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Wermelskirchen: So wird die Ansteckungsgefahr gebannt

Wie Wermelskirchen mit der Ausbreitung des Coronavirus umgeht : So wird die Ansteckungsgefahr gebannt

Seitdem die ersten Fälle des Coronavirus in Nordrhein-Westfalen bekannt wurden, sind auch die Menschen in Wermelskirchen stärker sensibilisiert. Wie gehen Unternehmen, Schulen und die Stadt mit dem Risiko um?

Hände gründlichst waschen, ausreichend Abstand halten zu anderen Menschen – die Ausbreitung des Coronavirus ruft alle auf den Plan, weitere Hygienemaßnahmen zu ergreifen und die Menschen für ein Verhalten zu sensibilisieren, das eine Ausbreitung des Virus eindämmen kann. Eine beruhigende Botschaft: Nach Angaben des Rheinisch-Bergischen Kreises gibt es bisher keinen Verdachtsfall im Nordkreis und einen ausstehenden Verdachtsfall im Südkreis – unterm Strich keinen bestätigten Verdachtsfall, sagte Kreissprecherin Kathrin Krause am Freitag auf Nachfrage der Redaktion. Trotzdem scheinen die Bürger verunsichert zu sein: In Drogeriemärkten sowie in Apotheken sind Desinfektionsmittel und Schutzmasken fast restlos ausverkauft. Wie reagieren Wermelskirchener Schulen, Firmen und die Stadt als Behörde mit viel Publikumsverkehr? Die Redaktion fragte nach.

Die Baumarkt-Handelskette Obi, Wermelskirchens größter Arbeitgeber, erhält regelmäßig auch Lieferungen aus China, bisher stelle das jedoch kein Problem dar. „Das liegt ganz einfach daran, dass die letzte Lieferung glücklicherweise noch vor dem Ausbruch der Krankheit in China verschifft wurde“, berichtet eine Sprecherin des Unternehmens. Bei der in Kürze erwarteten Ware der Frühlingssaison könne es jedoch zu Engpässen kommen. „Das hängt davon ab, wie sich die nächsten Tage und Wochen in China entwickeln.“

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Für ihre Mitarbeiter hat die Handelskette die Hygienemaßnahmen sowohl in der Zentrale als auch in sämtlichen Märkten erhöht. „Den Mitarbeitern wird ausreichend Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt, außerdem haben wir dazu aufgerufen, große Veranstaltungen zu meiden und unnötige Dienstreisen zu unterlassen“, so die Sprecherin. Die Vorsichtsmaßnahmen seien schon vor einigen Jahren anlässlich der SARS-Pandemie eingeführt und jetzt nochmals aufgestockt worden.

„Für den Fall, dass sich einer unserer Mitarbeiter infiziert, haben wir einen Krisenstab eingerichtet“, berichtet die Sprecherin. Denn besonders die Mitarbeiter in den Märkten seien permanent mit besonders vielen Menschen in Kontakt. „Dort haben wir auch Gesichtsschutzmasken für die Mitarbeiter auf Vorrat“, so die Sprecherin. Momentan gebe es aber noch keinen Anlass, sie zu tragen. Denn sie sind nur für Personen sinnvoll, die infiziert sind, bei denen ein Verdacht besteht oder die in Kontakt zu einer infizierten Person stehen. Trotzdem sei die Nachfrage sehr hoch, die Masken seien in nahezu allen Märkten ausverkauft. „Wir beobachten die Lage, nehmen sie ernst – Panik wollen wir aber vermeiden“, sagt die Sprecherin.

Die Stadt Wermelskirchen hat im Eingangsbereich des Rathauses einen großen Handdesinfektionsständer platziert – mit der freundlichen Bitte, bei Betreten und Verlassen die Hände zu desinfizieren. „Wir haben den Spender im Foyer genau in die Laufstraße platziert, damit ihn jeder sieht“, sagt Tanja Lange, die im Haupt- und Personalamt für Arbeitsschutz und Betriebsmedizin zuständig ist. Sie hoffe, dass dieser fleißig genutzt wird. Die Stadt komme damit ihrer Pflicht nach, auf Handhygiene hinzuweisen. An den Zwischentüren der Flure appellieren Schilder an alle, auf das Händeschütteln zu verzichten, ein Lächeln und Winken reiche als freundliche Begrüßung aus. Außerdem solle man auf die Husten- und Niesetikette der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung achten (Infokasten). Die Mitarbeiter seien sensibilisiert, auf einen ausreichenden Abstand zu anderen Menschen zu achten. „Dank Tresen und Tischen ist dieser in Ämtern mit Publikumsverkehr auch gegeben“, so Lange.

Auch die Mitarbeiter der Stadt-Sparkasse Wermelskirchen sind hohem Kundenkontakt ausgesetzt. „Deswegen sind wir grundsätzlich sehr auf Hygiene bedacht“, sagt eine Sprecherin. Allen Mitarbeitern stünden Möglichkeiten zur Handhygiene zur Verfügung. Wichtig für Kunden und Mitarbeiter: Geldautomaten, Türklinken, Tastaturen und Telefone würden regelmäßig desinfiziert. „Um aufgrund der aktuellen Situation erneut zu sensibilisieren, findet man auf den Toiletten und im Pausenraum Plakate mit den wichtigsten Hygienetipps“, so die Sprecherin weiter.

Das Gymnasium Wermelskirchen appelliert an die Schüler, auf Küsschen und Umarmungen zur Begrüßung zu verzichten und auf Handhygiene zu achten, sagt Schuldirektorin Elvira Persian. Die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts werden den Schülern vermittelt, Lehrer greifen das Thema Hygienemaßnahmen auf. Und bei Erkrankungen? Generell liege es bei den Eltern, ob sie ihr Kind bei grippeähnlichen Symptomen zur Schule schicken. Allerdings empfehle die Schule, dies nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt zu tun. Ansteckungsgefahr in fremden Gefilden drohe nicht: Klassenfahrten stünden vorerst nicht an, die nächsten seien nach den Sommerferien geplant.

Die Sekundarschule hat sich dem Motto verschrieben: „aufmerksam sein, aber keine Panik verbreiten“, sagt Schulleiter Dietmar Paulig. Er habe Kontakt zum Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises aufgenommen, um im Fall einer Ausbreitung des Virus eine Kontaktperson für eine Beratung schnell kontaktieren zu können. Generell werde den Schülern vermittelt, besonders auf Hygienemaßnahmen zu achten, die immer bei grassierenden Infektionskrankheiten gelten – und jetzt besonders die Abstandsregel und das Händewaschen. Seifenspender und Papierhandtücher seien in allen Sanitärräumen und vielen Klassenzimmer vorhanden, aber einen Handhygienespender habe die Schule nicht. Anstehende Klassenfahrten führten nicht in Gebiete, in denen das Virus aufgetreten ist.