Wermelskirchen: So reagiert die Feuerwehr nach einem Alarm

So reagiert die Feuerwehr nach einem Alarm : Ausrücken in nur einer Minute

Geht auf der Wache Vorm Eickerberg ein Alarm ein, reagieren die Beamten der hauptamtlichen Feuerwehr blitzschnell mit eingespielten Abläufen. Im Idealfall sind sechs Einsatzkräfte verteilt auf zwei Fahrzeugen in weniger als 60 Sekunden mit Blaulicht und Martinshorn zum Einsatzort unterwegs.

Unüberhörbar schallt der Alarm der Leitstelle in Bergisch Gladbach durch alle Räume der Feuerwache Vorm Eickerberg. Gleichzeitig zeigen mobile, digitale Rettungsmelder („Piepser“) die Alarmierung auf dem Display an. Ohne Gerede oder gar Befehle geht es nun blitzschnell: Die hauptamtlichen Kräfte der Wermelskirchener Feuerwehr lassen alles stehen und liegen, womit sie sich gerade beschäftigt haben – Reparaturen, Sport, Schlauchwäsche, Kochen oder Büroarbeiten spielen jetzt erst einmal keine Rolle mehr.

Sechs Beamte der Brandbekämpfer besetzen im Alarmfall – in der Regel bei Feuer sowie auch bei Verkehrsunfällen oder technischen Hilfeleistungen – zwei Fahrzeuge: Sechs Personen bilden eine sogenannte Staffel und das Minimum an einsatzbereiten hauptamtlichen Kräften der Brandbekämpfer in Wermelskirchen rund um die Uhr (je nach Einsatzlage werden Löschzüge der freiwilligen Feuerwehrleute hinzugerufen).

Während die Abläufe der Aktivitäten am Einsatzort zwar gelernt und trainiert sind, sich jedoch nach der jeweiligen Lage an der Unglücksstelle richten, spulen die Floriansjünger ihre Abläufe auf der Feuerwache im Alarmfall „wie im Schlaf“ ab. Das funktioniert durch eine klare Aufgabenverteilung sowie stringente Überprüfung und Sortierung der Ausrüstung. Die Einsatzstiefel lassen sich mittels Reißverschluss flugs schließen. In die Brandschutz-Schlupfhosen können die Wehrleute förmlich hinein „springen“. Die Einsatzkleidung hängt an Haken direkt neben den Fahrzeugen in der Wagenhalle, die Helme befinden sich gleich in den Wagen.

„Wenn ich, so wie heute, als Gruppenführer eingeteilt bin, liegt meine Brandschutzjacke auf dem Beifahrersitz – dort, wo mein Platz ist“, erläutert Oberbrandmeister Simon Felbick. Der Gruppenführer nimmt im Führerhaus neben dem Fahrer des HLF (Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug) Platz und ist der „Chef“ der ausrückenden Einsatzkräfte. Er bestätigt via Funk das Ausrücken der Wehrleute an die Leitstelle, holt während der Fahrt möglichst viele Informationen zum bevorstehenden Einsatz und der Örtlichkeit ein, prüft Funkgeräte, Wärmebildkameras oder die technischen Daten einer Brandmeldeanlage.

„Die Aufgaben innerhalb einer Staffel sind genau festgelegt. Nach ihnen richtet sich auch, wer in welchem Fahrzeug wo Platz nimmt“, beschreibt Simon Felbick: „Einen Lkw-Führerschein haben alle hauptamtlichen Kräfte, innerhalb einer Schicht wechseln die jeweiligen Positionen je nach Qualifikation der einzelnen Kräfte.“ So erfordere beispielsweise die Rolle des Drehleiter-Maschinisten eine Zusatzausbildung.

Eine sechsköpfige Staffel kann mit HLF (vier Personen) und Drehleiter (zwei Personen) ausrücken – meist rücken im Alarmfall beide Fahrzeuge aus. „Die Drehleiter muss immer einsatzbereit und personell besetzt sein, da sie nach der Bauordnung Nordrhein-Westfalens den zweiten Rettungsweg stellt“, unterstreicht der 35-jährige Felbick die Bedeutung des „Leiterwagens“.

Beim Ausrücken besonders unter Druck steht der „Angriffstrupp“. Diese zwei Feuerwehrleute sind die ersten, die ein Feuer bekämpfen. Das Duo besteigt in Brandschutzmontur das HLF und hockt sich dort auf spezielle Sitze. In diese sind Sauerstoffflaschen und -masken quasi integriert, die Ausrüstung legen die Brandbekämpfer während der Fahrt zum Einsatzort an.

„Wir sind innerhalb von einer Minute mit tonnenschweren Fahrzeugen möglichst zügig im Straßenverkehr unterwegs, statten uns während der Fahrt aus. Das ist für den Angriffstrupp und die Maschinisten schon ganz besonders anstrengend“, sagt Felbick, der seit 2004 der hauptamtlichen Feuerwehr in Wermelskirchen gehört und zuvor seinen Zivildienst als Rettungssanitäter am Eickerberg verrichtete: „Im Auto ist es eng, da ist jedes überflüssige Teil zu viel. Der Angriffstrupp kann sich nicht anschnallen, weil er sich ausrüsten muss. Das ist alles nicht ohne, letztlich ist die Reihenfolge entscheidend.“

Natürlich hätte jede Einsatzkraft seine persönliche Ausrüstung. Im Dienst wird diese am oder im Fahrzeug platziert, ansonsten wird sie im Spind verstaut. „Bereits bei Dienstbeginn prüft jeder seinen Aufgabenbereich auf Vollständigkeit und Funktionsfähigkeit“, sagt Simon Felbick. Jeden Morgen fährt die Drehleiter sogar auf den Hof und wird testweise ausgefahren.

Die als Hilfsfrist bezeichneten zwölf Minuten bezeichnen die Zeit, die zwischen Alarmierung und Erreichen der Einsatzstelle liegt. Das Ausrücken von der Wache fällt in dieses Dutzend hinein. „Dauert es zwei Minuten bis wir ausrücken, ist das schon zu lang“, stellt Felbick fest. Es sei aber ein „Ammenmärchen“, dass die Feuerwehrleute in Einsatzkleidung schlafen: „Aber natürlich legen wir nicht Socken oder Hosen auf links neben das Bett. Und sicherlich kann ein Ausrücken in tiefer Nacht auch 20 Sekunden länger dauern, weil wir erst einmal wach werden müssen – letztlich sind wir jedoch genau darauf trainiert.“

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