Wermelskirchen: Wermelskirchen soll Fair-Trade-Stadt werden

Wermelskirchen : Wermelskirchen soll Fair-Trade-Stadt werden

Die Stadt will nur noch fair gehandelte Produkte kaufen und sich durch dieses Kaufverhalten aktiv an der Abschaffung der ausbeuterischen Kinderarbeit beteiligen. Der Rat muss nun darüber entscheiden.

Die Stadtverwaltung setzt sich dafür ein, dass Wermelskirchen den Titel "Fair-Trade-Stadt" erhält. Demnach sollen die Vergaberichtlinien der Stadt dahingehend angepasst werden, dass (wenn möglich) fair gehandelte Produkte gekauft werden — von der Arbeitskleidung über Büromaterialien bis hin zum Kaffee. Die Stadtverwaltung möchte sich durch ihr Kaufverhalten aktiv an der Abschaffung der Kinderarbeit beteiligen. Die Politiker im Haupt- und Finanzausschuss stimmten am Montagabend diesem Vorhaben mehrheitlich zu, lediglich die CDU war dagegen. Eine endgültige Entscheidung fällt nun im Stadtrat am Montag, 31. März.

Um offiziell eine Fair-Trade-Stadt zu werden, muss Wermelskirchen verschiedene Kriterien erfüllen, die durch den Verein TransFair überprüft werden. Sind alle Voraussetzungen erfüllt, erhält die Stadt den Titel offiziell zunächst für zwei Jahre — dann erfolgt eine weitere Überprüfung. Fünf Kriterien müssen erfüllt sein, um Fair-Trade-Stadt zu werden:

Produkte Es liegt ein Beschluss vor, dass bei allen Sitzungen der Fachausschüsse und des Stadtrates sowie im Bürgermeisterbüro Fair-Trade-Kaffee und ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet werden.

Koordinierung Eine neu gebildete lokale Steuerungsgruppe koordiniert die Aktivitäten auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt vor Ort.

Handel In den Einzelhandelsgeschäften werden fair gehandelte Produkte angeboten, in Cafés und Restaurants werden — mindestens jeweils zwei Fair-Trade-Produkte — ausgeschenkt. In Wermelskirchen müssten sich mindestens acht Geschäfte und vier Gastronomiebetriebe beteiligen.

Bildungsaktivitäten In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair-Trade-Produkte verwendet, es werden dort Bildungsaktivitäten zum Thema "Fairer Handel" organisiert.

Öffentlichkeit Es wird öffentlich über alle Aktivitäten auf dem Weg zur Fair-Trade-Stadt berichtet.

Wenn die rechtlichen Möglichkeiten geschaffen worden sind, muss auch die Friedhofssatzung angepasst werden. Es sollen nur noch Grabmale aufgestellt werden, die nachweislich ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. Einige Politiker bezweifelten, dass die Einhaltung kontrolliert werden könne. "Das ist ein bürokratisches Monster", sagte Jürgen Manderla (FDP). "Es gibt Hürden. Aber jeder Versuch, Kinderarbeit einzuschränken, ist es wert", betonte Bürgermeister Eric Weik. Die Mehrheit sah dies ähnlich und stimmte zu. Laut Kämmerei soll die Umsetzung weitgehend ohne Kostensteigerungen erfolgen.

(RP)
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