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Wermelskirchen: Sturmtief Sabine fegt alte Buchen um

105 Feuerwehrleute in Bereitschaft : Sturmtief „Sabine“ fegt alte Buchen um

Angekündigt fürs Bergische Land waren Sturmböen mit Orkanstärke. Ganz so heftig fiel der Sturm nicht aus. Die Feuerwehr rückte 17 Mal aus.

Orkantief „Sabine“ wütete auch über Wermelskirchen, sorgte angesichts teils heftiger Geräusche für Gänsehautmomente in der Nacht. Aber so stark wie von Metereologen angekündigt, waren die Windgeschwindigkeiten hier offenbar nicht. „Wir haben Schwein gehabt“, bilanzierte Feuerwehr-Einsatzleiter Ingo Mueller am Montagvormittag. Menschen wurden nicht verletzt, auch Gebäudeschäden blieben aus. Das bestätigt auch die Stadt. Bis zu diesem Zeitpunkt verzeichnete die Feuerwehr Wermelskirchen elf Einsätze, bis zum Abend kamen noch sechs hinzu.

Der erste Alarm ging am Sonntag um 16.02 Uhr in der Leitstelle in Bergisch Gladbach ein. An der L 409 war eine große Buche an der Wurzel abgeschert und hatte sich in einem anderen Baum verfangen. Die Einsatzkräfte informierten den Straßenbauträger, weil ein Zerteilen des Baumes mit Kettensägen in dieser heiklen Situation für sie zu gefährlich gewesen wäre. Straßen.NRW sperrte die Straße aus Sicherheitsgründen ab.

Im Gymnasium ruhte der Schulbetrieb. Auf der Stockhauser Straße lagen viele kleinere Äste auf der Fahrbahn. Foto: Solveig Pudelski

„Unsere Aufgabe ist es zwar, die Infrastruktur aufrecht zu erhalten, hier aber war der Gefährdungsgrad für unsere Leute zu hoch, unsere Gerätschaften reichten nicht aus“, erklärte Mueller. Es rückte eine von Straßen.NRW beauftragte Fachfirma an, die die Buche mittels eines Harvesters zerlegte. Diese Holzerntemaschine fällt Bäume automatisiert und zerteilt sie an Ort und Stelle. Nach drei Stunden, um 20.45 Uhr, konnte die Verbindungsstraße zwischen Preyersmühle und Innenstadt wieder geöffnet werden.

Sturm "Sabine" hat für viel Dreck auf der Mozartstraße gestört: Die riesigen Tannen wurden durchlüftet, Nadeln, Tannenzapfen und kleine Äste liegen auf der Straße. Foto: Udo Teifel

Auch in Nähe des Guts Luchtenberg in Richtung Schöllerhof hingen am Montagnachmittag umgestürzte Bäume ineinander. Über die Drehleiter näherten sich die Feuerwehrleute dem Astwerk und zerteilten es mit Kettensägen. Gegen Mitternacht löste der Einsatzleiter die Bereitschaft auf, die Feuerwehrleute wurden nach Hause geschickt.

Am Montagmorgen folgten weitere kleinere sturmbedingte Einsätze. Nach Tente, Dabringhausen und zur Kenkhauser Straße rückten die Feuerwehrleute zur Gefahrenbeseitigung aus: Sie entfernten abgeknickte Äste. In Sondern war ein Baum in eine Oberlandleitung gestürzt, der Leitungsbetreiber wurde kurz nach neun Uhr informiert, der Strom vorsorglich vorübergehend abgeschaltet. Am Nachmittag musste die Wehr nochmals in Richtung Schöllerhof ausrücken, um umgestürzte Bäume, die sich in anderen verfangen hatten, zu entfernen.

Auf die Sturmnacht hatte sich die Feuerwehr gut vorbereitet. „Wir haben alle Zug- und Gruppenführer als Vorwarnung informiert. Wenn die Leitstelle des Rheinisch-Bergischen Kreises die Alarmbereitschaft anordnet, werden alle Meldeköpfe in den Kommunen des Kreises besetzt. Ebenso die örtlichen Gerätehäuser“, hatte Ingo Mueller am Samstag angekündigt. Die Besetzung der sogenannten Meldeköpfe bedeutet, dass Führungskräfte der jeweiligen kommunalen Feuerwehren ihre Hauptwache besetzen, um dann später selbst die Einsätze zu disponieren. 105 Leute waren schließlich in Bereitschaft, alle Gerätehäuser wurden mit haupt- und ehrenamtlichen Kräften besetzt.

Weil unklar war, ob Finkenholl gesperrt werden würde, verlegte die Feuerwehr in Absprache mit der Kreisleitstelle einen Rettungswagen nach Dabringhausen. Die Einsatzkräfte konnten im Seniorenpark Carpe Diem übernachten.

Im Vorfeld erhalten alle Führungskräfte in solchen Situationen spezielle Sicherheitshinweise. „Es geht darum, nochmals die Sinne zu schärfen“, sagte Mueller. Alle verfügbaren Motorsägen checkten die Feuerwehrleute und befüllten sie mit Betriebsmittel – es war in der Sturmnacht das wichtigste Gerät. Statt der üblichen Feuerwehrhosen trugen die Einsatzkräfte Schnittschutzhosen.

Ingo Mueller appelliert an die Bürger, in den nächsten Tagen nicht in den Wald zu gehen. Auch Revierförster Stefan Springer rät vom Waldbesuch ab. Erst gegen Mittag konnte er sich am Montag einen ersten Überblick über Sturmschäden im Wald machen, zuvor war es aufgrund heftiger Böen noch zu gefährlich. Nach seiner Ersteinschätzung blieb der Forst von schweren Sturmschäden à la Kyrill verschont, „es sind wohl nur Einzelbäume in Randlagen umgestürzt“, so Springer. „Ich bin erleichtert. Wie es derzeit scheint, ist es nicht so schlimm gewesen wie anfangs vermutet.“

Die Notbetreuung in den Kitas war am Montag gewährleistet, sagt Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, auf Nachfrage dieser Redaktion. Beschwerden von Eltern, die ihr Kind nicht betreut wussten, seien ihm nicht bekannt. Wie berichtet, hatte Bürgermeister Rainer Bleek Kitas und Schulen für Montag schließen lassen. Daher gab es auch kein Betreuungsangebot in den Offenen Ganztagsgrundschulen. „Es war die richtige Entscheidung, denn zwischen 8 und 8.30 Uhr gab es nochmals heftige Sturmböen“, berichtete Thomas  Marner.

Er appelliert an die Bürger, Friedhöfe, Spiel- und Sportplätze bis Mittwoch aus Sicherheitsgründen nicht zu betreten. Die Stadtverwaltung werde die Standsicherheit bestimmter städtischer Bäume genauer untersuchen.