Wermelskirchen: Stadt sucht bezahlbaren Wohnraum für Flüchtlinge

In Wermelskirchen fehlen Sozialwohnungen : Stadt sucht Wohnraum für Flüchtlinge

Wenn das ehemalige Polizeigebäude als Unterkunft aufgegeben wird, fehlen 40 Plätze für Asylbewerber.

Wohnraum wird gesucht. Noch dient das ehemalige Polizeigebäude neben dem Bürgerzentrum zwar als Flüchtlingsunterkunft, doch mittelfristig soll es für andere Zwecke genutzt werden. Die Stadt muss also Ersatz finden, bevor das Gebäude umgebaut wird, um Asylbewerbern eine Bleibe bieten zu können.

Diese 40 Plätze sind voll belegt, berichtet Tanja Dehnen, Leiterin des Amtes für Soziales und Inklusion. Wer es nutzen wird, werde derzeit im Rahmen des Integrierten Entwicklungs- und Handlungskonzeptes diskutiert, erinnert Stefan Görnert, Erster Beigeordneter, an die laufenden Diskussionen und Workshops zu diesem Förderprogramm. Bis Jahresende soll klar sein, was aus dieser und anderen Liegenschaften wird.

Die große Flüchtlingswelle, die 2015 und 2016 über Europa rollte, ist zwar abgeebbt, aber die Bezirksregierung Arnsberg weist Wermelskirchen nach wie vor Flüchtlinge zu. „Die Zuweisungen haben sich auf einem hohen Niveau stabilisiert“, zieht Görnert Bilanz. Zurzeit erfülle Wermelskirchen die Quote bei Flüchtlingen mit Wohnsitzauflage, also anerkannte Flüchtlinge, zu 97,72 Prozent, neun Menschen müssten noch aufgenommen werden; die Quote für Asylbewerber nach dem Flüchtlingsaufnahmegesetz ist zu 84,98 Prozent erfüllt, 24 Menschen müssten noch aufgenommen werden, so Dehnen.

Die Maßgabe für die Unterbringung der zugewiesenen Flüchtlinge war immer eine dezentrale Unterbringung, um sozialen Spannungen vorzubeugen. Auf 40 Standorte in der Stadt sind die Flüchtlinge nach Angaben von Tanja Dehnen verteilt. Das seien Unterkünfte aller Art – von der kleinen Mietwohnung über Häuser bis hin zu Übergangsheimen. Größere Unterkünfte liegen an der Beltener, Bach-, Remscheider und Dabringhauser Straße.

Die Stadt streckt permanent die Fühler aus, um die Flüchtlingsunterbringung zu sichern. Die Aufnahme der Menschen ist eine Pflichtaufgabe, die die Kommunen zu erfüllen haben. „Wir versuchen, auf dem Wohnungsmarkt bezahlbaren Wohnraum zu finden – und somit Vermieter, die Flüchtlinge als Mieter akzeptieren“, sagt Görnert. Das gestalte sich schwieriger, als viele in einer Kleinstadt wie Wermelskirchen vermuten mögen. Es gibt zwar freie Wohnungen, doch die Preise seien teilweise überraschend hoch.

Der zweite Weg sei die Schaffung neuen Wohnraums, sprich der Bau von Sozialwohnungen – nicht nur für Flüchtlinge. Görnert: „Wir müssen grundsätzlich schauen, wo es noch potenzielle Flächen für Wohnungsbau gibt.“ An der Thomas-Mann-Straße wurden in einem Anbau zwei Wohnungen für Flüchtlinge geschaffen, nächstes Jahr sollen am Wiesenweg fünf Wohnungen für Flüchtlinge bezugsfertig sein. Zum Bauverein-Projekt Bähringhausen gab es keine Auskunft.

Die Stadtverwaltung sei froh um jedes Mietwohnungsangebot, das sich preislich auf einem angemessenen Niveau bewegt – und sie ist froh über die Unterstützung der Ehrenamtlichen des Waschcafés, die sich auch um Wohnungsvermittlung kümmern. Görnert lobt: „Wir haben hier eine sehr gute Willkommensintiative.“ Ein Kapitel aus der Vergangenheit solle sich nicht wiederholen: eine Unterbringung in Turnhallen, zu der die Stadt in Zeiten des großen Flüchtlingszustroms als ad-hoc-Lösung gezwungen war.

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