Wermelskirchen: Spezialisten für Leistenbrüche

Krankenhaus Wermelskirchen : Spezialist für Leistenbrüche

Das Krankenhaus in Wermelskirchen ist als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie zertifiziert worden. Davon sollen nun vor allem die Patienten profitieren. Es ist bereits die vierte Auszeichnung fürs Haus; die fünfte wird angestrebt.

Rund 400-mal diagnostizieren die Ärzte im Wermelskirchener Krankenhaus jährlich Hernien. Dann sind Eingeweide oder Weichteile, die an der Bauchwand gebrochen sind. Das können Leistenbrüche oder Zwerchfellbrüche, Nabelbrüche, Brüche an Operationsnarben oder an künstlichen Darmausgängen sein. „Die Operationen gehören bei uns zu den Top Fünf“, sagt Chefarzt Dr. Arif Yaksan. Und auch deutschlandweit gehören die Hernien-Operationen zu den häufigsten Eingriffen: Rund 350.000-mal operieren die Fachleute entsprechende Brüche jährlich.

„Umso wichtiger ist es uns, die Versorgungsqualität in der Hernienchirurgie weiter zu verbessern und uns diese Qualität auch bescheinigen zu lassen“, sagt Christian Madsen, Geschäftsführer des Wermelskirchener Krankenhauses. Deshalb hat die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie sich als Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie auszeichnen lassen. „Damit können wir bundesweit nun mithalten“, sagt Madsen.

Vorausgegangen waren der Zertifizierung ein aufwändiger Prozess: Denn um die Spezialisierung der Abteilung besiegeln lassen zu können, waren entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen notwendig. „Vor allem ging es aber darum, Standards zu schaffen“, sagt Dr. Yaksan. Und das bedeutet konkret: Ab sofort gibt es im Krankenhaus eine spezielle Sprechstunde für Patienten mit Hernien. Dabei ist entweder der Chefarzt selbst oder sein Stellvertreter anwesend. Einer von beiden muss dann auch die Operation vornehmen – das verlangen die Zertifizierungsvorgaben.

Auch auf die OP-Techniken nehmen die Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie und die Deutsche Herniengesellschaft Einfluss. „Uns wird empfohlen, minimalinvasiv zu operieren“, erklärt der Mediziner. Ein kleiner Schnitt reicht bei dieser Technik für gewöhnlich aus. Weichen die Ärzte auf ein anderes Verfahren aus, galt es während des Zertifizierungsprozesses, diese Entscheidungen zu erklären. Nach der Operation müssen die Ärzte künftig eine genaue Dokumentation verfassen: Welches Verfahren haben sie verwendet? Welche Materialien genutzt? Welche Komplikationen sind aufgetreten? Diese Daten werden dann anonymisiert einem bundesweiten Register zur Verfügung gestellt. „Das dient der Forschung“, erklärt Dr. Yaksal, „und damit dient es natürlich auch dem Patienten.“ Denn langfristig könne so untersucht werden, welche Methoden oder Materialien bei der Hernien-Operation besonders risikoarm und erfolgreich verwendet werden können. Ebenfalls neu: Ein Jahr nach der Operation bekommt der Patient Post vom Krankenhaus, um einen Termin zur Nachuntersuchung zu vereinbaren.

Die Zertifizierung, die nach einer erfolgreichen eintägigen Auditierung in der Klinik ausgestellt wurde, gilt für drei Jahre – danach kann sich die Abteilung für Allgemein- und Viszeralchirurgie um eine Rezertifizierung bemühen. Neben den neuen Abläufen müssen die Ärzte dann auch nachweisen, dass das Maß an Komplikationen nicht überschritten und mindestens 200 Hernien-Eingriffe vorgenommen wurden. „Das sollte aber kein Problem sein“, sagt der Arzt.

Mit dem Kompetenzzentrum für Hernienchirurgie erhält das Krankenhaus nach dem Traumazentrum, dem Endoprothetikzentrum und der Auszeichnung für das Qualitätsmanagement die vierte Zertifizierung. Das Darmkrebszentrum strebt das Siegel unterdessen noch an. „Diese Zertifikate machen deutlich, dass wir die Qualität an unserm Krankenhaus hochhalten und Spezialisierungen auch in kleineren Häusern möglich sind“, sagt Madsen. Aber er betont: Das Krankenhaus in Wermelskirchen biete eine Grund- und Regelversorgung an. „Wir werden weiterhin den ganze Mensch sehen“, verspricht Madsen.

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