Wermelskirchen: Steinco leitet nächste Schritte im Sanierungsverfahren ein

Insolvenzverfahren ist eröffnet: Steinco leitet nächste Sanierungsschritte ein

Das Insolvenzverfahren wurde eröffnet. Experten unterstützen den Prozess. Dreherei ist defizitär. Geschäftsführung sucht auch Investoren.

Es geht weiter im Sanierungsprozess bei der Wermelskirchener Firma Steinco: Das Amtsgericht Köln hat nach einem vorläufigen Verfahren zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen am 1. November planmäßig das Insolvenzverfahren über das Vermögen der Steinco Paul vom Stein GmbH in Wermelskirchen eröffnet.

In der Firma Steinco läuft ein Sanierungsverfahren. Mitarbeiter werden darüber informiert. ⇥Foto: Michael Schütz (Archiv) Foto: Schütz/Schütz, Michael (msch)

Das Verfahren wird weiterhin in der Eigenverwaltung durchgeführt. Damit erreicht die Neuausrichtung des Unternehmens einen wesentlichen Meilenstein, teilte das Unternehmen mit. Weitere Fortschritte erfolgen nun auf Basis eines umfangreichen Sanierungskonzeptes, das die Geschäftsführung mit der Wirtschaftsberatung Buchalik Brömmekamp aus Düsseldorf derzeit entwickelt. Der laufende Geschäftsbetrieb werde auch nach Eröffnung des Verfahrens unverändert fortgeführt. Die Belegschaft werde in Betriebsversammlungen informiert.

„Mit der Eigenverwaltung verfolgen wir das Ziel, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren und wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. Die Kunden haben uns in vielen Gesprächen zugesichert, dass sie diesen Sanierungsweg mit uns gehen werden“, erklärt die Geschäftsführung von Steinco. Die wesentlichen Sanierungsansätze liegen in der Optimierung und der Anpassung der Produktion in den Bereichen, in denen die Umsätze seit mehreren Jahren rückläufig sind. Insbesondere die derzeitige Krise im Automobilbereich schlägt auf die Aufträge bei Steinco durch. „Defizitär ist der Bereich Dreherei. Hier verhandeln wir mit Kunden über höhere Preise. Seit Jahren konnten wir keine Preiserhöhung durchsetzen“, sagte Ralf Goss, Technischer Leiter bei Steinco. 60 Mitarbeiter sind in diesem Zweig beschäftigt.

Die IG Metall berät derzeit den Betriebsrat und empfiehlt ihm einen juristischen Beistand, sagte Marko Röhrig, Erster Bevollmächtigter der IGM. In dem Betrieb seien viele Gewerkschaftsmitglieder beschäftigt. „Es besteht in der Belegschaft in dieser Situation verständlicherweise eine gewisse Verunsicherung. Positiv ist, das die Geschäftsleitung einen ehrlichen und offenen Umgang mit dem Betriebsrat pflegt“, sagt Röhrig. Er gehe davon aus, dass es im Zuge der Sanierung einen Stellenabbau geben wird – eine Vermutung, konkrete Signale gebe es nicht, räumte Röhrig im Gespräch mit dieser Zeitung ein.

  • Antrag auf Eigenverwaltungsverfahren beim Amtsgericht Köln : Sanierungsverfahren bei Steinco

Bereiche, die schwarze Zahlen schreiben, sollen dagegen noch profitabler und effizienter aufgestellt werden. „Auf diese Situation werden wir innerhalb des Sanierungskonzeptes reagieren. So prüfen wir derzeit auch einen M&A-Prozess für den defizitären Bereich“, so die Steinco-Geschäftsführung weiter. Das heißt, dass mit Investoren gesprochen und verhandelt werde.

Steinco hatte Ende August dieses Jahres beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf ein Eigenverwaltungsverfahren gestellt. „Unsere Kunden und Lieferanten sind an Bord geblieben und unterstützen den von uns beschrittenen Weg. Die Produktion und den Geschäftsbetrieb konnten wir deshalb seit Antragstellung fortführen“, erklärt Sanierungsexperte Volker Schreck, der die Geschäftsführung während des Eigenverwaltungsverfahrens ergänzt. Schreck kommt von Buchalik Brömmekamp. Die Wirtschaftskanzlei berät den Produzenten zudem in rechtlichen Belangen des Eigenverwaltungsverfahrens und führt die betriebswirtschaftliche sowie operative Restrukturierung durch.

Mit der Eigenverwaltung nutzt Steinco die neuen Möglichkeiten der Insolvenzrechtsreform, die im März 2012 in Kraft trat. Danach bleibt die Geschäftsführung in einem solchen Verfahren unter Insolvenzschutz weiterhin im Amt und kann selbstständig Sanierungsmaßnahmen entwickeln, die anschließend in einen Insolvenzplan überführt werden. Der Insolvenzplan zeigt die Entschuldung und Fortführung des Unternehmens auf. Nach einer gerichtlichen Überprüfung müssen sodann die beteiligten Gläubiger diesem Plan noch zustimmen. Die Geschäftsführung steht während des Verfahrens lediglich unter der Aufsicht eines sogenannten Sachwalters. Zum Sachwalter wurde Dr. Andreas Ringstmeier bestellt. Dr. Ringstmeier war bereits als vorläufiger Sachwalter tätig.

Steinco stellt Rollen, Räder, Drehteile und Schnellverschlusskupplungen für die Automobil- und Gesundheitsbranche her. Das Traditionsunternehmen beschäftigt rund 280 Mitarbeiter in den insgesamt vier Werken, drei davon in Wermelskirchen und eines in Dautphetal/Hessen.

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