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Wermelskirchen: Stehende Ovationen für Projekt "Theater zum Einsteigen"

"Theater zum Einsteigen" in Wermelskirchen : Stehende Ovationen für Theaterprojekt

Das „Theater zum Einsteigen“ machte Station in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Dabringhausen. Das Publikum war eingeladen, sich auf das besondere Stück einzulassen und sich selbst und die eigenen Lebensfragen einzubringen.

(resa) Wer einen heiteren Theaternachmittag mit Laienschauspiel erwartet hatte, der irrte. Am Sonntag ging es im GZD ans Eingemachte. Die Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde hatte Ewald Landgraf mit seinem „Theater zum Einsteigen“ eingeladen.

Die Corona-Pandemie hatte dem Pastor und seinem Projekt in den vergangenen Monaten zugesetzt. Umso wichtiger war es der Gemeinde, den Schauspielern wieder eine Bühne zu bieten. Gleich zweimal stand das Stück „Im Nebel so nah“ auf dem Programm, das Landgraf in den vergangenen Monaten geschrieben und dabei auch die Abstandsregelungen für die Bühne bedacht hatte. So stand im Mittelpunkt des Stückes einer, der Abstand suchte und Nähe vermied, der Umarmungen ablehnte und sich das Telefon über den Boden zuschieben ließ. Abstand garantiert.

Das Publikum war unterdessen eingeladen, sich auf das besondere Stück einzulassen und sich selbst und die eigenen Lebensfragen einzubringen. „Wir wollen Gottes Wort auf diese Weise in die Welt tragen“, erklärte Landgraf nach dem Stück. Fürs erste allerdings sah sich das Publikum vielen Fragen ausgesetzt, die sich erst in der letzten Minute auflösen sollten.

Die Strategie ging auf: Anderthalb Stunden lang rätselte das Publikum mit – über das Schicksal von Familie Sieder. Die findet sich auf dem Weg zum Besuch bei Tante Anja in einem Hotelzimmer wieder – ohne Erinnerungen und auf der dringenden Suche nach Tochter Svenja, die wie vom Erdboden verschwunden ist. Während die Familie noch rätselt, tauchen graue Gestalten auf, die der Familie und dem Publikum schnell klarmachen, dass es sich weder um ein Hotel noch um einen harmlosen Tanten-Besuch handelt.

Es folgen verwirrende Begegnungen – zum Beispiel mit Zimmernachbar Carlo, der mit seinem Temperament dann doch noch für ein bisschen Heiterkeit sorgt. Unversehens befinden sich die Schauspieler plötzlich in einem Gespräch über Glaube, Gott und Religion. Dabei gerät die Hauptrolle, Pastor Kai Sieder, in den Blick: Ein gottgefälliges Leben schütze den Menschen vor Schicksalsschlägen, ist er sicher. Mit jeder verwirrenden Begegnung bekommt dieses Gottesbild Risse: Gott wolle trösten und Gnade schenken, in dunklen Zeiten begleiten und stärken, rufen ihm die anderen zu. Die Stimmung ist bedrückend, die Musik verstärkt das noch.

Die Auflösung bahnt sich an: Am Ende erst erfährt der Zuschauer, dass das Hotel eigentlich eine Klinik ist, Kai Sieder seine Familie verloren und eine Parallelwelt erschaffen hat. Trotzdem wird das Stück eine Geschichte über Heilung und Vertrauen, über Gottesliebe und Trost. Das Publikum applaudiert und bedankt sich mit stehenden Ovationen.