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Wermelskirchen: So wollen Sportvereine um Nachwuchs werben

Im Blickpunkt Sportförderung : So wollen Vereine um Nachwuchs werben

In Remscheid sollen Kinder mit Gutscheinen gelockt werden. Eine Idee, die auch in Wermelskirchen Befürworter findet.

Dirk Hohlmann denkt nicht nur darüber nach, wie es um den Nachwuchs im Fußball steht. Als erster Ansprechpartner eines Vereins, der einst von Turnern gegründet wurde, hat der Geschäftsführer des Tura Pohlhausen auch andere Sportarten im Blick. „Man kommt nicht umhin, sich mit den Nachwuchsproblemen des Sports im Allgemeinen zu beschäftigen – selbst wenn es bei uns im Fußball noch weitgehend gut aussieht“, sagt der gebürtige Wermelskirchener, der sich seit seiner Jugend bei dem traditionsreichen Verein für den Schwerpunkt Fußball engagiert.

Dass es der Jugendabteilung von Pohlhausen wieder besser gehe und er „aktuell sogar von einem kleinen Bambini-Boom sprechen“ könne, habe indes nichts mit einem größeren Stellenwert des Sports zu tun. „Das liegt am neuen Rasenplatz und einigen anderen infrastrukturellen Faktoren, die zu einem spürbaren Zulauf geführt haben.“

Darüber hinaus gelte für seinen Verein, „was inzwischen bei fast allen Sportvereinen ein dauerhafter Tagesordnungspunkt“ sei: „Angesichts der veränderten gesellschaftlichen Strukturen müssen wir uns immer wieder aufs Neue fragen, was wir dem gesunkenen Interesse an Sport in Vereinen entgegensetzen können.“ Die Idee aus Remscheid, mit Gutscheinen für eine kostenlose Mitgliedschaft vor allem junge Kinder zu locken, erscheine ihm dabei vorbildlich: „Das sollten wir auch für Wermelskirchen erwägen“.

  • Sportbund-Geschäftsführerin Daniela Hannemann ⇥Foto: Moll (Archiv)
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Denn viele Probleme, die Sportbund-Geschäftsführerin Daniela Hannemann in der Nachbarstadt anspricht, würden auch für Wermelskirchen zutreffen. So glaubt Hannemann beispielsweise nicht, „dass durch die Rückkehr zum Abitur in neun Gymnasialjahren wieder mehr Jugendliche Mitglieder in einem Sportverein werden“. Vielmehr habe „sich ein kausaler Zusammenhang zwischen Schule im Ganztag und dem Mitgliederschwund bislang nicht feststellen lassen“. Auch Hohlmann schließt aus, dass G9 „in merklichem Umfang“ zu einer Trendwende führen wird: „Die Folgen des Turbo-Abiturs für die Sportvereine haben einige Leute zu stark gewichtet.“ G8 habe von Anfang an nur Gymnasisten betroffen.

Ein Grund sei vielmehr die Einführung der Offenen Ganztagsschule an allen Grundschulen in Wermelskirchen. Hierdurch seien viele Kinder bis zum Nachmittag vor Ort betreut und hätten oft im Anschluss „keine Lust mehr, Sport zu treiben“. Aus diesem Grunde müsse die Sport-Förderung unbedingt früher ansetzen: „Weshalb es gut ist, wenn wir jetzt auch in Wermelskirchen Sport-Gutscheine für Kinder zwischen dem vierten und sechsten Lebensjahr ins Gespräch bringen.“

Ein Konzept, das gleichfalls Klaus Junge (74) als Vorsitzender des Wermelskirchener Stadtsportverbands „grundsätzlich wohlwollend“ sieht: „Ich finde dieses Projekt interessant und hätte nichts dagegen, wenn wir das am 12. März in der nächsten Tagung des Sportausschusses diskutieren würden.“ Offenheit signalisiert auch Andreas Voß vom Amt für Jugend, Bildung und Sport: „Die Einführung von Gutscheinen könnte ein Mittel der Sportförderung darstellen, sofern ein Mitgliederschwund überhaupt durch die ‚Hürde‘ von zu zahlenden Beiträgen verursacht wird.“ Skepsis erscheint ihm daher angebracht: „Inwieweit sich Veränderungen durch ein Gutschein-System ergeben, ist vollkommen offen.“

Dennoch will er nicht ausschließen, dass „die Stadt eine Verteilung von Gutscheinen, zum Beispiel durch die Auslegung in Kitas und Schulen, unterstützen könnte, sofern der Organisationsaufwand für die Stadt überschaubar bleibt“. Dessen ungeachtet hält er die Einladungen von Referenten zu diesem Thema zu Sitzungen von Fachausschüssen für „grundsätzlich möglich“.

Eine Aussage, die Tura-Geschäftsführer Hohlmann freuen dürfte. Denn mehr Informationen zum Konzept seien der erste Schritt. Danach sei zu überlegen, wer „neben dem Organisatorischen für die Kostenübernahme zuständig“ sei: „Hier plädiere ich dafür, dass auch die Vereine ihren Beitrag leisten.“ Sollte es beispielsweise darauf hinauslaufen, dass ein Kind zu seinem vierten Geburtstag einen Gutschein über 50 Euro für die Anmeldung in einem Sportverein erhält, „könnten die Vereine im Rahmen einer 50-Prozent-Aufteilung auf den Mitgliedsbeitrag im ersten Jahr verzichten“.