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Wermelskirchen: Sozialwohnungen für Rentner stehen leer

Wohnen in Wermelskirchen : Sozialwohnungen für Rentner stehen leer

In den Eifgenhäusern können Sozialwohnungen nicht vermietet werden. Viele Senioren erhalten keinen Wohnberechtigungsschein.

Wer vor einigen Jahren eine Wohnung in den Eifgenhäusern bekommen wollte, musste warten. Und zwar lange. "Eine Warteliste haben wir inzwischen nicht mehr, ganz im Gegenteil", sagt Barbara Döhler, Geschäftsführerin der Altenzentrum Wermelskirchen gGmbH. Diese betreibt vier Häuser mit insgesamt 110 Seniorenwohnungen. Davon stehen seit Mitte 2017 immer wieder drei bis fünf gleichzeitig leer. Dabei mangelt es nicht an Bewerbern. "Wir mussten viele ablehnen, an die wir sehr gerne vermietet hätten", sagt Döhler. Der Grund: Sie bekommen keinen Wohnberechtigungsschein (WBS).

Dieser Schein ist Voraussetzung, um eine der preiswerten Wohnungen für sozial-schwächere Rentner beziehen zu können. Solche mit öffentlichen Mitteln geförderten Wohnungen werden derzeit überall in Deutschland neu gebaut, es mangelt an bezahlbarem Wohnraum. Gleichzeitig stehen in Wermelskirchen Sozialwohnungen leer. Für die Verantwortlichen der Eifgenhäuser liegt das Hauptproblem in den Anforderungen, die für den WBS nötig sind. Um diesen zu erhalten, müssen Senioren älter als 60 Jahre sein und dürfen eine bestimmte Einkommensgrenze nicht überschreiten. In NRW liegt diese bei 1535 Euro netto im Monat.

"Wir schicken die wohnungssuchenden Rentner zur Stadt. Dort wird entschieden, ob sie einen Wohnberechtigungsschein bekommen oder nicht", sagt Ulrich Gräfe, Aufsichtsratsvorsitzender der Träger-gGmbH. Immer öfter kommen die Senioren erfolglos zurück. "Dann muss eine alte Frau eine teure Wohnung mieten, weil sie 100 Euro über der Grenze liegt. Und hier steht die Wohnung leer. Das ist doch traurig", sagt Döhler.

%Blick in einen leeren Flur. Mehrere solcher Wohnungen können momentan nicht vermietet werden. ( In den Häusern Dhünner Straße 5 und 7 gibt es 80 Wohnungen. Aus dem Fenster geht der Blick in die Hüpp-Anlage. Foto: Kronner

Deshalb hegt man in den Eifgenhäusern Zweifel, dass die aktuellen Kriterien für einen WBS noch zeitgemäß sind. "Die Seniorinnen heute haben früher oft auch selbst gearbeitet ", sagt Gräfe, "mit ihrer eigenen Rente und einer Witwenrente kommen sie dann über die Grenze." Wohlhabend seien die Rentnerinnen deshalb trotzdem nicht und würden nach Einschätzung der Eifgenhäuser-Verantwortlichen in vielen Fällen für eine Wohnung infrage kommen. Doch auch die zusätzliche individuelle Prüfung führe oft nicht dazu, dass die Senioren das Okay. von der Stadt erhalten.

Natürlich ist der Leerstand nicht alleine auf die zu hohen Anforderungen des WBS zurückzuführen. "Die Rentner können sich länger höherpreisige Wohnungen leisten", sagt Döhler. Das hat zur Folge, dass viele aus ihren eigenen Wohnungen und Häusern erst spät ausziehen - dann oftmals direkt in ein Altenheim. Darum handelt es sich bei den Eifgenhäusern nämlich nicht. "Hier leben die Menschen selbstständig in ihren Wohnungen, lassen Pflegedienste kommen und kümmern sich um Dinge des täglichen Bedarfs", erklärt Gräfe. Die Mitarbeiter der Träger-gGmbH unterstützen die Bewohner auf Wunsch dabei. "Es ist eine kleine Betreuung ohne zusätzliche Kosten. Wir sind nebenbei so etwas wie Sozialarbeiter", sagt Döhler, die eine von zwei Geschäftsführerinnen ist. Gemeinsam richten sie und ihr Team Angebote wie Sitzgymnastik, Spielenachmittage und Feste zu Terminen wie Karneval und Weihnachten aus.

Neben Mietern suchen die Verantwortlichen auch Helfer. "Wir versuchen Ehrenamtler zu gewinnen, die uns dabei helfen möchten, dass die Leute sich nicht so alleine fühlen", sagt Döhler.

(kron)