren, die meist aus einem bestehenden Haushalt kommen. Grundsätzlich ist der Vermittlungsaufwand bei beiden Tieren ähnlich hoch.

Was muss man beachten, wenn man sich eine Katze anschaffen will?

Heimchen Wenn sie in einer Wohnung gehalten werden, dann sollten sie nicht alleine sein – außer die Katze ist tatsächlich ein Einzelgänger. Freigänger können schon eher einzeln gehalten werden, da sie auch draußen auf andere Tiere zugehen kann. Grundsätzlich haben Katzen ein wichtiges Sozialverhalten, das Putzen oder Spielen funktioniert mit den Artgenossen eben besser als mit dem Menschen. Katzen sollten auch nicht den ganzen Tag alleingelassen werden. Sie müssen ausreichend Platz und Abwechslung zur Verfügung haben: Ein Kratzbäumchen auf 50 Quadratmetern ist einfach zu wenig. Wenn man Katzen in eine Familie mit kleineren Kindern integrieren möchte, sollte man auch darauf achten, dass die Katze mit Kindern gut kann. Denn Kinder nehmen die Katze oft einfach hoch – und das Tier sollte das dann schon mit sich machen lassen.

Wolfgang Weitzdörfer führte das Interview