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Wermelskirchen: Schulleiterinnen lassen sich nicht unter Druck setzen

Mails von Corona-Leugnern in Wermelskirchen : Schulleiterinnen lassen sich nicht unter Druck setzen

Ob Gymnasium oder Grundschule: Corona-Leugner nutzen einen großen Verteiler für den Versand von Schreiben an Schulleiterinnen in der Stadt. Die Polizei geht nicht von einer Bedrohungslage aus.

Im Gymnasium fand Schulleiterin Elvira Persian in der vergangenen Woche eine Mail, die irritierte. Ein unbekannter Absender schrieb über die Corona-Pandemie, über Schutzmaßnahmen, die er für unzulässig halte, über die Rolle der Schule bei der Umsetzung dieser Maßnahmen und er schickte auch gleich einige Anhänge mit – zu denen ein Brief an die ehemalige Bundeskanzlerin gehörte. „Ich weiß nicht, woher das kommt“, sagt Elvira Persian, „aber ich fühle mich dadurch auch nicht unter Druck gesetzt.“ Sie habe das Schreiben an die Polizei weitergegeben.

Dort sind die Zeilen bereits bekannt: Der Brief sei an mehrere Berufsgruppen verschickt worden und offenbar an einen großen Verteiler. „Von einer Bedrohungslage gehen wir nicht aus“, sagt Polizeisprecher Christian Tholl. Stattdessen habe man den Brief nach dem ersten Auftauchen bereits an den Staatsschutz nach Köln weitergegeben. Er gehe davon aus, dass es beim Strafbestand allenfalls in Richtung Nötigung gehen könnte. „Aber für den Staatsschutz könnte so eine Mail auch interessant sein, um Informationen über die Szene zu bekommen oder zu prüfen, ob sich da eine Gruppe formiert, die gefährlich werden könnte“, sagt Tholl. Auch am Gymnasium bleibt man unterdessen ruhig: Der Schulalltag laufe unter den bekannten Bedingungen relativ entspannt, sagt die Schulleiterin. Nur ganz vereinzelt würden Eltern die Schnelltests für ihre Kinder verweigern. Die Schüler müssen dann Zuhause bleiben und nach den Regeln der Landesregierung mit entsprechenden Aufgaben versorgt werden.

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Bei den Tests, die dreimal in der Woche durchgeführt werden, finden sich inzwischen jedes Mal positive Fälle. „Das ist für die Kinder dann erstmal ein Schreck, aber wir erleben keine Panik“, sagt Elvira Persian. Ob sie, wie an Schulen in benachbarten Kommunen geschehen, Vertreter der Querdenker-Szene vor dem Schulgelände beobachtet habe? „Nein“, sagt Elvira Persian, „das wüssten wir.“

Mails, wie die im Postfach des Gymnasiums, erreichen auch andere Schulen – wie etwa die Gemeinschaftsgrundschule in Dabringhausen und Dhünn. „Solche Mails kommen bei uns an, aber es ist relativ erkennbar, dass sie nicht aus der Elternschaft heraus geschickt werden“, sagt Schulleiterin Friederike Kelzenberg-Gerloff, „deswegen erkennen wir auch erstmal keinen Handlungsbedarf.“ Sie gebe die Mails Richtung Stadt weiter. Die Spaltung, die sich in der Gesellschaft immer mehr andeutet, erlebe sie an der Schule nicht im vergleichbaren Maße. Ganz vereinzelt würden Eltern die regelmäßigen Tests nicht unterstützen, so dass ihre Kinder dann Zuhause bleiben müssen. „Es gibt kleinere Anfragen“, sagt die Schulleiterin, „aber keine großen Diskussionen oder Anfeindungen.“

 Schulleiterin Katrin Wagner
Schulleiterin Katrin Wagner Foto: Hertgen, Nico (hn-)

Auch Katrin Wagner, Schulleiterin der Schwanenschule, erlebt keine Zuspitzung der Situation. „Natürlich haben Schulen schon seit einer ganzen Weile das Thema der Impfgegner und das Maskenthema im Blick“, sagt sie. Aber im Moment begegne sie vor allem Eltern, die einen sorgenvollen Blick auf landesweit steigende Inzidenzen werfen – auch unter Kindern. „Wir kämpfen uns weiter durch das Alltagsgeschehen“, sagt Katrin Wagner.

Ähnliches gilt auch für die Sekundarschule: „Wir erleben eine große Akzeptanz der Corona-Schutzmaßnahmen“, sagt Moritz Lohmann, der in diesen Tagen den kommissarischen Schulleiter vertritt. Die Schüler würden wie gewohnt den Unterricht besuchen und dreimal in der Woche an Tests teilnehmen. „Über die Maskenpflicht diskutieren wir hier nicht“, sagt Lohmann. Manchmal müssten Schüler im Alltag an das Tragen der Masken erinnert werden. „Aber das funktioniert problemlos“, sagt Lohmann. Von einer Zuspitzung der Atmosphäre könne auch an der Sekundarschule keine Rede sein.