Wermelskirchen: So klappt die neue Bonpflicht

Verärgerung in Wermelskirchen : „Die Bonpflicht ist nichts als Müll – für Geschäfte und Kunden“

Viele Einzelhändler und Kunden halten die seit Neujahr geltende Regel für Papierverschwendung. Auch die schädliche Beschichtung steht in der Kritik.

Die Überbleibsel aus der Silvesternacht sind gerade weggefegt, da macht sich das neue Jahr durch eine andere Art von Müll bemerkbar: Kassenbons. Denn seit dem 1. Januar sind Ladenbesitzer bundesweit verpflichtet, elektronische Kassen mit einer Sicherheitseinrichtung fälschungssicher zu machen. Hierbei wird jede Transaktion aufgezeichnet und automatisch ein Kassenbon ausgedruckt. Für Supermärkte, Kaufhäuser und Handelsketten ist das nichts Neues: Hier werden schon seit Jahren jeden Tag meterweise Bons ausgedruckt. Doch Bäckereien, Metzgereien und Kioske müssen sich umstellen – oft verkaufen sie Ware zu Kleinstbeträgen, wofür sie bislang nur bei Bedarf einen Bon gedruckt haben.

Jetzt wird jeder Einkauf zu Papier gebracht – und das hat schon am ersten Tag mit der Bonpflicht zu manchem Ärger geführt. „Die Leute beschweren sich über den Unsinn“, berichtet Jessica Klenner, die seit vier Jahren als Verkäuferin in der Bäckerei Beckmann arbeitet. Eine Kundin habe sie sogar für den angebotenen Bon angefahren und gefragt, was der Blödsinn solle. Ein anderer Kunde, der offenbar noch nichts von der neuen Regelung wusste, habe sich regelrecht auf die Schippe genommen gefühlt. „Nicht alle sind wütend, die meisten belächeln es“, fügt sie hinzu. „Aber in einem Punkt sind sich hier alle einig: Es ist absolut überflüssig.“ Das bestätigt ein Blick in die gefüllten Plastikbeutel, die an beiden Kassen hängen und in denen die ungewünschten Bons landen. „In den fünf Stunden, die ich heute schon hier verkaufe, wollte eine einzige Person den Bon haben“, sagt Klenner. Deswegen hätten sie und ihre Kollegen die Tüten im Laufe des Vormittags schon mehrmals geleert.

Metzgerei-Verkäuferin Jenny Petri berichtet von verärgerten Kunden. Foto: Deborah Hohmann

Auch in der Metzgerei Daum & Eickhorn stößt die Bonpflicht auf Unverständnis. „Viele Kunden regen sich darüber auf, vor allem aus Umweltschutz-Gründen“, sagt Verkäuferin Jenny Petri. Das bestätigt Andrea Janetschek, die gegenüber bei Evertzberg die Kunden bedient. „Da fällt so viel Papier an. Muss das sein, gerade jetzt, mitten in der Klima-Debatte?“, fragt sie kopfschüttelnd. Dabei geht es auch um die Art des Papiers: Die meisten Bons werden auf Thermopapier gedruckt, das laut Angaben des Umweltbundesamts mit einer schädlichen Chemikalie beschichtet ist. Deswegen gehört es auch nicht ins Altpapier, sondern in den Restmüll.

Begeisterung sieht anders aus: Asli Duran in ihrem Kiosk am Busbahnhof. Foto: Deborah Hohmann

Im Kiosk Duran am Busbahnhof sind die neuen Kassen schon seit Anfang Dezember in Betrieb. „Und es ist einfach schrecklich“, sagt Betreiberin Asli Duran. 40 Kassenrollen habe sie im Dezember verbraucht. „So viele verbrauche ich sonst im ganzen Jahr.“ Sie verstehe zwar die Problematik des Steuerbetrugs, die hinter dem neuen Gesetz steht. Ob das Ausdrucken der Bons jedoch nötig ist, bezweifelt sie – durch die digitalen Kassensysteme werde ohnehin jede Transaktion gespeichert und auch im Nachhinein aufrufbar. Auch von ihren Kunden wolle kaum einer einen Bon haben. „Von 100 Personen lassen 99 den Bon liegen“, berichtet Duran. So auch ein Kunde, der gerade Zigaretten kauft und den Bon dankend zurückgibt. „Für das Geschäft ist das nichts als Müll“, sagt er. „Und für den Kunden auch.“