Wermelskirchen: Supersommer weckt Heißhunger auf Eis

Eisdielen im Sommer : Auch Eisverkäufer kommen ins Schwitzen

Der heiße, trockene Hochsommer beschert Eisdielen einen Riesenandrang. Die Umsatzzahlen von 2017 werden deutlich überboten.

Vor einer knappen Stunde hat Giorgio Barazzuol die Türen seines Eissalons geöffnet. Jeden Morgen um 10 Uhr öffnet er, nur ein paar Minuten später geht das erste Eis über die Theke bei „Cordella“, viele Stammgäste beziehen ihren Platz. „Es ist voll“, sagt er. Und das gilt seit Wochen für die beiden Eissalons in Wermelskirchen. Die Rechnung ist einfach: „Normalerweise funktioniert das so: Wenn es heiß wird, steigen die Besucherzahlen von Tag zu Tag“, sagt Barazzuol, „kommt ein Regentag dazwischen, fangen wir danach von vorne an.“

Weil es aber seit Wochen keinen dieser verregneten Tage gibt, die den Eisverkauf zurückwerfen, bleiben die Zahlen konstant. „Wir können schon absehen, dass dieser Sommer deutlich besser wird als der letzte“, sagt Barazzuol. Bis Mai seien die Zahlen noch identisch gewesen, aber mit den heißen Sommertagen habe sich die Statistik verändert.

Das bestätigt auch Lydia Zandomeneghi vom Eiscafé Venezia. „Das ist seit langem der beste Sommer“, sagt sie, während sie am Dienstagvormittag über der Buchhaltung sitzt. Im Vergleich zum vergangenen Jahr könne sie schon jetzt absehen: Der Umsatz ist gestiegen. Dienstags haben die Zandomeneghis Ruhetag, Cordella zieht einen Tag später nach. Die Pause haben die Familien und ihre Teams auch nötig. Während der heißen Temperaturen vergeht kaum eine Minute, in der die Eisexperten nicht gefragt sind. In der Küche werde es dann richtig heiß, denn die Maschinen würden viel Wärme abgeben. „Die Leute meinen immer, wir hätten einen kühlen Job“, erzählt sie und lacht, „aber wir kommen richtig ins Schwitzen.“ Das bestätigt auch Mathias Noack, der im Juni sein Eiscafé in Dabringhausen eröffnet hat. „Ein Traumsommer für unsere erste Saison hier“, sagt er. Die Mitarbeiter allerdings hätten bei den Temperaturen zuweilen zu kämpfen – weil die Maschinen zwar auf die Hitze ausgelegt seien, aber wiederum viel Hitze abgeben. Da lobt Giorgio Barazzuol seine Klimaanlage in der Küche. Er möge zwar den Sommer. „Aber im Moment ist der schönste Platz der an der Eismaschine“, sagt er. Wenn es zu heiß werde, würde auch der Eisverzehr zurückgehen, ergänzt Barazzuol. Dann würden die Kunden eher auf kalte Getränke zurückgreifen. „Und wenn die Temperaturen über 30 Grad klettern, dann wird es am Nachmittag auch mal leerer“, berichtet Zandomeneghi. Den Kunden wird es zu heiß und sie kommen am Abend wieder, wenn die Sonne langsam untergeht. Dann seien wieder alle Stühle besetzt. Und auch die Eisbecher zum Mitnehmen gewinnen in den Abendstunden bei den heißen Temperaturen an Beliebtheit. „Es kommt in diesen Tagen ganz oft vor, dass abends um 21 Uhr große Eispakete rausgehen“, erzählt Zandomeneghi, „Becher für die ganze Familie.“

Dass dabei an heißen Tagen weniger die ausgefallenen Sahneeis-Sorten ins Hörnchen kommen, als das Fruchteis, wissen die Eisverkäufer bereits aus Erfahrung. „Wir stellen uns darauf ein“, sagt Zandomeneghi. Schoko und Vanille seien gesetzt, aber trotzdem werde Sorten wie Mandarine, Melone oder Zitrone deutlich mehr Platz eingeräumt. Und Mathias Noack ergänzt: „Das scheint aber auch eine Frage des Geschmacks zu sein, denn es gibt ganz heiße Tage, da wollen die Menschen vor allem Schoko-Minz-Becher.“ Allerdings würden auch bei ihm erfrischende Sorten wie Wassermelone oder Weintraube gerade besonders gut laufen.

Damit das Eis in der Theke der Eissalons an heißen Tagen nicht schmilzt, ist die Kühlung besonders gefragt. „Wir verbrauchen deutlich mehr Energie als sonst“, sagt Giorgio Barazzuol. Auch Zandomeneghi bestätigt: „Alle Maschinen stehen auf Maximum“. Missen wollen die Eisverkäufer den heißen Sommer trotzdem nicht.

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