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Wermelskirchen: Talent, Mut und riesige Begeisterung

Konzert Kattwinkelsche Fabrik : Talent, Mut und riesige Begeisterung

Künstler aus dem Jugendbereich der Katt und Gesangsschüler der Musikschule sorgen für einen außergewöhnlichen Abend.

Irgendwo flüstert eine junge Frau im Publikum: „Gänsehaut“. Und dann ist sie sofort wieder leise, um keinen Moment auf der Bühne zu verpassen. Gina Born und Vivian Langer wirken noch ein bisschen schüchtern, blicken anfangs selten ins Publikum. „Das ist mehr als ein Vorsingen hier“, hat Kolja Pfeiffer zu Beginn erklärt, „in den Liedern liegt Seele und Persönlichkeit.“ Und das spüren die Besucher beim Konzert am Donnerstagabend in der Katt. Seele und Persönlichkeit. Das sorgt für Gänsehaut. Und weil diese Musik so nah und echt ist, dürfte es den jungen Musikern umso schwerer fallen, sich ihren Platz auf der Bühne zu suchen, dann auf die Klaviertöne von Sihna Maagé zu warten und einzustimmen.

Gina Born und Vivian Langer stehen nicht zum ersten Mal auf einer Bühne, aber die Aufregung ist ihnen dann doch ins Gesicht geschrieben. Sie blicken einander an, wenn sie singen. Manchmal lachen sie sich aufmunternd zu. Und dann werden die Zuschauer Zeuge, wie diese beiden jungen Frauen das Publikum irgendwann zu vergessen scheinen, wie sie völlig in ihrer Musik aufgehen, wie sie beginnen, sich selbst und ihren Stimmen zu trauen. „Hold Me While You Wait“ eröffnet den eindrucksvollen Abend in der Katt. Dieser Effekt, dass man als Zuschauer einen kleinen Blick auf die Seele der Künstler erhaschen kann und die Jugendlichen völlig unverstellt Musik machen, prägen diesen außergewöhnlichen Abend. Nicht zu schweigen von echtem Talent, das sich immer mal wieder im Konzert offenbart.

Auf der Bühne stehen die jungen Künstler des Jugendbereichs der Katt – beim Offenen Singen ist jeder willkommen, der mit einer Songidee oder einem Stück auftaucht und daraus etwas machen will. Projektleiter Sihna Maagé und Kolja Pfeiffer geben den Jugendlichen dann vor allem eines: Raum. In der Katt können sich die Jugendlichen entfalten und ausprobieren und bekommen die Unterstützung, die sie sich wünschen. Das Ergebnis klingt nach Balladen und Metalcore, auch mal nach Reggae und Dancehall. Wie schon 2018 gesellen sich zum großen Konzert Gesangsschüler der Musikschule dazu – das verbindende Glied ist Sihna Maagé, die dort Gesang unterrichtet. An diesem Abend in der Katt ist nicht mehr erkennbar, wer wo seine musikalischen Wurzeln hat und es ist auch nicht wichtig.

Gina Born und Vivian Langer singen Balladen von Selena Gomez oder „5 Seconds of Summer“. Mit Marie-Claire tritt dann die jüngste Musikerin des Abends auf die Bühne: Die Elfjährige singt ihr Reggae-Potpourri so eindrucksvoll, stimmsicher und gut gelaunt, dass das Publikum gar nicht aufhören kann, zu jubeln. Ihr folgt der älteste Künstler des Abends: Frank Hermes singt „Don’t Cry No More“ – und das Publikum steht Kopf.

Jeder bekommt hier seinen Raum, seinen Applaus und echte Begeisterung. Das gilt auch für Fabian Stoßberg, der mit einer kleinen Band „Tears Don’t Fall“ von „Bullet For My Valentine“ spielt – laut, wild und gut. Und auch hier erlebt das Publikum einen jungen Musiker, der Raum bekommen hat, sich selbst musikalisch zu suchen und zu finden und am Ende auf einer Bühne zu stehen.

Dieser Eindruck verfestigt sich noch, als Joana Marie Kittsteiner und Anastasia Klass ihren Platz auf der Bühne finden. Beide beweisen echtes Talent, viel Gefühl für ihre Musik – die eine mit einem selbstgeschriebenen Song, die andere mit Klängen von Rihanna. Und am Ende lassen die jungen Musiker den Hut rumgehen – nicht für sich selbst, sondern für die Deutsche Depressionshilfe. „So können wir mit unserer Musik vielleicht noch was Gutes tun“, sagt Joanna Marie Kittsteiner. Aber das ist den Musikern an diesem Abend ohnehin schon gelungen.