Wermelskirchen: Stadt will mit Arbeitsgruppe die Grünpflege neu aufstellen

Aus Spargründen wurde die Pflege stellenweise vernachlässigt : Mehr bunte Beete für die Stadt

Die Verwaltung regte in der Umweltausschuss-Sitzung  eine Arbeitsgruppe an: Fraktionsvertreter und Betriebshof-Akteure sollen die Stoßrichtung für die Grünflächenpflege festlegen. 16.000 Beete sind bereits erfasst.

Dieser Vorstoß überraschte die Mitglieder des Ausschusses für Umwelt und Bau: Die Stadtverwaltung will eine Arbeitsgruppe einrichten, die sich mit dem Thema Grünflächenpflege und -kataster beschäftigen soll. „Das soll keine dauerhafte Einrichtung werden, das Team soll Anfang des kommenden Jahres zwei Mal tagen. Jede Fraktion im Stadtrat soll einen Vertreter entsenden“, erläuterte Tiefbauamtsleiter Harald Drescher den Rahmen.

Thomas Marner, Technischer Beigeordneter, beschrieb das Ziel der Arbeitsgruppe: „Wir möchten die Meinungen und Wünsche aus der Politik zum Grünpflegekonzept hören, damit wir wissen, in welche Richtung wir arbeiten sollen.“ Natürlich müsse ein solches Konzept letztlich vom Stadtrat gebilligt werden. Der Ausschuss nickte das Vorhaben der Stadtverwaltung ab, die Fraktionsvertreter erklärten sich zur Mitwirkung bereit.

Der Hintergrund der Verfahrensweise stecke im immensen Zeitaufwand zur Fertigung eines Grünflächenkatasters, niemand wolle Zeit investieren, die dann letztlich unter Umständen für „die Katz' ist“. Die Vertreter der Stadtverwaltung stellten unumwunden fest, dass die städtischen Grünflächen nicht unbedingt ein schönes Bild abgeben. „Einst wurde unter finanziellen Aspekten reduziert. Der Zustand ist nicht zufriedenstellend. Wir wollen verbessern“, sagte Harald Drescher.

Der Leiter des städtischen Betriebhofs, Volker Niemz, beschrieb, dass der Teufel im Detail stecke. Manche Beete seien derart vernachlässigt, dass sie nicht ohne weiteres wieder „schön zu machen“ seien: „Das nahm zur Jahrtausend-Wende seinen Anfang. Da musste erstmals gespart werden. Es fiel die Entscheidung, nur noch vier Mal jährlich Unkraut zu hacken, wie es damals hieß. Das war der Tod unserer Beete.“ Niemz sprach indirekt das „liebe Geld“ an: „Über normale Ausschreibungen kommen wir auf den Stand, den wir jetzt haben. Was wir als normale Beete bezeichnen würden, kriegen wir so nicht hin.“

Der Betriebshof-Chef nannte ein positives Beispiel, um die Crux aufzuzeigen: „Die Beete im Neubaugebiet 'Eifgenblick' sind gut. Dort wurde der Unternehmer von uns mit der Einrichtung und der weiteren Pflege der Beete beauftragt. Der hat ein Interesse daran, uns bei Auslaufen des Vertrages etwas Tolles zu übergeben.“ Somit wären Ausschreibung und Ergebnis messbar.

Beispielhaft führte Volker Niemz gemeinsam mit Elke Schütte, die seit September 2017 beim Betriebshof für das Grünflächenmanagement zuständig ist, die erste Ergebnisse eines Katasters an. Demnach sind die 16.000 Beete des sogenannten Straßenbegleitgrüns inzwischen erfasst. Zu den Daten zählen Größe und Bewuchs sowie Prioritäten für die Unterhaltung nebst zu erbringendem Leistungsverzeichnis als Grundlage für Ausschreibungen („Pflegestufen“). Letztere müssten jedoch die Politik festlegen. „Noch nicht erfasst haben wir Grünflächen an öffentlichen Gebäuden, in Parkanlagen oder auf Spiel- und Sportplätzen“, betonte Volker Niemz: „Da kann man nicht einfach einen Zollstock drüber werfen. Das ist alles verwinkelt, zum Beispiel Wege müssen herausgerechnet werden.“

Damit nicht genug des Aufwands: Gerade im Sommer habe Elke Schütte 75 Prozent ihrer Arbeitszeit mit der Kontrolle von beauftragten Firmen verbracht. „Da steckt viel Arbeit drin. Darüber werden wir noch ein bisschen älter“, kommentierte Volker Niemz.

Als Ausschuss-Mitglied und Vorsitzender des Wermelskirchener Verkehrs- und Verschönerungsvereins treibt Manfred Schmitz-Mohr (Bürgerforum) besonders die Grünflächenpflege in der Innenstadt um: „Die Bereiche wie die Bürgerhäuser müssen tip-top sein. Wir brauchen einen Grundstock und dazu ist die Arbeitsgruppe ein Anfang.“

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