Wermelskirchen: Schwestern im Geiste als „Goldkehlen“

Konzert im Haus Eifgen : Schwestern im Geiste als „Goldkehlen“

Sophia Wahnschaffe gastierte zum zweiten Mal für die Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) im Haus Eifgen und brachte die Band „Miss Sophie“ mit.

Familiäre Bande gibt es keine – Schwestern im Geiste sind Sophia Wahnschaffe und Sophie Daedelow unüberhörbar. Wahnschaffe gastierte bereits zum zweiten Mal für die Kulturinitiative Wermelskirchen (Kult-in-Wk) im Haus Eifgen und brachte für dieses Konzert die Band von Daedelow namens „Miss Sophie“ mit. Letztere Formation war eigens für den Auftritt aus Hamburg angereist. Leider kamen zu dem hörenswerten Konzert nur 25 Besucher, die sich jedoch begeistert zeigten. Der Kult-in-Wk-Vorsitzende Michael Dierks kommentierte den Applaus: „Es ist toll, wenn ein kleines Publikum so mitmacht und klingt wie ein großes.“

Stampfende Rhythmen und langgezogene „Oooohooo‘s“ erinnerten in Passagen von Sophia Wahnschaffe-Songs wie zum Beispiel „Ich bin noch nicht bereit zu gehen“ an tanzende Indianer, die sich um ein Lagerfeuer scharen. Solche Passagen erwiesen sich als besonders mitreißend – bei „Gib mir Gewissheit“ stiegen die Besucher singend in den Refrain mit ein. Die Sängerin und Gitarristin sowie ihre mit Bass, Schlagzeug und Gitarre besetzte Band bestiegen Hügel und Berge, in dem sie mit ihren Instrumenten das „volle Brett“ gaben, um dann mit sanften und leisen Tönen hinab ins Tal zu wandern oder auch dramatisch in einen imaginären Abgrund zu stürzen – Wahnschaffe versteht es, auf einzigartige Weise, die tägliche Achterbahnfahrt menschlicher Emotionen in ein musikalisches Kleid zu hüllen. Bei „Courage“ krachte es im Gebälk lahmer Knochen („Hab‘ ich Courage, hab‘ ich den Mut, das jetzt zu machen“) oder bei „Zirkus“ war ein gesellschaftskritischer Ansatz kaum überhörbar: „Wer macht hier die Regeln, wollt‘ ich mal fragen – ist diese Vorstellung bald vorbei.“ Die deutschsprachigen Wahnschaffe-Texte, die auf „Reim‘ dich oder ich fress‘ dich“ mutig verzichten, entführten die Zuhörer charmant in die Welt der Sängerin.

Intelligente und aussagekräftige Pop-Musik, die nicht künstlich produziert daher kommt, ungeheuer filigran und pointiert brachte ebenso die Band „Miss Sophie“ mit – dank der englischsprachigen Texte mit internationalem Format. Genauso wie Sophia Wahnschaffe waren auch bei „Miss Sophie“ Jazz- und tanzbare Disco-Soul-Elemente, wie sie unter anderem Katie Melua massentauglich in die Pop-Musik transferiert hat, unüberhörbar.

„Miss Sophie“, besetzt mit Bass, Keyboards, Gesang und Schlagzeug, klang eher sphärisch, während Sophia Wahnschaffe mit Gitarren näher am Liedermacher-Sound großer deutscher Sängerinnen wie Ulla Meinecke zuhause ist. Vielseitig, ausdrucksstark und abwechslungsreich präsentierten sich beide mit Kopfstimme, glasklar klingende „Goldkehlen“, die der oft männlich geprägten Bühnenwelt eine wohltuende weibliche Note verleihen.

(sng)
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