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Wermelskirchen: Tempolimit für Motorradfahrer auf K 18 und L 294

Beliebte Strecken im Bergischen Land : Tempolimit für Motorradfahrer in Wermelskirchen

Zwischen Hilgen und Dabringhausen gilt nur für Motorradfahrer auf der einen Strecke ein Tempolimit von 50/60 Stundenkilometern, auf der anderen muss bis Tempo 30 runtergebremst werden. Diese Regelung stößt nicht nur beim Bundesverband der Motorradfahrer auf Kritik.

Es ist das nächste Kapitel einer langen Geschichte: Am Dienstag enthüllten Landrat Stephan Santelmann und Bürgermeister Rainer Bleek an der Einfahrt nach Bechhausen ein Verkehrsschild. Ab sofort dürfen Motorräder auf der K 18 zwischen Hilgen und Dabringhausen nur noch 60 Stundenkilometer fahren. Für die letzte scharfe Kurve unterhalb von Dabringhausen gilt ein Tempolimit von 50 Stundenkilometern – ebenfalls nur für Motorradfahrer. „Es geht uns um den Schutz aller Verkehrsteilnehmer“, betonte Santelmann. Auf der parallelen Landstraße 294 durch die Markusmühle gilt komplett Tempo 30 für Motorradfahrer.

Santelmann verwies auf die Unfallstatistik von 2017 und 2018 für die K 18. Damals seien 13 Unfälle mit Personenschaden registriert worden, davon zwölf unter Beteiligung von Motorrädern. „Achtmal wurden Motorradfahrer als Verursacher der Unfälle registriert“, erklärte Hauptkommissar Stefan Schubert von der Verkehrsunfallprävention der Kreispolizeibehörde. Umgehend gab Michael Wilczynski vom Bundesverband der Motorradfahrer zu bedenken, dass diese Zahlen nur bedingt aussagekräftig seien: „Motorradfahrer sind viel weniger geschützt als Autofahrer und deswegen kommt es schneller zum Personenschaden“, erklärte er. Wenn man also nur die Unfälle mit Personenschaden zähle, sei von vornherein absehbar, dass häufig Motorräder involviert seien.

 Freuten sich:  Bürgermeister Bleek und Landrat Santelmann.
Freuten sich:  Bürgermeister Bleek und Landrat Santelmann. Foto: Moll, Jürgen (jumo)

Vorausgegangen waren dem Tempolimit Messungen, die sowohl die Zahl, als auch die Art und die Geschwindigkeit der Verkehrsteilnehmer dokumentiert hatten. Das Ergebnis: „Viele Motorradfahrer waren mit unangepasster Geschwindigkeit unterwegs“, erklärte Irmhild Schürhoff, Leiterin des Amtes für Straßen und Verkehr beim Rheinisch-Bergischen Kreis. Alle Verkehrsteilnehmer auf der K 18 durften bis auf die Wohnbebauung Dabringhausen so schnell fahren, wie es die Straßenbedingungen ermöglichten. Tempo 100 habe die kurvenreiche Strecke diese Geschwindigkeit allerdings nicht hergegeben. Bei der Festsetzung des Tempolimits habe sich die Behörde an der Messung orientiert: „Denn 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer waren ohnehin mit 50 beziehungsweise 60 Stundenkilometern unterwegs“, erklärte Schürhoff.

Man habe politisch „starke Bretter bohren müssen“, erinnerte dann Bürgermeister Rainer Bleek. Denn bei dem Thema träfen starke Interessengruppen aufeinander. „Diese Maßnahme ist aber bitter notwendig“, betonte er und verwies auf die zunehmenden Beschwerden aus Bechhausen, deren Anwohner unter dem Motorradlärm leiden. Die Anwohner hätten bis zu 350 Motorradfahrer am Tag gezählt. Vor allem SPD-Ratsmitglied Norbert Galonska setzt sich seit Jahrzehnten für ein Tempolimit ein, um die Lärmbelästigung für den Ort zu reduzieren. Er erinnerte auch an das erste Tempolimit, das die Stadt 2008 verhängt und auf Druck des Kreises zurücknehmen hatte müssen.

Dass es jetzt allerdings „nur“ auf ein Tempolimit für Motorradfahrer hinausläuft, überraschte den ein oder anderen Anwohner: „Das Problem sind nicht nur die Motorräder“, befand Andreas Röder. Auch Quads und bestimmte Autofahrer würden für Lärm und Unsicherheit sorgen. „Das ist eine landschaftlich reizvolle Strecke“, ergänzte Anwohner André Wolf, „die wird gerne und viel genutzt.“ Seit über 20 Jahren hätten sich Anwohner auch deswegen eine Geschwindigkeitsbeschränkung gewünscht, damit die Kinder heilen Fußes zur Bushaltestelle auf der gegenüberliegenden Straße kommen. „Aber dann doch bitte für alle Fahrzeuge“, so Röder.

Diesen Appell richteten auch Karin Karrasch und Michael Wilczynski vom Bundesverband der Motorradfahrer an die Politik. „Wir setzen uns vehement gegen diese Ungleichbehandlung ein“, betonte Karin Karrasch. Mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Strecke seien sie völlig einverstanden, aber die müsse für alle gelten. „Nachdem die Straße ausgebaut worden ist, haben wir bei der Stadt Alarm geschlagen“, erinnerte sie, „diese Strecke provoziert die Raser.“ Der Mittelstreifen fehlt, die Kurven sind reizvoll, die Strecke ist gut ausgebaut. „Wir wollten damals schon das Tempolimit für alle“, erinnerte Karrasch. Dass nun eine Beschränkung nur für Motorradfahrer eingerichtet würde, sei gefährlich. „Motorradfahrer, die sich daran halten, müssen damit rechnen, dass die Autos doppelt so schnell unterwegs sind“, beklagte Wilczynski, „das führt zwangsweise zu gefährlichen Situationen. Wir werden von den Autofahrern abgeschossen.“

Irmhild Schürhoff vom Kreis machte sich keine Sorgen. „Die Autofahrer werden ihr Tempo anpassen müssen, wenn sie einen Motorradfahrer vor sich haben“, erklärte sie. Außerdem habe die Messung ergeben, dass die meisten Autofahrer auf der rund 3,5 Kilometer langen Strecke ohnehin nicht schneller als 60 Stundenkilometer fahren.

Damit Motorradfahrer nun nicht auf Parallelstrecken ausweichen, gilt auf der L 249 ebenfalls zwischen Hilgen und Dabringhausen ein Tempolimit. Bisher gab es dort keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Jetzt wird die Geschwindigkeit „getunnelt“: Aufgrund der vielen Kurven von Tempo 70 bis runter auf 30 Stundenkilometer in der 180-Grad-Kehre Kump. „Und wir werden kontrollieren“, kündigte Hauptkommissar Stefan Schubert an. Dafür seien zivile und uniformierte Polizisten auf dem Motorrad im Einsatz, auch Radarkontrollen seien möglich. „Langfristig wünschen wir uns eine stationäre Kontrolle.“