Wermelskirchen: Stadt schneidet bei Fahrradklima-Test des ADFC schlecht ab

Schlusslicht Wermelskirchen : Die Stadt schneidet bei Fahrrad-Test des ADFC schlecht ab – mal wieder

Mit der Rad-Region Bergisches Land und der Balkantrasse wird gerne geworben. Doch beim Fahrradklima-Test des ADFC schneidet Wermelskirchen erneut schlecht ab. Am meisten sind Radfahrer von den Einbahnstraßen genervt.

So fahrradfreundlich wie in Amsterdam, Münster oder Kopenhagen geht es in Wermelskirchen nicht zu – das wissen alle, die hier auf dem Stahlross unterwegs sind. Aber dass die Kleinstadt trotz Balkantrasse, Fahrradboxen, Fahrrad-Bus und Fahrradspuren in der Innenstadt so schlecht abschneidet wie in dem ADFC-Fahrradklima-Test, ist überraschend: Mit der Note 4,2 gehört Wermelskirchen zu den traurigen Schlusslichtern. Zu dem Urteil kommt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club nach einer Umfrage von Bürgern. Der Nachholbedarf erscheint also groß, bis das Rad wirklich eine Alternative zum Auto als Verkehrsmittel wird.

Der ADFC-Fahrradklima-Test beleuchtet, wie es um die Fahrradfreundlichkeit in Deutschlands Städten und Gemeinden bestellt ist. Wo Städte beim Radklima punkten können und wo nachgebessert werden muss, konnten Radfahrende in der Umfrage beurteilen. Die Alltagserfahrungen der Menschen geben den politisch Verantwortlichen lebensnahe Rückmeldungen, so der ADFC.

Von den 311 vergleichbaren Städten, die der Test berücksichtigt, liegt Wermelskirchen auf Platz 247. „In der Gruppe der kleineren und kleinsten Städte sind zwangsläufig nur die fahrradaktiveren Städte dabei. Allein schon die Tatsache, dass die Mindestteilnehmerzahl überschritten wurde, zeigt im Vergleich zu den wahrscheinlich wirklichen Schlusslichtern, dass ein Grundinteresse am Radverkehr besteht“, sagt Thomas Böhmer, Studienleiter beim ADFC Fahrradklima-Test.

Insgesamt 118 Bürger haben sich an der Umfrage beteiligt. Im Vergleich zum Test 2016 gibt es keine Veränderung. Im Städtevergleich fällt positiv auf, dass es hier kaum Fahrraddiebstähle gibt (Note: 2,5), die Radwege als eben und glatt bezeichnet werden (Note: 3,7) und dass Werbung fürs Radfahren gemacht wird. Negativ beurteilen die Befragten, dass nur wenige Einbahnstraßen für Radfahrer geöffnet sind: Dafür gab’s die Note 5,3. Zum Vergleich: Der Durchschnitt liegt bei 3,2. Erinnert sei an die Diskussion über den gegenläufigen Radverkehr auf der Telegrafenstraße. Außerdem sei das Stadtzentrum schlecht erreichbar. Unverändert schlecht wird der Stellenwert des Radfahrens in Wermelskirchen beurteilt: Die Note 4,9 gibt es für die Ampelschaltung für Radfahrer, Winterdienst auf Radwegen und die Falschparkerkontrolle auf Radwegen (4,9). Die Fahrradförderung habe sich sogar verschlechtert, urteilen die Teilnehmer.

Leicht verbessert hat sich unter dem Punkt „Komfort beim Radfahren“ die Möglichkeit, das Rad im Bus mitzunehmen (Note: 4,1, vorher: 4,3). Aber die Breite der Radwege und die Führung an Baustellen erhalten auf der sechsstufigen Skala auch nur eine „vier minus“. Nicht zum Besten steht es außerdem um die Akzeptanz der Radfahrer als Verkehrsteilnehmer: Note 4,3, der Durschnitt liegt bei 3,8. Es wundert nicht, dass die Pedalritter das Sicherheitsgefühl mit der Note 4,5 bewerten und Konflikte mit anderen Fahrzeugen ebenso schlecht bewerten.

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