Wermelskirchen: Tanzgarde Rot-Wiess feiert jeckes Jubiläum

Session wird eröffnet: Rut-Wiess feiert jeckes Jubiläum

Morgen fällt der Startschuss für die Fünfte Jahreszeit. Damit beginnt für die Tanzgarde aus dem Dorf eine Jubelsession. Nach Höhen und Tiefen hat das Corps aus Wermelskirchens Karnevalshochburg Dabringhausen eine Strahlkraft entwickelt, Mariechen und Offiziere freuen sich auf den Auftritt bei der Proklamation des Dreigestirns in einer Woche.

Für die Jecken im Rheinland startet am morgigen Sonntag, 11. November, die schönste Zeit im Jahr. Mit dem Beginn der Fünften Jahreszeit bricht für die Tanzgarde Rut-Wiess Dabringhausen eine ganz besondere Session an: Die Rot-Weißen aus dem Dorf feiern mit ihrem elfjährigen Bestehen ein jeckes Jubiläum. Wer beim ersten Auftritt der Tanzgarde in der Session 2018/19 am kommenden Samstag, 17. November, bei der Proklamation des Dreigestirns genau hinsieht, wird entdecken, dass dieses Jubiläum auch optisch seinen Niederschlag findet: Eigens für die Jubelsession hat Trainerin Katharina „Kathy“ Klaar an die Röcke der Tanzmariechen einen weiß-silbrig schimmernden Spitzensaum genäht, der zurückhaltend aber glänzend auf das Jubiläum hinweist.

„Wir wollen zumindest einen unserer neuen Tänze bei der Proklamation präsentieren“, haben sich die Trainerin und Betreuerin Sabine Gielke mit ihrer Garde vorgenommen. Eigentlich zeigen die Tanzcorps bei der Proklamation immer die Tänze der vorangegangenen Session, um in der Zeit des Jahreswechsels noch „Luft“ für Proben zu haben.

30 bis 40 Auftritte pro Jahr absolvieren die Rot-Weißen nicht nur im Karneval: Gastspiele bei Geburtstags-, Firmen- oder Vereinsfeiern gehören ebenso dazu. Die Auftritte in Begleitung des heimischen Dreigestirns sind stets herausragend, finden die Rut-Wiessen, und vor zwei Jahren zum Gefolge des Prinzen aus Leverkusen-Lützenkirchen gehört zu haben, sei unvergesslich.

24 junge Damen bilden die Riege der Tanzmariechen von Rut-Wiess Dabringhausen, zehn von ihnen sind seit einem Jahr neu dabei und haben Abgänge kompensiert. „Aus beruflichen Gründen oder durch Familiengründung hören die Tänzerinnen und Tänzer irgendwann auf – das gehört dazu“, beschreibt Klaar, die ihre vier Tanzoffiziere als „Super-Jungs“ bezeichnet: „Einige Tanzoffiziere mehr könnten wir gut gebrauchen.“ Grundsätzlich würden sie sich aber über jeden freuen, der mitmachen möchte.

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Zu den „älteren“ Aktiven in der Tanzgarde gehört mit 27 Jahren das erste Tanzmariechen Isabel Hemme: „Eigentlich konnte ich früher wenig mit Karneval anfangen. Jetzt genieße ich die Auftritte und das gemeinsame Feiern auch mit den anderen Gruppen im Dawerkuser Karneval.“ Und Lynn Klaar (22 Jahre), Tochter der Trainerin und erstes Hebemariechen, stellt fest: „Für mich ist das Ende offen. Ich kann es mir ohne Tanzgarde gar nicht vorstellen.“ Letztlich stellte die damals noch „kleine“ Lynn einen ausschlaggebenden Grund für die Gründung von Rut-Wiess Dabringhausen dar, wie Kathy Klaar und Gielke erzählen: „Unsere Töchter gehörten als Mädchen zur Tanzgarde Blau-Weiß, die sich auflöste. Daraufhin beschlossen wir die Gründung von Rut-Wiess.“ Seither hat Rut-Wiess auch weniger gute Zeiten erlebt, erinnert sich die Trainerin: „Streitereien in der Gruppe haben zu Austritten geführt und gingen an die Nerven. Das ist nun überwunden.“ Vor fünf Jahren habe die Tanzgarde mangels Mitgliedern sogar einmal kurz vor dem Aus gestanden.

Als Trainerin und gelernte Erzieherin legt Klaar nicht nur auf Sport, Tanz und Akrobatik wert. Vielmehr setzt sie auf das Prinzip „Gemeinsam sind wir stark“: „Wir sind eine harmonische, tolle Gemeinschaft, die alles selbst entwickelt.“ Eine Gruppe würde die Liedauswahl treffen, die Gemeinschaft entwickele dazu die Choreografie. Dazu komme dann unter anderem Sohn Nils, der zwar nicht auf der Bühne steht, aber die Musik für die Tänze zusammenschneidet. Kommandant und Tanzoffizier Sven Bosselmann glaubt das „Geheimnis“ der Strahlkraft von Rut-Wiess zu kennen: „Wir gehen mit Spaß an die Sache. Natürlich wollen wir eine gewisse Professionalität bieten, aber ohne Peitsche im Nacken. Mit Profi-Gruppen aus Köln können und wollen wir uns gar nicht messen. Wir treten gemeinsam auf und feiern gemeinsam.“

Bei Auftritten in der Mehrzweckhalle vor heimischem Publikum wäre das Lampenfieber schon groß, sind sich Isabel Hemme und Lynn Klaar einig, denn dort kenne man ja quasi jeden der Zuschauer. Aber: Der Applaus des heimischen Publikums sei auch die größte Belohnung für die Mühe.

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