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Wermelskirchen: Seit über 60 Jahren ist Werner Sokoll Hobbyfotograf

Hobbyfotograf liefert Bild für die Dellmark : Mit offenen Augen durch die Welt gehen

Seit mehr als 60 Jahren fotografiert Werner Sokoll Menschen, Tiere und Natur – mit viel Aufwand und modernster Technik. Das jüngste Motiv des Hobbyfotografen ziert nun die neue Dellmark.

Im Sommer war Werner Sokokoll beschäftigt: Sein erster Blick am Morgen galt seiner Kamera, die er am Wohnzimmerfenster aufgestellt hatte. Die große Nikon D 800 auf dem Stativ war auf den großen Baum vor dem Haus gerichtet. „Und jeden Morgen habe ich als erstes nachgesehen, ob die Vögel schon geschlüpft waren“, sagt er. Gemeinsam mit Ehefrau Karola hatte er in der Krone des Baumes ein Distelfink-Paar entdeckt. Durch die Kamera hatte er den Nestbau beobachtet und das Vogelmännchen, das während des Brütens die Versorgung des Weibchens übernahm.

 Über Wochen begleitete Hobbyfotograf Werner Sokoll mit seiner Kamera unauffällig die Distelfink-Familie im Baum gleich vor der Wohnung. Dabei entstand auch diese Aufnahme.  Foto: Werner Sokoll
Über Wochen begleitete Hobbyfotograf Werner Sokoll mit seiner Kamera unauffällig die Distelfink-Familie im Baum gleich vor der Wohnung. Dabei entstand auch diese Aufnahme. Foto: Werner Sokoll Foto: Werner Sokoll

„Das war spannender als Fernsehen“, sagt Karola Sokoll. Über mehrere Wochen sind tausende Fotos entstanden. Sie zeigen das Werden der Vogelfamilie, den frisch geschlüpften Nachwuchs und schließlich die ersten Flugversuche der Kleinen. „Natürlich haben wir den Tierschutz beachtet, nur aus der Entfernung beobachtet und mit Fernauslöser fotografiert“, sagt Sokoll. Einmal hätten ihn Passanten auf der Carl-Leverkus-Straße angesprochen, weil sie sich vom Objektiv beobachtet fühlten. Ihnen erzählte er auf seine freundliche Art die Geschichte der Vogelfamilie und freute sich über das Verständnis der Menschen. Es sind Foto-Projekte wie diese, in die sich der 77-Jährige mit Leidenschaft vertieft. Der Alltag biete so viele Motive, sagt Sokoll. „Man muss nur mit offenen Augen durch die Welt gehen und ein bisschen Zeit und Geduld mitbringen“, ist er sicher. Als Werner Sokoll zum 16. Geburtstag einen Fotoapparat geschenkt bekam, machte er gleich die ersten Aufnahmen. Zwölf Fotos ermöglichte der Rollfilm. „Da musste man noch richtig überlegen, bevor man abdrückte“, erinnert er sich. Ein Freund, der eine Lehre im Autohaus machte, bat ihn schließlich, das Schaufenster zu fotografieren. „Meine erste Auftragsarbeit“, erzählt Sokoll lachend. Es sollten viele folgen.

Dazu kamen Ausstellungen und Veröffentlichungen. Er fotografierte, drehte mit der Super 8-Kamera erste Filme und trat den Foto- und Schmalfilmamateuren bei. Er entwickelte die Bilder im Badezimmer, in der Küche hingen Wäscheleinen mit den neuesten Motiven. Er mochte Sport, Autos, Familie, Industrie und Architektur: „Und auch das, was wir heute Street-Art nennen“, sagt Werner Sokoll. Trotzdem entschied er sich, beruflich einen anderen Weg zu gehen: Er studiere Maschinenbautechnik und arbeitete als Programmierer. In seiner Freizeit fotografierte er weiter.

„Ich fühle mich fast ein bisschen nackt, wenn ich ohne Kamera das Haus verlasse“, erzählt Werner Sokoll. Und seine Frau muss grinsen. Selbst an den Strand im Urlaub begleite sie das schwere, große Fotogepäck. Unzählige Aufnahmen sind in all den Jahren entstanden, mit vielen verschiedenen Techniken und Kameras hat Sokoll gearbeitet. Heute hat er sich in seinem Arbeitszimmer einen stattlichen Arbeitsplatz eingerichtet – um Fotos und Videos aufwändig zu bearbeiten und Kunst zu erschaffen. Aber im Grunde sei er ein Geschichtenerzähler, sagt er.

„Wir fahren manchmal nachts nach Wuppertal, Düsseldorf oder Köln, um besondere Aufnahmen zu machen“, verrät Sokoll. Dann hat er auch immer eine Plane dabei, weil es oft vorkommt, dass er auf der Suche nach neuen Perspektiven auf den Knien oder dem Bauch landet. Die Spaziergänge in der heimischen Natur dauern häufig mehrere Stunden, wenn Werner und Karola Sokoll ein Motiv entdecken, eine Weile beobachten und fotografieren – wie Eisvögel oder Schwäne, Gebäude oder besondere Lichtverhältnisse. Das Ergebnis ist atemberaubend. „Ich bin Autodidakt“, sagt Sokoll, „ich habe die Dinge ausprobiert, habe nachgelesen und vor allem pflege ich seit 60 Jahren den Austausch mit anderen“.

Zu den jüngsten Motiven des Hobbyfotografen gehören die Blumenampeln in der Wermelskirchener Innenstadt. Mit diesen Bildern hat er am Wettbewerb des Marketingvereins „Wir in Wermelskirchen“ (WiW) teilgenommen – und gewonnen. „Da hat sich der Einsatz mit der Leiter gelohnt“, sagt er lachend.