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Wermelskirchen: Tierarzt verzeichnet Einbruch der Behandlungen durch Corona

Corona-Krise in Wermelskirchen : Tierärztliche Behandlungen brechen ein

Der Praxisbetrieb von Dr. Eckhard Bürgener läuft weiter, denn sein Beruf gilt als systemrelevant. Behandelt werden jedoch nur dringende Fälle.

Wenn Dr. Eckhard Bürgener seine vierbeinigen Patienten untersucht, werden sie normalerweise von ihren Besitzern festgehalten – die dürfen momentan aber nicht mit ins Behandlungszimmer, sondern können aus sicherer Entfernung von der Anmeldung aus zuschauen. „Das ist wichtig, denn während der Untersuchung ergeben sich oft Fragen, die so nach wie vor direkt geklärt werden können“, sagt Bürgener. Festgehalten werden die Tiere nun von seiner Mitarbeiterin Juliane Wilms. Die Auszubildende erledigt sonst Telefonate und nimmt schon nächste Patienten auf – jetzt läuft nichts mehr parallel, nur noch nacheinander. Durch die verlangsamte Abfolge und die damit verbundene deutlich gesunkene Zahl an Patienten bekommt der Tierarzt die Auswirkungen der Corona-Krise täglich zu spüren.

Seine Praxis an der Thomas-Mann-Straße bleibt jedoch nach wie vor geöffnet. Vor einer Woche hatte Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner Tierärzte, Tierpfleger und tiermedizinische Fachangestellte als systemrelevant eingestuft. Pflegte die Tierarztpraxis bisher eine offene Sprechstunde, kommen die Tierbesitzer jetzt nur noch nach vorheriger Anmeldung. An der Eingangstür weist außerdem ein Schild darauf hin, dass nur einzeln eingetreten werden darf. „Die Menschen akzeptieren das, mittlerweile ist der Ernst der Lage glaube ich bei fast allen angekommen“, sagt Bürgener. Das zeige sich auch darin, dass der Andrang generell deutlich zurückgegangen sei. Dringende Fälle würden selbstverständlich nach wie vor behandelt. „Es gibt aber Symptome, bei denen man durchaus zwei bis drei Tage abwarten kann – manchmal erledigen sie sich von selbst.“ Dazu zählen Durchfall, Niesen oder ein tränendes Auge. Schwer falle Bürgener die Einschätzung am Telefon nicht. „Ich habe mehr als 30 Jahre Berufserfahrung und habe seit meiner Praxiseröffnung ein Notfallhandy, auf dem ich sieben Tage die Woche erreichbar bin – da gilt es letztlich genauso, die Dringlichkeit einzuschätzen.“

Chronische Patienten, die etwa an Arthrose oder Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems leiden, brauchen natürlich nach wie vor ihre Medikamente. „Die meisten Besitzer bestellen sie vor und holen sie bei uns ab, in Einzelfällen verschicken wir sie auch per Post“, erläutert der Tierarzt. Die erst kürzlich erfolgte Umstellung auf kontaktloses Zahlen mit der EC-Karte in seiner Praxis sei jetzt nützlich. „Ein paar wenige zahlen noch bar, das ist für uns aber völlig in Ordnung“, sagt Bürgener. Er und seine Mitarbeiterin seien schließlich ständig in Kontakt mit Sekreten, die teilweise auch infektiös seien. „Häufiges Händewaschen gehört deswegen sowieso fest zu unserer Arbeit dazu.“ Aufgestockt habe man die Maßnahmen jetzt mit Mundschutz, den er und Juliane Wilms prophylaktisch tragen.

Die Herausforderungen im Praxisalltag lassen sich momentan gut meistern – unklar hingegen ist der wirtschaftliche Schaden. „Für Tierärzte, die gerade eine Praxis gegründet oder in Bestehendes investiert haben, sieht es wirklich schlecht aus“, sagt Bürgener. Auch für Praxen oder Kliniken mit einem großen Mitarbeiterpool sei die Situation besonders schwierig. Bürgener selbst hat zwar nur eine Mitarbeiterin, die noch in der Ausbildung ist. Doch auch an ihm gehen die finanziellen Auswirkungen nicht vorbei. Medikamente würden nach wie vor abgeholt, doch der Gewinn sei gering. Ausschlaggebend seien die Behandlungen. „Davon fallen 40 bis 50 Prozent weg.“ Darüber, wie es in den kommenden Wochen weiterlaufen wird, möchte er nicht spekulieren. „Die Situation verändert sich ständig, auch unsere Zahlen schwanken – es bleibt abzuwarten, wie sich diese Pandemie entwickelt.“

Genauso besonnen geht er mit der Frage nach der Übertragung des Coronavirus auf Tiere um. Dafür gebe es bisher keine wissenschaftliche Evidenz und damit auch keinen Grund zur Panik. Was er jedoch als sinnvoll erachtet: Von gefährdeten Personen, die mit anderen in einem Haushalt leben, etwa in einem Mehrgenerationenhaus, sollten Haustiere ferngehalten werden. „Tiere können indirekt Überträger sein – denn viele von ihnen werden ausgiebig gestreichelt oder schlafen mit im Bett.“ Das Fell könne, genau wie Papier oder andere Oberflächen, Erreger des Virus transportieren.

Hierbei ist also, wie momentan in nahezu allen Lebensbereichen, ein erhöhtes Maß an Verantwortungsbewusstsein und Vorsicht angebracht – insbesondere, wenn es um ältere oder vorerkrankte Menschen geht.