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Wermelskirchen: Staatsanwaltschaft muss weiter ermitteln, Verhandlung vertagt

Amtsgericht Wermelskirchen : Gerichtsprozess mit Hindernissen

Dem Wermelskirchener wird vorgeworfen, Waren im Gesamtwert von rund 2200 Euro über Online-Plattformen verkauft, aber nicht verschickt zu haben.

Die Verhandlung gegen einen 27-Jährigen aus Wermelskirchen stand unter keinem guten Stern. Gerade als der Staatsanwalt die Anklageschrift gegen den jungen Mann vorlesen wollte, stellte er fest, dass der Angeklagte, der allein zum Verhandlungstermin gekommen war, unter laufender Bewährung stand. „Dann muss er von einem Pflichtverteidiger vertreten werden“, sagte der Staatsanwalt. Doch woher sollte der nun kommen? Da zahlte es sich aus, dass die Wege in Wermelskirchen recht kurz sind.

Ein kurzes Telefonat der Vorsitzenden Richterin und zehn Minuten später war ein Rechtsanwalt da. „Entschuldigen Sie bitte meine legere Kleidung, aber ich hatte heute eigentlich keine Termine“, sagte er schmunzelnd, während er sich die Robe überzog. Der Angeklagte hatte die ganze Prozedur eher irritiert verfolgt und ging dann zu einer kurzen Beratung mit seinem frischgebackenen Verteidiger vor die Tür des Gerichtssaals.

Vorgeworfen wird dem 27-Jährigen gewerbsmäßiger Betrug per Internet-Verkäufen. In der Zeit vom 13. Dezember 2018 bis 23. Oktober 2019 soll der Angeklagte hauptsächlich Computer-Zubehör – etwa Router, Grafikkarten oder Prozessoren – im Gesamtwert von rund 2200 Euro über Online-Plattformen verkauft haben, ohne die Ware verschickt zu haben. Das habe er wohl, sagte daraufhin der Rechtsanwalt, der auch direkt einige Versandbescheinigung der Post mitgebracht habe. Darauf sei allerdings nicht wirklich deutlich zu erkennen, was wann an wen verschickt worden sei. Außerdem gebe es für andere Artikel keine Bestätigungen mehr. „Mein Mandant beteuert, dass er alle Waren ordnungsgemäß versendet habe“, sagte der Anwalt. Die Pakete seien stets in der gleichen Filiale in Dabringhausen abgegeben worden. Da sich der Angeklagte nicht geständig zeigte, müsse das Gericht sowohl die Geschädigten als auch die Mitarbeiter der Postfiliale als Zeugen hören.

Diese konnten allerdings nicht so rasch ausfindig gemacht werden wie zuvor der Pflichtverteidiger. Der Fall geht zur weiteren Ermittlung zurück an die Staatsanwaltschaft – die Verhandlung wurde vertagt.