Wermelskirchen: Stadtdirektor Siegfried Störtte (89) gestorben

Nachruf zum Tod des ehemaligen Stadtdirektors Siegfried Störtte in Wermelskirchen : Den Einsatz für die Heimatstadt als eine Verpflichtung gesehen

Siegfried Störtte begann 1947 als Auszubildender und ging 1994 als Stadtdirektor in den Ruhestand. Jetzt ist er, 89-jährig, in seiner Stadt, mit der er eng verbunden war, gestorben.

Als er am Tag seines 65. Geburtstags 1994 im großen Ratssaal von mehr als 250 geladenen Gästen verabschiedet wurde, war es endgültig: Eine Epoche ging zu Ende. 47 Jahre war Siegfried Störtte in der Verwaltung beschäftigt, hatte als Lehrling 1947 begonnen und ging als Stadtdirektor. Doch sein Wirken in dieser Stadt war damit nicht vorbei: Der Ehrenring-Träger war auch später präsent, zum Beispiel im Freundeskreis Haus Vogelsang, wo er 18 Jahre als Vorsitzender bis 2013 die Geschicke lenkte. Zuletzt schrieb er seine Lebenserinnerungen auf, damit seine Kinder und sechs Enkelkinder erfahren, was seine Generation erlebte. Vergangene Woche ist Siegfried Störtte gestorben.

Als 17-Jähriger begann für Störtte mit der Ausbildung zum Dienstanwärter für den gehobenen Verwaltungsdienst eine ungewöhnliche Beamtenlaufbahn. Die beendete den Traum vom Lokomotivführer. Herangewachsen war er im Spannungsfeld zwischen christlicher Erziehung und den Nationalsozialisten; im März 1945 wurde er noch zu einem Panzerkommando einberufen. Am letzten Tag des Krieges geriet er in Gefangenschaft. Am Geburtstag seiner Mutter im September 1945 kam er wieder nach Hause. Sein langjähriger Weggefährte, Ehrenbürger Heinz Voetmann, würdigte Störtte beim Abschied: „Es war seine Grundeinstellung, die ihn in all den Jahren begleitet hat: keine Resignation und keine Angst vor der Zukunft.“ Er sei immer voller Hoffnung gewesen. Das seien auch die hervorstechenden Merkmale seiner Persönlichkeit in all den Jahren seines Wirken gewesen.

Störtte lernte im Wermelskirchener Rat alle Fachbereiche und Ämter kennen, besuchte Lehrgänge sowie die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Zehn Jahre war er Kämmerer, 1976 wurde er zum Stadtdirektor gewählt. Zwei Punkte haben ihn in seinem beruflichen Leben immer begleitet: Sein christlicher Glaube und der Stolz, als „Dellmann“ an der Entwicklung der Stadt maßgebend mitgearbeitet zu haben. Dennoch sei Störtte, so würdigte ihn Heinz Voetmann, „immer bescheiden geblieben“.

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Für ihn war der Ruhestand dann aber mehr ein Unruhestand. Als ortsverwurzelter Wermelskirchener war er in der evangelischen Kirche aktiv, wo er als Rentner in die Arbeit am Leitbild Kirche mit einstieg und dessen Umsetzung in die Praxis er mit überwachte. Störtte war seit der Gründung des Bauvereins in dessen Vorstand ebenso wie in der Altenzentrum GmbH, im Kuratorium Haus Vogelsang sowie als Vorsitzender des Förderkreises aktiv.

Störtte war auch ein Familienmensch: Gemeinsame Urlaube mit Kindern und Enkeln gehörten dazu. So waren sie schon mal mit drei Wohnwagen unterwegs.

Der Trauergottesdienst findet heute, Montag, 13 Uhr, in der Stadtkirche am Markt statt. Anschließend ist die Beerdigung.

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