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Wermelskirchen: Sonja Robbe hilft Kindergärten, auf Bewegung zu setzen

Bewegungskindergärten in Wermelskirchen : Wenn Toben zum Konzept wird

Sonja Robbe wirbt als Fachberaterin des Kreissportbundes für das Siegel „Bewegungskindergarten“. Denn sie weiß: Kinder, die sich bewegen, kommen leichter durchs Leben.

Liam balanciert konzentriert über den Turnkasten. Einen Fuß setzt er vor den anderen, bevor er Sonja Robbe fröhlich seine kleine Hand reicht und sich in die weiche, blaue Matte fallen lässt. Liam ist gerade zwei geworden und spätestens der Sprung in die weichen Federn, zaubert ihm ein breites Lachen auf sein Gesicht. Dann schnappt er sich zwei bunte Fliegenklatschen vom Boden und beginnt singend durch die Sporthalle zu flitzen. Sonja Robbe sieht ihm zufrieden nach. „Das sieht für uns auf den ersten Blick nicht so aus, als sei das Spiel mit den Fliegenklatschen pädagogisch wertvoll“, sagt sie, „aber der Eindruck täuscht.“ Bewegung, Motorik und Phantasie: Eine Runde durch die Halle lösen in dem kleinen Gehirn unzählige Impulse aus. „Bewegung ist ein kindliches Grundbedürfnis“, erklärt die Pädagogin, „und kindliche Hirnzellen werden durch körperliche Aktion zum Wachstum angeregt.“ Das wünscht sich Sonja Robbe für alle Kinder und engagiert sich deswegen nicht nur als Übungsleiterin beim SV 09/35 Wermelskirchen, sondern auch als Fachberaterin zum Thema „Bewegungskindergarten“ beim Kreissportbund.

Bereits vor 20 Jahren erfand der Landessportbund das Siegel, um Kindergärten zu animieren, der Bewegung in den Einrichtungen einen konzeptionellen Rahmen zu geben. Die Resonanz im Rheinischen-Bergischen Kreis ist zurückhalten. 19 Kindertagesstätten haben sich zertifizieren lassen – in Wermelskirchen bisher nur der Evangelische Kindergarten in Tente. Da kommt nun Sonja Robbe ins Spiel: Viele Kindergärten würden ohnehin schon einen ganzen Schwung der Kriterien erfüllen. „Schließlich ist Bewegung für Erzieher ja kein neues Thema“ weiß sie und wirbt für das Siegel.

Da setzt das Programm „Bewegungskindergärten“ mit seinen drei Säulen an: Die Mitarbeiter der Kindergärten werden über 16 Lerneinheiten durch den Kreissportbund qualifiziert, sie entwerfen ein entsprechendes Konzept, mit dem die Bewegung in den Fokus genommen wird und die Einrichtung schließt eine Kooperation mit einem heimischen Sportverein.

„So wollen wir auch die Vernetzung zwischen Kindergärten und Sportvereinen stärken“, erklärt Sonja Robbe. Mindestens einmal im Jahr sollen beide gemeinsam eine Aktion oder ein Fest auf die Beine stellen. Aber auch gemeinsame wöchentliche Aktionen sind denkbar. Sonja Robbe will Erzieherinnen und Einrichtungen die Scheu nehmen, sich am Programm zu beteiligen. Für die Qualifizierungsmaßnahmen, an der alle Erzieherinnen, die mehr als 25 Stunden in der Kita beschäftigt sind, teilnehmen sollen, würden bereits absolvierte Fortbildungen angerechnet. Es werde auf Zusammenarbeit gesetzt, nicht auf Belehrung. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand.

So gibt es während der Qualifizierungsphase auch wertvolle Tipps, wie Kitas mit wenig finanziellem Aufwand Bewegung fördern, ein Erlebnisparcours entstehen und Projektarbeit entwickelt werden kann. „Und nach der Zertifizierung profitieren die Kindergärten von dem Qualitätszirkel“, erklärt Sonja Robbe. Fortbildungen, die Nutzung des neuen Netzwerks, Referentenbesuche seien dann möglich.

Vor allem aber gehe es aber um die Vorteile für die Kinder. „Wir wissen, dass immer mehr Jungen und Mädchen schon im Kindergartenalter mit Übergewicht und gesundheitlichen Problemen kämpfen“, sagt Sonja Robbe, „die Bewegung ist zum Stiefkind geworden.“ Hinzu kämen kognitive Probleme und besondere Herausforderungen beim Übergang zur Schule. „Wer gelernt hat, sich zu bewegen, auf Bäume zu klettern und sich auszutoben, dem wird es auch leichter fallen, eine Schulstunde durchzuhalten, sich das Ein-mal-Eins zu merken und einen Stift richtig zu halten“, weiß Sonja Robbe. Und dann widmet sie sich wieder Liam, der inzwischen einen Tunnel aus Sportmatten für sich entdeckt hat.