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Wermelskirchen: So gestalten Sie den Garten bienenfreundlich

Imkerverein Wermelskirchen : So gestalten Sie Ihren Garten bienenfreundlich

100 Jahre Imkerverein Wermelskirchen: Wie wichtig ein Paradies für Hummeln, Bienen und Käfer ist, erklärt Imkerin Gerlinde Neurohr.

Ein Paradies für Hummeln, Bienen, Schmetterlinge, Grillen und Grashüpfer, Libellen und Käfer ist zum Beispiel eine bunt blühende Wiese, in der viele verschiedene Pflanzen leben und zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Ideal ist es, wenn die Wiese erst im Juli oder August gemäht wird, wenn die Brut ausgewachsen ist und die meisten Blumen verblüht. Das andere Extrem sind große Felder, auf denen nur eine Pflanzenart wächst. Insekten, die davon leben, finden hier einen reich gedeckten Tisch, können sich prima vermehren und große Schäden anrichten. Dem muss dann durch den Einsatz von Insektenvernichtungsmitteln begegnet werden. Wir sprachen mit der Biologin Gerlinde Neurohr vom Imkerverein Wermelskirchen über die Situation.

Warum sind Insekten wichtig?

Neurohr Jedes Insekt ist an seine Umwelt angepasst und erfüllt in ihr bestimmte Funktionen. Viele davon sind uns noch unbekannt. Fällt eine Art aus, dann werden auch die Aufgaben, die sie bisher erfüllt hat, nicht mehr erledigt. Das System funktioniert nicht mehr so gut. Insekten sind wichtig als Bestäuber von Pflanzen. Andere, wie die Ameisen, führen zu einer weiteren Verbreitung von Pflanzensamen. Schlupfwespen sind gute Schädlingsbekämpfer, sie legen ihre Eier in die Raupen anderer Insekten. So wächst die junge Schlupfwespe in einer lebenden Speisekammer auf. Marienkäfer ernähren sich von Blattläusen. Oft zeigt erst der Ausfall einer Art, welche Funktion sie bisher innehatte.

Warum brauchen Insekten Hilfe?

Neurohr Die Lebensräume der Insekten werden von uns Menschen immer weiter verändert und zerstört. Durch immer größere Monokulturen und den entsprechenden Einsatz von Insektiziden, den Wegfall von artenreichen Hecken und Feldrainen, durch Bepflanzung der Gärten und Friedhöfe mit immergrünen Gehölzen, nicht einheimischen Blumen und Ziersträuchern. Durch die immer beliebter werdenden „Steingärten“ fehlen den vielen kleinen Flug- und Krabbeltieren Wohnung und Nahrung.

Was kann ich für die Erhaltung der Insektenvielfalt tun?

Neurohr Insekten brauchen, wie wir auch, zwei grundlegende Bedingungen zum Gedeihen: geeignete und ungestörte Wohnverhältnisse und ein passendes und über den Sommer durchgehendes Angebot an Nahrung.

Was sind geeignete Wohnverhältnisse für Insekten?

Neurohr Die meisten Insekten überwintern als Ei, oft bereits an oder in der Nähe von passenden Futterpflanzen. Die Eier werden in hohle Pflanzenstängel gelegt, unter die Borke von Bäumen, in kleine oder größere Hohlräume, zwischen Steine, in den Sand, in Altholz.

Was kann ich tun?

Neurohr Ich kann im Herbst in einer Ecke des Gartens einen Steinhaufen stehen lasse und auch einen Ast- und Altholzhaufen und ihn bis zum späten Frühjahr nicht bewegen. Darin finden viele verschiedene Arten eine Überwinterungsmöglichkeit. Ich kann die im Herbst blühenden Stauden als Ganzes bis ins Frühjahr stehen lassen. In deren Stängel überwintern Insekten, von deren Samen ernähren sich Vögel. Ich kann das Laub liegen lasse, es bildet eine warme Decke für überwinternde Puppen und dient anderen als Nahrung. Ich kann in meinem Umfeld dafür sorgen, dass dort einheimische Pflanzen wachsen. Ich kann die Pflanzen so aussuchen, dass vom frühen Frühjahr bis zum späten Herbst immer etwas blüht. Ich kann auf Insektenvernichtungsmittel verzichten.

Wie kann ich für gute Nektarquellen sorgen?

Neurohr Durch die richtige Auswahl an Blühpflanzen: Angeboten werden oft Züchtungen, die keinen Nektar mehr bilden und so für Insekten als Nahrungsquelle ausfallen. An einem sonnigen Tag bei über 10°C können Sie am Blumenstand beobachten, welche Pflanzen von Insekten angeflogen werden. Sie zeigen Ihnen, wo die wertvollen Nektarquellen sind. Wenn Sie solche Pflanzen in Ihre Töpfe, Kästen und Beete setzen, bieten Sie Insekten über den ganzen Sommer hinweg einen reich gedeckten Tisch.

(tei.-)