Wermelskirchen: SPD-Fraktionsvorsitzender setzt auf Duo Borjans Esken

Wermelskirchener zur Stichwahl : SPD-Chef setzt auf Duo Borjans-Esken

Die Wahl ist eigentlich geheim, aber der SPD-Fraktionsvorsitzende Jochen Bilstein will keinen Hehl daraus machen, dass er Borjans und Esken am ehesten zutraut, dass sie die Perspektiven schaffen, die die SPD jetzt in diesen Zeiten brauche.

Gleich mit zwei Wahlergebnissen setzen sich auch die Wermelskirchener Sozialdemokraten auseinander: In den kommenden Wochen treten zwei Bewerber-Duos für den SPD-Vorsitz auf Bundesebene an, die nach der ersten Runde des Mitgliedervotums feststehen: Norbert Walter Borjans und Saskia Esken sowie Olaf Scholz und Klara Geywitz. Bis zum 29. November können die Mitglieder online abstimmen. Zum anderen steht die SPD vor einem erschütternden Wahlergebnis in Thüringen.

Die Wahl sei eigentlich geheim, aber der SPD-Fraktionsvorsitzende Jochen Bilstein will keinen Hehl daraus machen, dass er Borjans und Esken am ehesten zutraut, dass sie die Perspektiven schaffen, die die SPD jetzt in diesen Zeiten brauche. „Die beiden haben mehr Drive“, urteilt Bilstein. Sie seien nicht so belastet wie Olaf Scholz, der als Finanzminister für vieles mitverantwortlich sei – unter anderem dafür, dass es der SPD nicht gelungen sei, das, was sie in der Regierungszeit bisher erreicht hat, so „rüberzubringen“, dass die Wähler diese Leistungen auch würdigen. „Wir kommen einfach nicht durch mit dem, was wir durchgesetzt haben. Ich kann es mir nicht erklären“, sagt Bilstein.

Die beiden Spitzenpolitiker Borjans und Esken gelten zwar als Groko-Skeptiker. Jochen Bilstein geht aber davon aus, dass die Partei in nächster Zeit erst einmal klären müsse, wie sie es künftig mit einer großen Koalition halte. Auch wenn viele Menschen der Ära der großen Charismatiker Willy Brandt und Helmut Schmidt nachtrauern und dies in den Reihen der sozialdemokratischen Spitzenpolitiker vermissen, glaubt Jochen Bilstein nicht, dass unbedingt solche Menschen den SPD-Vorsitz übernehmen müssen. „Wir haben andere Zeiten, anderes Personal“, sagt er.

Aber unterm Strich wünschen sich viele Genossen einen Wechsel zu einer anderen SPD, eine Führungsriege, die das Profil der Partei so schärfe, dass die SPD vor einer „Marginalisierung“ gerettet werde. Vor Wahlergebnissen, wie sie die SPD jetzt bei der Landtagswahl in Thüringen eingefahren hat. Das Ergebnis von 8,2 Prozent ist für eine Volkspartei wahrlich marginal. „Die SPD war in den neuen Bundesländern immer eher schwach. Aber dies war eine Wahl der Extreme – zu Lasten der SPD, obwohl Wolfgang Tiefensee vorher gute Umfragewerte erzielt hatte“, sagt Bilstein.

Ob dieses Tief, in das die SPD gerutscht ist, auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr abfärbt? „Ich bin ganz optimistisch, dass das nicht so ist. Wir haben ja noch fast ein Jahr Zeit, um den Wahlkampf vorzubereiten. Die Kandidaten-Listen werden Anfang nächsten Jahres erstellt.