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Wermelskirchen Seltsame Einstellung zur Corona-Kontrolle

Ansichtssache : Seltsame Einstellung zur Corona-Kontrolle

Keine Kirmes, Verärgerung über Kneipen-Kontrollen, aber keine Kontrollen von Corona-Infizierten - das war die Woche in Wermelskirchen.

Eigentlich hätte an dieser Stelle eine Rückschau auf die Herbstkirmes stehen sollen. Doch die Kirmes 2020 geht in die Geschichtsbücher ein. Wir wissen, warum: Corona hat vieles zerstört. Das gesellschaftliche Leben leidet, aber wir leben. Das muss man leider so sehen. Die Idee, die Telegrafenstraße am verkaufsoffenen Sonntag zu sperren, um eine lange Tafel aufzustellen, war reizvoll, wurde aber abgelehnt. Dabei hatte Oliver Platt einen guten, aber  nicht ganz ausgereiften Ansatz, der im Keim erstickt wurde. Okay: Die Stadtverwaltung ist überlastet mit der Überwachung der Hygieneschutzregeln. Das ist wichtig. Und das Ordnungsamt macht  gute Arbeit. Auch wenn Politiker gegen den Amtsleiter wettern. Anscheinend sind sie nicht ausgelastet.

Doch in anderen Städten hat man den Versuch gewagt und holt Schausteller aus der Vergessenheit. Das tut ihnen gut, aber auch den Menschen. Das wäre doch auch für Wermelskirchen ein Ansatz gewesen. Zum Beispiel auf dem Rhombus-Gelände oder auch auf dem Platz unter dem Weihnachtsbaum. Ein paar kleine Buden - Zuckerwatte, gebrannte Mandeln, Backfisch. Ach, die Liste könnte man unendlich verlängern. Doch Wermelskirchen hat den Ansatz abgebügelt. Schade. Diese Chance ist vertan.

Das war sicher der Hammer für Vereine: Die Schwanenhalle bleibt bis fast Ende Oktober zu. Das ist keine Schuld der Stadt. Der Markt ist satt. Die Baufirmen haben volle Auftragsbücher. Die müssen keine Aufträge annehmen, bei denen sie nicht gut verdienen. Das ist inzwischen Fakt. Da hat es auch keinen Sinn, wie im Sportausschuss geschehen, dem Amtsleiter Vorhaltungen zu machen. Nach dem Motto: Warum haben Sie nicht in der Corona-Zeit, wo die Hallen geschlossen waren, gearbeitet? Solche Fragen sind lächerlich. Denn jeder weiß: Die Aufträge müssen ausgeschrieben werden. Und Corona hatte nun wirklich niemand auf dem Plan. Hier bleibt nur eins: Daumen drücken, dass nicht noch etwas Unvorhergesehenes passiert.

Eine Jugendbildungsstätte im Eifgen? Das ist verlockend. Hallenbad, Eifgenstadion, die alte Schmiede – und dann eine Freizeitstätte. Eignet sich die Schmiede dafür? Wer investiert in so ein Projekt? Im sogenannten Freizeitpark indes wird es so etwas nicht geben können: Das Areal steht unter Naturschutz. Die Schmiede unter Denkmalschutz. Da muss schon jemand viel Geld in die Hand nehmen, um so ein Liebhaberprojekt zu finanzieren. Dem Eifgen täte es sicher gut.

Kontrollen sind zurzeit in Wermelskirchen ein heikles Thema. Das Ordnungsamt schaut nach Monaten der Hilfe, der Unterstützung des Handels und der Gastronomie und des Zuredens genauer hin. Werden die Corona-Regeln nicht eingehalten, gibt es keine mündliche Verwarnung mehr. Es wurde lange genug geredet. Es gibt Bußgelder. Daran kann sich jeder orientieren. Aber Corona-Infizierte und Kontaktpersonen 1. Grades, die in Quarantäne sind, werden nicht kontrolliert. Verantwortungsbewusste Mitbürger bleiben zu Hause, lassen sich Lebensmittel bringen. Hoffen, dass sie schnell gesund werden. Es soll aber auch Menschen geben, denen das alles egal ist. Dass sie nicht kontrolliert werden, ist eigentlich eine Schande. Darüber aber schimpfen Politiker nicht. Seltsam.

Wermelskirchen kann stolz auf die vielen Ehrenamtlichen sein. Das war vor der Corona-Krise schon so. Das ist in der Krise noch deutlicher geworden. Vieles geschieht gar nicht  öffentlich: Ehrenamtliche packen einfach an, reden nicht viel darüber, tun‘s für die Gemeinschaft. Es gab früher in Wermelskirchen mal Neujahrsempfänge, da wurde besonders das Ehrenamt stellvertretend gewürdigt. Das war gut. So ist zu verstehen, dass die Dabringhausener stinkig sind auf die Wermelskirchener: Sie haben im Dorf Enormes geleistet, indem sie die Mehrzweckhalle in Schuss gebracht haben. Damit das Dorfleben mit all seinen Vereinen funktioniert. Die Helfer haben das Gefühl, von Wermelskirchen allein gelassen zu werden. Dass es soweit kommt, ist ein ganz schlechtes Zeichen. Aber auch ein Indiz, dass da etwas falsch angegangen und falsch gelaufen ist. Nach der Wahl – nicht vor der Wahl! –  sollten vor allem Politiker mal in sich gehen und jeder für sich überlegen, wie wichtig Ehrenamt ist. Und diese Aktivitäten würdigen. Nicht nur in Dabringhausen, sondern in allen Ortsteilen. Das wäre mal ein Signal!