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Wermelskirchen: Stadtbücherei wird zur Gitarrenschule

Workshop in Wermelskirchen : Stadtbücherei wird zur Gitarrenschule

Zum Gitarrenworkshop von Dr. Udo Zilkens waren gut 20 Interessierte gekommen. Sie wollten die „JelGi“-Methode erlernen, mit der man mit nur einem Griff viele Lieder begleiten kann.

Mit Musik geht alles leichter – wenn es nicht nur so schwierig wäre, ein Instrument zu erlernen. Dabei muss das nicht so sein. Und gerade in der Arbeit mit Kindern oder Senioren reichen Grundkenntnisse am Instrument völlig aus, um ganz viele bekannte Lieder begleiten zu können. Eine Methode, wie diese Grundkenntnisse sich noch auf einen einzigen Griff reduzieren, hat der Düsseldorfer  Musikpädagoge Dr. Udo Zilkens entwickelt.

„JelGi“ heißt der Verein, den er 2010 gegründet hat und der es sich zum Ziel gesetzt hat, zum einen den Betreuern das Begleiten von bekannten Liedern auf der Gitarre zu ermöglichen. Außerdem sollen Menschen, die auf traditionelle Weise nicht Gitarre spielen könnten, auch dazu in der Lage sein. Mit seinem Gitarrenworkshop war der Düsseldorfer nun auch in der Stadtbücherei Wermelskirchen zu Gast. Hauptzielgruppe seien jene, die mit Kindern in Kindertagesstätten arbeiteten, sagte Zilkens, ergänzte aber direkt: „Daraus ist das Projekt entstanden, aber natürlich ist es offen für alle. Das Prinzip ist, dass die Gitarre eine sogenannte offene Stimmung bekommt, mit der dann alle Saiten leer angeschlagen werden können und ein C-Dur-Akkord erklingt.“

Das habe den riesigen Vorteil, dass auch kleine Kinder oder Senioren einfach die Saiten anschlagen könnten und sofort ein sauberer Akkord erklinge. „Außerdem kann man dann einfach mit einem Griff quer über die sechs Saiten alle weiteren Akkorde anschlagen“, sagte der Kursleiter. Es würde somit das aufwändige Erlernen der Akkorde entfallen. Wie das in der Praxis aussehen könnte, zeigte Zilkens gleich im Anschluss, nachdem er die Gitarren kurz entsprechend gestimmt hatte. Er zeigte den Workshop-Teilnehmern noch kurz, wie man die Gitarre richtig anschlug – und schon konnte es mit dem alten Kinderlied „Bruder Jakob“ losgehen.

„Es gibt unendliche viele Anschlagmöglichkeiten, man kann die Saiten auch einzeln zupfen. Aber für den Anfang reichen diese zwei: Einmal mit der weichen Daumenkuppe oder mit dem harten Zeigefingernagel“, sagte Zilkens. Die Teilnehmer probierten es eifrig aus und bemerkten den unterschiedlichen Klang sofort. Zilkens selbst eilte hin und her, überprüfte die Stimmung, die Haltung der Gitarre und den Anschlag. Dann sei es soweit, er wolle mit den Teilnehmern jetzt ein Lied mit zwei Akkorden spielen, sagte Zilkens. „Ich komme ja aus Düsseldorf, da gibt es auch eine ganz erfolgreiche Band“, sagte er lächelnd.

Und nur wenige Augenblicke später hallte es durch die ansonsten eher stille Stadtbücherei: „Eisgekühlter Bommerlunder, Bommerlunder eisgekühlt…“ Die Gruppe war zweigeteilt, die linke Hälfte spielte den einen Akkord, die rechte den anderen. Und das klappte auch schon ganz gut, was auch an den zufriedenen Gesichtern der Teilnehmer abzulesen war.

Das Konzept, so viel war klar, kam an. Etwa bei Ela Ludwig, die gerade erst eine Ü3-Kita in der Stadt eröffnet hatte. „Ich habe keinerlei Vorerfahrungen, aber ich möchte den Kindern eben auch Musik vorspielen. Ich finde das Konzept prima, weil man eben keinerlei Vorerfahrung braucht“, sagte sie. Christina Behr hatte hingegen schon ein wenig Erfahrung an der Gitarre, aber sie wolle das Instrument noch ein wenig besser lernen. „Ich brauche das auch beruflich, ich arbeite mit Kindern“, sagte sie. Neben den technischen Kenntnissen im Gitarrenspiel, erzählte Zilkens auch noch einiges über die pädagogische Herangehensweise: „Es gibt so viele Möglichkeiten, um Musik unterzubringen. Seien es ganz normale Kinder- oder Volkslieder. Oder kleine Erzähltheater, die man mit der Gitarre zu Mini-Musicals erweitert.“

Büchereileiterin Kathrin Ludwig war sehr zufrieden. „Herr Zilkens ist auf uns zugekommen, und ich fand, dass sein Angebot sehr gut in unser Konzept der Bücherei als öffentlicher Ort passte.“